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Mi, 13:04 Uhr
11.04.2018
Kulturszene aktuell

Ein Fest der deutschen Sprache und Musik

Franz Liszts literarisch-musikalische Reise in die Schweiz. Eine Rezension zu dieser Veranstaltung in Sondershausen von Dr. Klaus Buchmann...

Die in Sondershausen schon bekannte Pianistin Gerlint Böttcher und der aus zahlreichen Fernseh-, Kino- und Hörbuchproduktionen populäre Schauspieler Hans- Jürgen Schatz aus Berlin begeisterten das Publikum im Riesensaal des Sondershäuser Schlosses am vergangenen Freitag mit einem äußerst anspruchsvollen Programm.

Einziges musikalisches Werk des Abends bildete das Klavierepos „Annèes de Pèlerinage; première année: Suisse“ von Franz Liszt, veröffentlicht 1855, aber entstanden in ersten Entwürfen als „Album eines Reisenden“ in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts, in denen Liszt mit Gräfin Marie d’Agoult mehrere glückliche Jahre in Genf erlebte.

Inspiriert durch die Natur und Landschaft der Schweiz, aber auch vom Staatsgebilde, dem Helden Wilhelm Tell und dem freiheitlichen Denken sowie dem Versepos von George Gordon Noël Lord Byron „Childe Harolds Pilgerfahrt“, dessen Helden der Autor im Vorwort zum 3. Band als „eine Ausprägung seiner selbst“ bezeichnet sowie dem Briefroman „Oberman“ von Etienne Pivert de Sénancour, dessen Protagonist Oberman eine Reise durch die Schweiz unternimmt und sich bei Betrachtung der Natur philosophischen Reflexionen hingibt, sowie der Lyrik von Friedrich Schiller, zeichnet der Komponist ein eindrucksvolles und ausdrucksstarkes musikalisches Gemälde eines Romantikers.

Wer hat diese Schmuckstücke gesehen? (Foto: Dr. Buchmann)
Gerlint Böttchers Klavierspiel ist mit Emotionalität und Intensität, gepaart mit kristallklarer Anschlagskultur und Leidenschaft, bereits mehrfach von der internationalen Fachpresse gelobt worden. Diese Attribute ihres Könnens konnte sie am Liszt-Flügel in eindrucksvoller Weise ausleben, zumal das in neun Stücke gegliederte Klavierwerk Liszts alle Facetten des pianistischen Könnens herausfordert. Von zarten Klängen des sprudelnden Wassers einer Quelle oder einer Pastorale bis hin zur musikalischen Umsetzung eines Sturmes oder der Glocken von Genf – Gerlint Böttcher meisterte alle pianistischen Herausforderungen mit Bravour.

Hans-Jürgen Schatz hat die von Franz Liszt selbst ausgewählten und seine Musik inspirierenden Auszüge aus den Werken der genannten Autoren zum Schweizer Pilgerjahr auf den Ursprung zurückgeführt. Nahtlos vorgetragen, spannen Musik und Text einen großen Bogen romantischer Weltsicht. Hans-Jürgen Schatz artikuliert äußerst exakt, verständlich in jeder Silbe und emotional entsprechend der jeweiligen Stimmung der literarischen Vorlage. Die deutsche Sprache des 19. Jahrhunderts ist eine etwas andere als die heute gepflegte. Sie erfordert konzentriertes Zuhören, aber sie ist unvergleichlich schön. Sie ist vielleicht selbst schon fast Musik und sie ist es wert, gepflegt und erhalten zu.

Langanhaltender Beifall des Publikums dankte den beiden Künstlern, die sich ihrerseits mit einer Zugabe revanchierten, die mehr als eine Zugabe war. Liszts Melodram „Der traurige Mönch“ nach einer Ballade von Nikolaus Lenau forderte nochmals das ganze Können der beiden Künstler heraus, ein Fest der deutschen Sprache und der Musik.

Text und Foto: Dr. Klaus Buchmann
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