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Fr, 08:45 Uhr
09.03.2018
Mehr Risiken als Chancen?

Deutsche sehen demographischen Wandel skeptisch

Steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten: Die Deutschen sehen die Folgen dieses sogenannten demographischen Wandels mit Skepsis: Fast zwei Drittel (65 Prozent) verbinden damit vor allem Risiken. Nicht mal jeder Zehnte (8 Prozent) sieht darin Chancen für Deutschland...

Huskyherz (Foto: Huskyherz/pixabay.com)
Auslöser dafür sind vor allem Sorgen um den Wohlstand und die Lebensqualität zum Lebensabend: Altersarmut, erhöhte Lebensarbeitszeiten und steigende Rentenbeiträge stehen bei den Deutschen ganz oben auf der Sorgenliste.

Gleichzeitig zeigt sich: Immer mehr Menschen sind bereit, im Alter länger zu arbeiten. Die Motive dafür hängen allerdings von Einkommen und Bildungsgrad ab. Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Bevölkerungsumfrage der Bertelsmann Stiftung. Dafür hat das Institut für Demoskopie Allensbach 1.400 Personen ab 16 Jahren zum Thema demographischer Wandel befragt.

„Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Bürger den demographischen Wandel als einschneidenden Trend wahrnehmen, von dem sie starke Folgen für die Zukunft Deutschlands erwarten“, kommentiert André Schleiter, Studienleiter und Experte für Demographie bei der Bertelsmann Stiftung. Diese Folgen schätzen die meisten eher negativ ein: Seit 2014 hat sich die Zahl der Menschen erhöht, die den demographischen Wandel eher als Risiko für Deutschland wahrnehmen (2014: 55 Prozent; 2017: 65 Prozent). Gleichzeitig sehen immer weniger Bürger den Wandel als Chance (2014: 11 Prozent; 2017: 8 Prozent). Als erwartete Folgen des demographischen Wandels nennen die Deutschen besonders häufig: steigende Altersarmut (83 Prozent), einen späteren Renteneintritt (80 Prozent) und steigende Rentenversicherungsbeiträge (77 Prozent).

Akzeptanz für längere Lebensarbeitszeit steigt

Die Experten der Stiftung erkennen in der Umfrage aber auch eine wachsende Bereitschaft der Bevölkerung, sich mit längeren Lebensarbeitszeiten anzufreunden. Während zur Jahrtausendwende noch mehr als die Hälfte der berufstätigen Befragten (2002: 52 Prozent) früher als gesetzlich vorgesehen in den Ruhestand gehen wollte, hat sich ihr Anteil auf aktuell 25 Prozent mehr als halbiert.

Dagegen hat sich die Anzahl der Berufstätigen, die über die Ruhestandsgrenze hinaus arbeiten wollen, im selben Zeitraum verdoppelt (2002: 5 Prozent, 2017: 12 Prozent). „Die Mehrheit der Befragten kann sich noch nicht mit einer Heraufsetzung des gesetzlichen Renteneintrittsalters anfreunden, aber ein Trend zur Akzeptanz eines längeren Berufslebens ist deutlich erkennbar“, erklärt André Schleiter. Dabei sind die Beweggründe für eine längere Erwerbstätigkeit von der sozioökonomischen Situation der Befragten abhängig: Je höher Qualifikationsniveau und Haushaltseinkommen, desto eher spielen Motive wie „Freude an der Arbeit“ und „Kontakt mit Menschen“ eine Rolle. Je niedriger Einkommen und Qualifikationsniveau, desto eher sehen die Befragten längeres Arbeiten als finanzielle Notwendigkeit und weniger als sinnstiftende Chance.

