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Fr, 07:00 Uhr
12.05.2017
Lichtblick

Furcht, Sorge, Freiheit und Verbindung

Es gibt einen Geist der Furcht, der ständig um sich blickt. Wenn es knarrt, dann schreckt er zusammen, wenn sich etwas im Dunkeln bewegt, erstarrt er zu Stein. Er beobachtet ständig, wer sich ihm nähert, vermutet, dass jeder Plan in einer riesen Misere endet. Er erwartet stets das Ende...


Sieht hinter jedem Lächeln oder jeder netten Geste einen bösen Gedanken, bei jeder ausgestreckten Hand den Dolch hinter dem Rücken. Er bewegt sich entweder hektisch oder gar nicht. Ihn belagern tausend Fragen: Was wird werden? Was hat der andere vor? Wer will mir schlechtes? Wie soll ich das schaffen?

Der Geist der lieber alles Überblicken will, nichts ungewöhnliches, nichts neues: lieber wissen woran man ist.

Es ist ein Geist den wir alle kennen: Vielleicht weil er zu uns gehört: Mal ist er sehr stark und mal ist er sehr schwach, fast unsichtbar. Es ist der Geist der Furcht.

Von Sorge

Ich kann mir vorstellen, wie sie gezittert haben und Sorgenfalten ihre Gesichter verzerrt haben. Die Begleiter Jesu, seine Gefährten, seine Jünger. Sie vertrauen diesem Mann und dann müssen sie hören: Ich werde gehen, ihr werdet weinen und klagen, es wird nicht weitergehen wie bisher. Jeder von euch der einen Abschied ins Auge geblickt hat, der unabwendbar, der kann das vielleicht nachvollziehen. Abschied von Menschen, Träumen, Plänen von Sicherheit. Die Sorge wie es weitergeht was werden wird. Das Festhalten an Altem und vielleicht auch an Toten.

Vor 2000 Jahren hat das die Leute verunsichert, die meisten von uns wird es heute immer noch verunsichern:

Jesus spricht hinein in diese Situation: eure Traurigkeit soll zur Freude werden.
Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.
Und an jenem Tage werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben.

Von Freiheit

Es gibt einen Geist, der ständig um sich blickt. Wenn es knarrt, dann schaut hin, was sich da im Dunkeln bewegt. Er geht hin, stellt sich der Dunkelheit. Er beobachtet wer sich ihm nähert, hört zu was derjenige will, was ihm umtreibt. Er sieht die Pläne, die er hat. Sieht Risiko und Chancen: und traut sich. Mit allen Konsequenten. Er hofft stehts das Gute, ist bereit dafür einzustehen. Er traut dem Lächeln des anderen ohne den Dolch zu erwarten, denn Vertrauen zwischen Menschen, Vertrauen zu Gott, muss irgendwo anfangen. Er bewegt sich umsichtig, aber klar.

Ihn beschäftigen tausend Fragen: Wie können wir zum Frieden kommen? Wie kann ich den anderen offen und ehrlich begegnen? Was kann ich für andere tun, was können sie für mich tun? Wie kann ich das schaffen?
Es ist der Geist, der versucht alles zu hoffen, alles zu wagen, offen zu sein.

Es ist ein Geist den Gott uns gibt, der uns umgibt und der in uns wohnt: Mal ist er sehr stark, mal sehr schwach, fast unsichtbar. Es ist der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Verbindung

Geist der Kraft, Geist der Furcht, Sorge und Hoffnung. Aspekte des Lebens, die jeder von uns schon erlebt hat und wieder erleben wird. Es sind grundsätzliche Erfahrungen unseres Lebens.

Die Taufe ist der Beginn, mit der der Geist Gottes bei uns einzieht. Das JA-Wort Gottes, ohne Vorleistung zu erwarten. Das Geschenk: Gott selbst schenkt sich. Für diejenigen die getauft sind stellt das Zeichen der Taufe eine relevante Frage:

Wie gehe ich gerade durchs Leben?
Fühle ich mich Gott sehr nahe oder weit entfernt?
Kann ich auch heute noch ein JA zu seinem JA finden?

Für Diejenigen die nicht getauft sind, ist es ein lebendiges Zeichen von Gottes ausgestreckter Hand. „Du kannst kommen wie du bist. In die Gemeinschaft derer die nicht perfekt sind, aber die ich erwählt habe. Trotz oder vielleicht gerade weil sie nicht perfekt sind. Jeder kann Teil davon sein. Er hält euch seine Hand hin, er geht in Vorleistung mit seinem Vertrauen.

Der lebendige Gott sagt allen Zeugen der Taufe, seinen Willen zur Beziehung, zur Heilung, zur Vergebung.
Der Gott der sich nicht zu schade war bis in die Abgründe des Menschseins zu gehen und alle Facetten des Menschseins zu erleben. In der Gestalt unseres Herrn Jesus.

Möge der Herr uns auch heute begegnen und an den Tagen die Folgen. In Tagen der Angst und der Freude.
Damit wir erleben können was Jesus uns zuspricht: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben.
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. AMEN
Pfarrer Martin Weber

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