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Mi, 09:07 Uhr
14.06.2017
GEW Thüringen zieht Bilanz

Bildungspolitik nur Ungenügend

Über das sich verschärfende Problem des Lehrkräftemangels, über den Rekord an Langzeiterkrankungen und über die problematische Rückführung der Horte in den Landesdienst – die GEW Thüringen zieht Bilanz zum abgelaufenen Schuljahr...

Am 01.06. wurde zur Bildungspolitik eine Regierungserklärung abgegeben. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) hat eine Reihe kleiner wie großer Missstände endlich auch öffentlich anerkannt, schrittweise Behebung gelobt und gar eine Unterrichtsgarantie ausgesprochen. Das nimmt die GEW Thüringen positiv zur Kenntnis. Es fehlt jedoch bei den meisten der angesprochenen Probleme und Lösungsstrategien eine zumindest grob orientierende Zeitschiene und unklar bleibt auch, ob die dringend benötigten zusätzlichen Finanzmittel für den Schulbereich im neuen Doppelhaushalt 2018/19 Berücksichtigung finden sollen.

Diese zusätzlichen Mittel aber sind notwendig, um den unnötigen Personalabbau bei den Lehrkräften verschiedener Landesregierungen in den letzten Jahren wieder rückgängig zu machen und um tatsächlich eine Garantie für Unterricht geben zu können.

Mangel wird nicht ausreichend entgegengewirkt

Das Schuljahr 2016/2017 war durch einen hohen Personalmangel an den Thüringer Schulen gekennzeichnet. Auf diesen reagierten die Schulen vor allem mit Kürzungen der Stundentafeln und regelmäßiger Anweisung von Mehrarbeit, was im Grunde einer Pflichtstundenerhöhung entspricht. Dennoch konnte der Unterricht vielerorts nicht bedarfsgerecht abgedeckt werden. Schon zu Beginn des Schuljahres betrug der Unterrichtsausfall an Regelschulen 4,4 Prozent, an Gymnasien 3,7 Prozent und Grundschulen 2,2 Prozent.

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„Der Altersdurchschnitt der Thüringer Lehrerinnen und Lehrern liegt mittlerweile deutlich über 50 und die Zahl der Langzeitkranken ist auf ein neues Rekordniveau von mittlerweile 946 Lehrkräften gestiegen. Der Krankenstand betrug zeitweise 10 Prozent. Allein diese Faktoren zeigen, dass Thüringens Schulen derzeit mit einem großen Problem zu kämpfen haben“, kommentiert Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen, die Bilanz des vergangenen Schuljahres. „Die Beschäftigten tun, was in ihrer Macht steht, aber immer häufiger zu Lasten ihrer Gesundheit. Das muss sich ändern und die Ankündigung der Landesregierung zu weiteren Einstellungen ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Auf die steigenden Schüler*innenzahlen (ca. 2.300 mehr als im Schuljahr 2015/16) wurde allerdings auch in diesem Schuljahr 2016/17 nicht angemessen durch eine in gleicher Relation steigende Anzahl an Lehrer*innen reagiert. Rund 1.300 Lehrkräfte sind allein durch Altersteilzeit und Übergang in Rente bzw. Pension nicht mehr im Unterricht. Der Personalabbau der letzten Jahre, vor dem die GEW Thüringen immer wieder gewarnt hat, schlägt sich nun zu Lasten der Beschäftigten und der Schülerinnen und Schüler deutlich nieder – bis hin zu fehlenden Zeugnisnoten aufgrund fehlender Lehrer*innen. Will die Landesregierung den Unterrichtsausfall ernsthaft bekämpfen, wird sie versuchen müssen, dieses in den letzten Jahren unnötig abgebaute Lehrkräftepersonal wieder auszugleichen.

Zu wenig Neueinstellungen

Die aktuelle Planung der Anzahl von Neueinstellungen der nächsten Jahre sieht jedoch nicht einmal einen 1:1-Ausgleich abgehender Lehrkräfte vor, so dass es weiterhin Personalabbau bei weiterhin steigenden Schüler*innenzahlen geben wird, mithin eine weitere Verschlechterung der schulischen Situation in Thüringen. Eine Unterrichtsgarantie wird so nicht umsetzbar sein. Damit sind die bildungspolitischen Herausforderungen wie Inklusion und Ganztagsschule auch weiterhin eine zusätzliche Belastung für die Beschäftigten – und damit auch für Schüler*innen und Eltern.