Um den unterschiedlichen Lebensläufen und Anforderungen an den Ruhestand gerecht zu werden, empfehlen die Stiftungsexperten für die Organisation des Übergangs in den Ruhestand möglichst passgenaue Lösungen: „Für die Gestaltung des Altersübergangs sind starre Regelungen fehl am Platz, weil sie den unterschiedlichen Lebenslagen in der Bevölkerung nicht gerecht werden. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass durch Einheitslösungen soziale Ungleichheiten weiter verstärkt werden“, mahnt André Schleiter. Denn wer ohnehin schon in prekären Jobs arbeite, wenig verdiene oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten könne, werde durch pauschale Rentenregelungen noch weiter abgehängt. „Die Politik muss bei Reformen mit Bezug zum demographischen Wandel die sozialen Folgen sorgfältig im Blick behalten“, fordert Schleiter.
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Kommentare

09.03.2018, 09.38 Uhr
LieberNicht | Die Chancen
des Wandels überwiegen nach meiner Meinung.
Durch die gesetzten Rahmenbedingungen ist es in den letzten Jahrzehnten zu extrem großen Steigerungen der Produktivität und der Effektivität gekommen.
Wenn man überlegt was 1 Landwirt heute für Flächen bearbeitet oder ein Industriearbeiter pro Stunde erwirtschaftet, was ein PC Arbeitsplatz pro Tag leisten kann.
Die Parteien haben diesen Trend zur Steigerung immer weiter getrieben durch die extreme Besteuerung des Faktors ARBEIT.
Daher wird dieser - wo nur möglich eliminiert.
Wenige schaffen mehr.
Die länger hier Experimentierenden nennen ein Form der Arbeitsplatzverwandlung dann Digitalisierung 4.0
Dazu kommt die Tatsache, das aus dem Niedriglohn Bereich im Prinzip keine Steuern kommen.

Das nicht eingenommen Geld aus dem Faktor Arbeit müsste durch Einnahmen durch die Besteuerung von Finanztransaktionen ersetzt werden.
Wir leben in Zeiten des Hochfrequenzhandels an den Börsen.
Millionen von Käufen und Verkäufen am Tag erwirtschaften kleine Differenzen im Wert, von denen man Leben kann.
ABER - nun sitzen da nicht ( nur ) die Spekulanten die damit ihr Geld verdienen, da sitzen auch Spekulanten, welche für unsere Rentenversicherung und unsere Lebensversicherungen die Dividende erwirtschaften müssen bzw es versuchen.
In den Zeiten der POLITISCHEN 0 Zins Politik ist das Schwierig.
Sie sehen es an Ihren Überschussbeteiligung bei Kapitallebensversicherungen und vielem mehr.

Fakt ist und bleibt:
Wir kommen mit weniger Menschen aus und können trotzdem unseren Wohlstand halten.
Das Rentensystem was hier am meisten Sorge bereitet muss schon lange auf eine Steuerfinanzierung umgestellt werden.
NUN versuchen Sie das mal einen der gewohnt hier Regierenden zu erklären. Das sind manchmal Leute ohne Ausbildung und/oder mit einer nicht geeigneten Ausbildung.
Das hat nichts mit Farbenspielen aller SCHWARZ, ROT, ganz ROT und GELB oder GRÜN zu tun - Das ist Mathematik.

WIR sollten uns überhaupt mehr auf die Sachlage als auf die Ideologien konzentrieren.

Was wir NICHT brauchen ist die Einwanderung in die unqualifizierten Bereiche und was wir NICHT brauchen sind noch mehr Hände aus die aus den Töpfen nehmen, ABER NICHTS einfüllen.

GRÜNE könnten auch Argumentieren und da würde ich Ihnen zustimmen : 78 Millionen belasten die Natur weniger als 85 Millionen Menschen. Nachhaltigkeit ist das dann schon.

Also von meiner subjektiven Seite aus sehe ich mehr Chancen.

