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Mo, 19:36 Uhr
15.01.2018
Neues aus Bad Frankenhausen

Knutfest – ein neuer Brauch in Bad Frankenhausen

Die Weihnachtszeit geht immer viel zu schnell vorbei, vor allem für die Kinder. Aber einen Höhepunkt gibt es noch, wie der Bericht zeigt, der kn heute erreichte...

Kaum hat man mit großer Heimlichkeit oder viel Hallo den mehr oder weniger stattlichen Weihnachtsbaum geschmückt und ihn gebührend bewundert und seine Süßigkeiten geplündert, ist auch schon Silvester. Spätestens ab dem 2. Januar steht das Schmuckstück im Wege, missmutige Blicke streifen es und manch einer denkt: Wie werde ich das Biest am schnellsten wieder los?

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Man stellt den mageren und abgeputzten Baum neben die Mülltonne, vergisst ihn auf der Stelle und die Müllabfuhr nimmt ihn mit. In Orten mit einem Zoo kann man das ehemals geliebte Stück auch dort abgeben. Dann fressen die Elefanten ihn als Delikatesse.
Der schönste Brauch jedoch scheint mir das vermutlich von IKEA eingeschleppte Knutfest zu sein. In den nordischen Ländern endet die Weihnachtszeit erst am 13. Januar, und nicht wie bei uns, bereits am 6. mit dem Dreikönigsfest. Der heilige St. Knut gab dem Fest seinen Namen. Hier erfreute sich der eher unbekannte Knut schnell großer Beliebtheit:

Am Nachmittag des 1.Sonnabends nach unserem Festende hat es sich schnell eingebürgert, den Weihnachtsbaum abgeschmückt zum Untergelgen an der alten Stadtmauer zu schleppen. Das geschieht per Auto, per Fahrrad oder zu Fuß, indem man dem Baum einen Strick um das Ende schlingt und ihn, vorzüglich von den Sprösslingen, zu Verbrennplatz schleifen lässt. Manche der Kleinen ziehen ihn auch auf ihren Wägelchen hinter sich her.
Ist es dunkel geworden, kommt die Feuerwehr ins Spiel. Vier Einsatzwagen stehen bereit, für die Kinder schon ein Wert an sich. Der erste Teil der abgeschmückten Bäume wurde derweil auf einen Haufen geschichtet. (Alle auf einmal ergäben ein viel zu großes Feuer.) Der Verbrennplatz hat sich dank der Kameraden der Feuerwehr in einen Festplatz verwandelt. Umstellt von flackernden Baumfackeln gibt es dort Glühwein, Bratwurst, ein Drehrad für den guten Zweck und Weihnachtsbaum-Weitwurf.

Knutfest – ein neuer Brauch in Bad Frankenhausen (Foto: privat)
Auf Kommando wird Feuer an den Verbrennhaufen gelegt. In Sekundenschnelle erhebt sich eine fünf Meter hohe Flamme, die wächst und wächst und – kaum, dass sie kleiner zu werden scheint - sofort mit Nachschub versorgt wird. “Kuck mal, jetzt kommt unser Baum“, ruft ein Papa seinem Jüngsten zu. Der Kleine klatscht in die Hände und freut sich. Bestimmt genau so sehr wie am Heiligen Abend, als dieser noch im Kerzenglanz in der Stube stand. Nicht lange, und es fängt an zu qualmen. Ein weißer, satter Rauch windet sich nach oben und verzaubert die alte Stadtmauer. Da ostseitiges Wetter ist, umhüllt der wohlduftende Rauch, wenn er sich senkt, auch den Glühwein- und Bratwurst-Stand samt der davor anstehenden Schlange.

Alle fluchen und husten, aber sie weichen nicht. Für eine gute Bratwurst hält der Frankenhäuser schon was aus! Der Duft des Rauchs erinnert die älteren Besucher an die vielen „Knäckerchen“, die sie im Laufe ihres Lebens abgebrannt haben. Für viele Kinder ist es das einzige große Feuer im Laufe des Jahres.(Gartenfeuer sind ja leider nicht mehr erlaubt.)
Hier ist es völlig ungefährlich. Die Jungs und Mädels von der Feuerwehr haben alles im Griff. Manchmal leuchtet im hellen Feuer das eine oder andere besonders helle Lichtchen auf. Vielleicht ein vergessener Faden Lametta? Für die Kinder sind es Sternchen, die in den tiefblauen Nachthimmel aufsteigen.
Vielleicht sind es aber auch Engelchen, die zur nächsten Weihnacht zurückkehren…

Christel Maria Steinmann
Bad Frankenhausen
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Kommentare

15.01.2018, 22.35 Uhr
Friedrich I. | Und da liegen immer noch
Tannenbäume am Straßenrand.
Es scheint nicht Jeder die Info der Stadt zu lesen?
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