Von den 500 Einstellungen in diesem Schuljahr erfolgten sehr viele über Stellenwandlungen, d. h. es fehlte an geeigneten Bewerber*innen. Damit wurden Lehrerinnen und Lehrer mit einer anderen Fächerkombination eingestellt, was das Bedarfsproblem an der jeweiligen Schule selbstverständlich nicht löste. Und es verweist darauf, dass die Zahl der Mangelfächer immer größer wird (Musik, Kunst, Sprachen und zunehmend auch naturwissenschaftliche Fächer).

Rückführung der Horte

„In diesem Schuljahr waren erstmals nach acht Jahren Modellprojekt alle Erzieherinnen und Erzieher der Grundschulhorte im Landesdienst beschäftigt. Als GEW Thüringen begrüßen wir noch immer die Entscheidung zur Rückführung. Gleichwohl müssen wir sehen, dass nicht alles so gut gelungen ist, wie wir und die Kolleginnen und Kollegen uns vorgestellt haben. Vor allem die vor Ort spürbare schlechtere personelle Ausstattung hatte zur Folge, dass viele wichtige Impulse aus dem Modellprojekt nicht weitergeführt worden sind. Hier müssen in einer gemeinsamen Kraftanstrengung die Ideen zur Ganztagsschule weiterentwickelt und entsprechend ausgestattet werden“, fasst Vitzthum die Situation an den Grundschulhorten zusammen. „Die Anhebung der Beschäftigungsumfänge lässt uns hoffen, dass es in weiteren Schritten hin zu einer bedarfsgerechten Ausstattung der Grundschulhorte kommen wird.“

Für das kommende Schuljahr ist besonders wichtig:
  • Bereitstellung von zusätzlichen personellen Ressourcen für Neueinstellungen
  • jede frei werdende Stelle tatsächlich und schnellstmöglich wieder zu besetzen und zusätzliche unbefristete Stellen für die Umsetzung der Inklusion und die Entwicklung von
Ganztagsschulen im Thüringer Haushaltsplan einzurichten, gute Arbeitsbedingungen schaffen durch:
  • Entlastung und Entbürokratisierung des Schulalltages,
  • Umsetzung Rahmendienstvereinbarung Gesundheitsmanagement,
  • Einrichtung einer höheren Personalvertretungsreserve, d.h. mindestens in Höhe von 4 Prozent gemessen am Lehrer*innengrundbedarf (dies entspricht etwa 600 Vollzeitstellen),
  • Ermöglichung von attraktiver (Alters-)Teilzeit sowie
  • Qualifizierungs- und Ausbildungsoffensive für nicht ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher sowie für Seiten- und Quereinsteiger*innen.
  • gerechte Eingruppierung aller an Schule Beschäftigten sowie die Schaffung beruflicher Perspektiven durch Beförderung und Höhergruppierung,
  • Weiterentwicklung der demokratischen Strukturen an Schule, Stärkung der Mitbestimmung der Örtlichen Personalräte und der Lehrerkonferenzen
Für den Hort gilt im Besonderen:
  • Die Einstellungen sind bereits zum neuen Schuljahr und nicht erst zum nächsten Haushaltsjahr bedarfsgerecht und tatsächlich nach der Verwaltungsvorschrift des Bildungsministeriums bei einem Betreuungsschlüssel von 1:20 vorzunehmen.
  • Die Beschäftigungsumfänge sind nach dem realen Bedarf anzuheben und sollten den Anforderungen guter Arbeit entsprechen. Ungewollte Teilzeit mit 60-Prozent-Stellen entspricht jedoch prekären Arbeitsbedingungen. Insbesondere an dieser Stelle sollte die Landesregierung ihren eigenen Koalitionsvertrag und den darin formulierten Anspruch der Beseitigung prekärer Beschäftigungsverhältnisse ernst nehmen.
  • Es muss endlich eine konsequente Entwicklung der Ganztagsschule und die Sicherstellung zusätzlicher Ressourcen zur Rhythmisierung und Gestaltung des gemeinsamen Unterrichts im Ganztag geben.

GEW Thüringen
Autor: red

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