Jörg Prophet
09.03.2018, 12.19 Uhr
Wolfgang Reinhardt | Die Angst ist unbegründet
David Spencer, Prof. für Wirtschaft und politische Ökonomie an der Leeds Universität forderte bereit im Jahre 2015, dass die Arbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche verkürzt wird.
Der Grund: Durch technischen Fortschritt und Innovationen steigt die Produktivität. Mit weniger menschlichem Arbeitseinsatz ist dank der Hilfe von Maschinen, Robotern, intelligenten Computersystemen und der digitalen Vernetzung immer mehr Wertschöpfung möglich.
In Deutschland, wie in anderen Industrieländern auch, wächst die Arbeitsproduktivität seit Jahrzehnten beständig an. Allein zwischen 1991 und 2012 ist die Produktivität pro Arbeitsstunde um rund 35 Prozent gestiegen. (Quelle: Statistisches Bundesamt, annotazioni.de)
Um wieviel Prozent stiegen denn die Löhne in dieser Zeit? So gut wie gar nicht. Und damit wurden auch nicht 35% mehr in die Rentenkasse eingezahlt.
Zwischen den 1970ern und 1980ern waren die Zuwachsraten sogar noch größer. Jedoch sind die Reallöhne in derselben Zeit deutlich geringer gestiegen. Das heißt: Die gesellschaftliche Dividende von Entwicklung und Fortschritt wird seit Jahrzehnten nicht an die Arbeitenden weitergereicht (und somit auch nicht der Rentenkasse zugeführt), sondern mehrt gefördert durch die Politik den Profit und das Vermögen einer überschaubaren Kaste von Kapitaleignern, Privatanlegern und Investoren.
Der Umbau der Sozialsysteme wie etwa in Deutschland durch die „Agenda 2010″ tut sein Übriges. Auf die Beschäftigten wird Druck „von unten“ aufgebaut. Wer mit geringeren Löhnen, unbezahlten Überstunden oder steigendem Stress am Arbeitsplatz nicht einverstanden ist, kann sich schon bald in einer in einem noch schlechter bezahlten Zeitarbeitsjob oder in der Warteschlange des örtlichen Jobcenters wiederfinden. Auch das schmälert die Rentenkasse.
Wie kann man denn trotz der veränderten Altersstruktur der Bevölkerung gute Renten sichern?
Meine Meinung ist: da zunehmend Roboter und Computertechnik herkömmliche Arbeitsplätze verdrängt haben und weiterhin verdrängen werden, ist eine Veränderung des Systems der Rentenbeitragszahlung erforderlich. Die von den sog. Arbeitgebern an die Rentenkasse abzuführenden Beiträge dürfen nicht mehr an die Bruttolohnsumme des Unternehmens gekoppelt werden, sondern sind an den Umsatz oder den Gewinn der Unternehmen zu binden. Das wäre gerecht.

Wolfgang Reinhardt
09.03.2018, 14.03 Uhr
A. Wolf | Chance ist, über andere Verteilung nachzudenken
Produktivitätssteigerungen haben in der Vergangenheit auch immer dafür gesorgt, dass die Arbeitszeiten gesenkt werden konnten, da haben sie in Ihrem Kommentar natürlich recht Herr Reinhardt. Das tun die, welche die meisten Lobbyisten in der Politik haben, die Arbeitgeber, allerdings nur sehr ungern. Deshalb muss dafür gekämpft werden.

Und für die Renten... muss man das Geld aus den Töpfen nehmen, wo es durch die Lebensleistung der Rentner hineingeflossen ist. Aus den prall gefüllten Töpfen derer, welche die Gewinne bzw Profite aus dem Faktor Arbeit eingestrichen haben. Aber auch das geht nur durch Umbesteuerung und damit gegen die Lobbyisten der Profiteure in der Politik.

Das eklatante Ungleichgewicht zwischen den Einkommen und der daraus resultierenden Altersversorgung gibt es nicht erst seit der Flüchtingskrise. Für unzureichende deutsche Renten sind keine Flüchtlinge verantwortlich, das Problem lag definitiv schon vor 2015. Wir brauchen deshalb keine Neiddebatte zwischen Rentnern und Flüchtlingen, obwohl manch einer die nur allzu gerne anstachelt. Wir brauchen eine Debatte darüber, wie Einkommen gerechter unter denen verteilt wird, die es erwirtschaftet haben. Denn Geld ist genug da.
09.03.2018, 18.41 Uhr
Mueller13 | Weiß bescheid, hat keine Ahnung, will wie immer umverteilen
@ Jörg Prophet
Ich stimme Ihren Aussagen weitgehend zu. Theoretisch können wir unsere Alten halbwegs würdig ernähren und versorgen. Das Polster wurde in den letzten Jahren geschaffen.
Solche Sätze: "was wir NICHT brauchen sind noch mehr Hände aus die aus den Töpfen nehmen, ABER NICHTS einfüllen."
hört man in der heutigen Politik nicht. Als meine Oma von dem bedingungslosen Grundeinkommen hörte, war Sie ganz begeistert. Als ich Sie fragte, wer das finanzieren soll, kam von ihr: "Na, der Staat". Auf meine Entgegnung, dass ich der Staat bin und dass man mir das Geld wegnehmen wird, was dann jemand anderes bekommt, wollte sie dann nicht mehr eingehen.

