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Mo, 14:48 Uhr
07.08.2017
8. Harzquerung von West nach Ost

147 km nonstop gewandert

Etwas abenteuerlich geht es fast immer zu, bei der Nonstop-Überquerung des Harzes von West nach Ost in einem Stück. Bodo Schwarzberg und einige Begleiter haben diese Abenteuer nun schon zum 8. mal hinter sich gebracht...

Sie soll keine Massenveranstaltung sein, eine Art Unterwegsbetreuung gibt es nicht, die Route wird vor der Veranstaltung nicht noch einmal auf ihren Zustand hin überprüft, sie wird von einem Wanderleiter geführt. Beim Harz-Hunderter Extrem ist dennoch die Individualität jedes Teilnehmers gefragt.

Vom 20.-21.7.2001 gab es die Nonstoptour Seesen-Brocken-Lutherstadt Eisleben zum ersten Mal überhaupt allerdings als private sportliche Leistung. Gemeinsam mit dem Vogtländer Klaus Weigel wurde der Harz von mir auf seiner größten Ausdehnung erstmals am Stück erwandert. Nur bei dieser West-Ost-Harzquerung erfolgte der Start frühmorgens. Nur eine Nacht musste durchwandert werden, seit 2005 sind es zwei Nächte, da bereits abends gestartet wird. Bei einem Start frühmorgens könnten die Teilnehmer den Startort Seesen nicht erreichen. Erst 2005 aber fand auf dieser Route eine offizielle Wanderveranstaltung, „Harz-Hunderter-Extrem“ genannt, mit dem Deutschen Alpenverein Halle als offizieller Veranstalter, statt. Unter diesem Namen begingen wir sie dann wieder 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015 und 2017. 2016 fiel sie wegen einer Sportverletzung des Wanderleiters aus. Nur in den Jahren 2001, 2005, 2010, 2011, 2012, 2013, 2015 und 2017 erreichte mindestens ein Wanderer das Ziel in Eisleben, legte also 147 km am Stück zurück. Achtmal konnte der Harz also bisher nonstop überquert werden. 2014 endete die Tour nach 100 km in Straßberg. Der Grund waren anhaltende schwere Gewitter.

Harzwanderung im Morgengrauen - 147 wanderten Bodo Schwarzberg und Begleiter von West nach Ost über den Harz (Foto: Bodo Schwarzberg)

Am vergangenen Wochenende begaben sich Dr. André Petrasch aus Naundorf bei Halle, Detlef Koch aus Berlin, Lutz Hollerbuhl aus Sangerhausen und Bodo Schwarzberg auf die Strecke über den Harz. Während Lutz Hollerbuhl und Bodo Schwarzberg am Freitag um 21:30 in Seesen starteten, stiegen André Petrasch und Detlef Koch am Sonnabendmorgen um 10:30 auf dem Brocken zu. Vom Brocken nach Eisleben sind es 100 Wanderkilometer.

Die erste Wandernacht verlief für Lutz Hollerbuhl und Wanderleiter Bodo Schwarzberg ohne größere Probleme. Erschreckend waren die Hochwasserschäden nach elf Kilometern in Lautenthal, die uns zunächst in Form zahlloser, auf der Straße stehenden Möbelstücke begegneten. Der Wirt vom „Zwergenstübchen“, in das wir einkehrten, zeigt uns dann weitere erschreckende Fotos von fortgeschwemmtem Straßen- und Wegabschitten. Der ansonsten kleine, vor wenigen Tagen jedoch über die Ufer getretene Bach Innerste machte schlimme Schlagzeilen.

Über Altenau und das malerische Kellwassertal und Torfhaus erreichten wir gegen 9 Uhr 30 den Brocken (km 48), wo es ganz selbstverständlich neblig war und leicht regnete. Wohltuend war die Ruhe vor dem Einlaufen des ersten vollen Brockenzuges. In der Bahnhofsgaststätte saß nur noch ein weiterer Wanderer. Nun zu viert, trafen wir beim Abstieg, obligatorisch bei dieser Veranstaltung, den legendären Brocken-Benno, der gerade seinen 8.245. Aufstieg absolvierte und der uns erzählte, dass er spätestens zu seinem 88. Geburtstag den 8.888. Brockenbesuch auf Schusters Rappen plant.

