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Sa, 09:02 Uhr
15.07.2017
Auleben ehrt Wilhelm von Humboldt

„Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache“

Wilhelm von Humboldt wird am 28. Juli ab 19.00 Uhr im Europadorf Auleben anlässlich seines 250. Geburtstages von dem Förderverein Goldene Aue geehrt. Vortragende des Abends ist Heidelore Kneffel, die sich seit Jahren mit der Familie Wilhelm und Caroline von Humboldt beschäftigt. Zu dieser Veranstaltung ergeht an die Bewohner unserer Region eine herzliche Einladung...


W.v. Humboldt kam am 22. Juni 1767 in Potsdam zur Welt, starb am 8. April 1835 in Tegel und führte in mehreren europäischen Ländern ein bemerkenswertes Leben. Schloss und Park Tegel in Berlin gehören zu den Orten, die Vergangenheit gegenwärtig bewahren. Wenn man wissen möchte, was für Wilhelm und Caroline von Humboldt lebensnotwendig war, so findet man sehr vieles davon dort: Natur, Architektur, Kunst. Sie ließen das ererbte Schloss vom Architekten Friedrich Schinkel umbauen, so dass es während der warmen Jahreszeit zum Wohnen geeignet war und gleichzeitig als Museum für die Antike diente. Es war das erste seiner Art in Preußen.

Auch in unserer Region gibt es einen Humboldtort, das Goldene-Aue-Dorf Auleben mit seinem Renaissanceschloss, wo ein den Humboldts gewidmeter Raum über diese interessante Familie informiert. Es gibt vieles über diese Persönlichkeit zu erzählen, auch Anekdotisches. An diesem Abend wird es auch die Humboldttorte geben, deren Rezeptur dem Förderverein von einem Herrn von der Burg, Mitglied der weltweit agierenden Humboldtgesellschaft, zugeschickt wurde. Lydia Karnstedt hat diese Torte 2012 erstmals für Auleben gebacken. Zahlreiche Eier sind darin enthalten, zermahlenes dunkles Brot und verschiedene Gewürze, auch Rosenwasser. Die Bäckerei König in Auleben wird diese „Brottorte“ im Jubiläumsjahr anbieten.
Humboldt-Schloss in Auleben (Foto: Archiv Kneffel)
Humboldt-Schloss in Tegel (Foto: Archiv Kneffel)
Humboldt-Statue vor der Uni in Berlin (Foto: Archiv Kneffel)
Humboldt-Universität Berlin (Foto: Archiv Kneffel)
Der diesjährige 22. Juni war ein Sommertag, wie er im Buche steht. An diesem Gedenktag für den außergewöhnlichen Menschen Wilhelm von Humboldt fanden sich im Schloss und Park Tegel in Berlin zahlreiche Personen ein, um an ihn zu denken. Seine Familie, die Stadt Berlin, die Repräsentanten des Humboldtforums hatten eingeladen.

Sie äußerten sich über diesen Kenner der Antike, den Schriftsteller, den Staatsmann, den „Erfinder“ der Berliner Universität, den Sprachforscher. Der Gründungsintendant des Humboldtforums, Neil MacGregor, würdigte insbesondere seine Sprachstudien.

Er wies darauf hin, dass sich H. neben seinen tatsächlichen Reisen nach Frankreich, Spanien, Italien, Österreich, England, wo er sich immer auch in den Bibliotheken aufhielt, um sich über die Sprachen zu informieren, gedanklich auch in entfernteste Regionen begab. Er erforscht die Sprachen der Eingeborenen Amerikas, die indische Sanskrit-Dichtung, er untersuchte die Sprachen Asiens und Polynesiens, arbeitete an einer Studie über die antike Kawi-Sprache von Java u.a.m. Er soll Kenntnis von ca. 150 Sprachformen gehabt haben. Wie wichtig ihm die Beherrschung von Sprache war, zeigt auch, dass er im Alter jeden Tag ein Sonett verfasste. Er erkannte: „Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache.“ und „Die Vielfalt der menschlichen Denkmöglichkeiten zeigt sich in der Vielfalt der Sprachen.“

Fast vier Jahrzehnte waren Wilhelm und Caroline von Humboldt verheiratet, ihre Beziehung war offen, frei und innig, ungewöhnlich bis ins Heute. Humboldts Fähigkeit, im Gespräch auf die Gedanken des anderen einzugehen, was in der Regel den Frauen zugeschrieben wird, hat zahlreiche Menschen angezogen.

In Auleben wird es im Humboldtzimmer auch Humoriges zu hören geben. In einen der unzähligen Briefe, die sich das Ehepaar schrieb, da es durch Humboldts diplomatische Dienste für Preußen oft getrennt war, erfahren wir von Caroline von H.: „Du mokierst Dich auf die niedlichste Weise über mein Verschreiben mit den vielen T in dem Wort 'entferntesten Bergketten'. Bei Dir, süßestes Leben, wird kein Gott noch Mensch Dich je überführen können, Dich je verschrieben zu haben, denn da alle Deine Buchstaben eine so liebenswürdige Familienähnlichkeit haben, so möchte es schwer sein, den Hinweis zu führen. Verzeih mir, teuerste Seele, aber da Du schon voraussetzt, daß ich mich rächen werde, so muß ich doch nicht hinter Deinen Erwartungen zurückbleiben.“

Man merkt, dass es sich lohnt, von einigen Lebensstationen dieses außergewöhnlichen Menschen am 28.7 zu erfahren.
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