@ Wolfgang Reinhardt
Zitat WR: "David Spencer, Prof. für Wirtschaft und politische Ökonomie an der Leeds Universität forderte bereit im Jahre 2015, dass die Arbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche verkürzt wird."
-> Sie haben bemerkt, dass wir nicht unter einer abgeschlossenen Glasglocke sitzen? Unsere Konkurrenz in Korea, China, Japan den USA usw. arbeitet viele Stunden mehr. Was meinen Sie, was passiert, wenn wir unsere Arbeitszeit senken und dadurch die Lohnstückkosten massiv erhöhen? Na, kommen Sie selbst drauf? Das letzte Mal, als wir derartige Probleme hatten, hießen wir der Alte Kranke Mann Europas. Mit Ansichten wie der Ihrigen, kommen wir da wieder hin.
Eine kleine Grafik für Sie:
https://www.focus.de/finanzen/news/35-laender-im-vergleich-grafik-zeigt-so-wenig-arbeiten-die-deutschen-wirklich_id_4644595.html

Zitat WR: "Die von den sog. Arbeitgebern an die Rentenkasse abzuführenden Beiträge dürfen nicht mehr an die Bruttolohnsumme des Unternehmens gekoppelt werden, sondern sind an den Umsatz oder den Gewinn der Unternehmen zu binden."
-> Was ist das für ein Unsinn?
-> Mal angenommen wir binden es an den Umsatz: Ich kenne Ingenieure, die haben kleine Umsätze, aber super Gewinne und ich kenne andere Branchen, die haben große Umsätze aber keine Gewinne. Finden Sie es fair, wenn derjenige der keine Gewinne erzielt, stärker belastet wird, als derjenige, der hohe Gewinne erzielt?
-> Mal angenommen, wir binden es an die Gewinne, dann sagt der Unternehmer am Ende des Jahres zu seinen Arbeitnehmern: "Sorry, wir haben keine Gewinne erzielt, deshalb habe ich nichts in die Rentenkasse eingezahlt".

-> Zitat WR: "Das wäre gerecht." ... Ähhhm, nein, bestimmt nicht. Bitte überlegen Sie nochmal, ehe Sie solche Geschichten in Umlauf bringen.

@ Walküre
Zitat W: "Produktivitätssteigerungen haben in der Vergangenheit auch immer dafür gesorgt, dass die Arbeitszeiten gesenkt werden konnten"
-> Auf welchem Gewerkschaftskongress hat man Sie denn wieder fehlgebildet? Die Arbeitszeiten sinken auch weiterhin (zu Hause Abwaschen gehört nicht zur Arbeitszeit). Einfach mal einen Blick drauf werfen...

https://www.querschuesse.de/wp-content/uploads/2013/05/2a7.jpg

Zitat W: "Und für die Renten... muss man das Geld aus den Töpfen nehmen, wo es durch die Lebensleistung der Rentner hineingeflossen ist. Aus den prall gefüllten Töpfen derer, welche die Gewinne bzw Profite aus dem Faktor Arbeit eingestrichen haben.
-> Oh man, da hat wieder jemand zu tief im sozialistischen Manifest gestöbert.

Zitat W: Wir brauchen eine Debatte darüber, wie Einkommen gerechter unter denen verteilt wird, die es erwirtschaftet haben. Denn Geld ist genug da."
-> Als erstes brauchen wir mal eine Debatte, wer denn in den Genuss der erwirtschafteten Überschüsse kommen soll. Diejenigen die ihn erwirtschaftet haben? Diejenigen, die die gleiche Staatsbürgerschaft haben, wie diejenigen, die ihn erwirtschaftet haben? Oder ALLE, die es irgendwie geschafft haben ins gelobte Land zu kommen? Wenn wir diese Thematik geklärt haben, können wir auch überlegen, welcher Betrag wem zusteht.
Und auch Ihnen seien die Grundlagen der Umverteilungspolitik nochmal ans Herz gelegt:
1. Wir können den Euro nur einmal ausgeben
2. Was wir jemanden geben, müssen wir vorher jemanden wegnehmen.
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