Am vergangenen Wochenende begaben sich Dr. André Petrasch aus Naundorf bei Halle, Detlef Koch aus Berlin, Lutz Hollerbuhl aus Sangerhausen und Bodo Schwarzberg auf die Strecke über den Harz (Foto: Bodo Schwarzberg)
Am vergangenen Wochenende begaben sich Dr. André Petrasch aus Naundorf bei Halle, Detlef Koch aus Berlin, Lutz Hollerbuhl aus Sangerhausen und Bodo Schwarzberg auf die Strecke über den Harz

Kurz nach Elend begann es heftig zu regnen, zudem war unser Wanderweg an der übervollen Talsperre Mandelholz unterbrochen. Nach einem kleinen Umweg ging es über Königshütte nach Trautenstein (Pause, km 74, Hälfte der Wanderstrecke) und dann weiter über das Radeweghaus (Querung der B 81) nach Stiege, Güntersberge und Straßberg. Die dortige Gaststätte erreichten wir mit 15 Minuten Verspätung gegenüber unserem Zeitplan gegen 22:45. Lutz Hollerbuhl hatte hier, nach 100 Kilometern, sein Ziel erreicht und freute sich über die Urkunde. Ein Familienmitglied holte unseren Wanderfreund ab. Außer einem blutigen Zeh des Wanderleiters (später wurden es zwei blutige Zehen) hatte es bis dahin keine gravierenden körperlichen Probleme gegeben.

Dafür verliefen wir uns auf dem nächsten Abschnitt zwischen Straßberg und Dankerode und zerstörten damit unseren Zeitplan. Wir wurden ein „Opfer“ des „Bergbaurundweges“, der offensichtlich anders markiert oder in den vergangenen zwei Jahren stellenweise erweitert wurde.

Zwar stellten wir entlang unserer Route insgesamt zahlreiche neue Wanderwegweiser fest, es mangelt aber nach wie verbreitet um eine nachvollziehbare, einheitliche Markierung der meisten Wanderwege. Das gilt vor allem für den Mittel- und den Ostharz. So gab es zwischen Dankerode und dem Wippertal zwar einige Wegweiser, kilometerweit dazwischen aber fehlten die Markierungen komplett. An der Wipperstalsperre (km 114) ließ ich André und Detlef vorausgehen. Zwei verletzte Zehen bremsten den Wandereiter aus. Der in Nebel gehüllte zweite Sonnenaufgang auf der Extremtour weckte die Lebensgeister bei uns drei ein wenig, doch erst der Kaffee im Harzer Erlebnishof Grillenberg nach 126 Kilometern erreichte die für die verbleibenden 21 Kilometer vollends. Am Nachmittag erreichten André Petrasch (100 km), Detlef Koch (100 km) und Bodo Schwarzberg (147 km) den Bahnhof in Lutherstadt Eisleben.

Mein besonderer Dank geht an die Gaststätten Zwergenstübchen in Lautenthal (km 11), Brocken (km 48), Druidenstein (Trautenstein km 74), Bergschänke (Straßberg, km 100) und Grillenberg (km 126) für die Bedienung von uns z.T. kräftig verschwitzten und eingestaubten Wandern zu mitunter exotischen Uhrzeiten.
Auch im kommenden Jahr wird es einen Harz-Hunderter extrem geben.
Bodo Schwarzberg
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Kommentare

07.08.2017, 21.43 Uhr
feuerwehrmann01 | Bodo Wieder einmal..
Bodo der Retter der Nation..muss dort stehen..dieser Typ muss Bundespräsident werden..er ändert die Welt und sein Gefolge vielleicht die Rettung der links und Rechts gepunkteten nur Nachts sehenden Regenwürmer..nur weiter so....
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