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Mo, 09:45 Uhr
11.06.2018
NABU fordert mehr Zusammenarbeit

Der Tag des Luchses

Es gibt viele Gedenk- und Feiertage aber vielleicht hat einen solchen Tag kaum eine Art so dringend nötig, wie der Luchs. Noch immer hat er es schwer, wird verfolgt oder stirbt im Straßenverkehr. Der NABU nimmt den heutigen "Internationalen Tag des Luchses" zum Anlass, um auf die dringende Notwendigkeit einer grenzüberschreitenden und internationalen Zusammenarbeit für die bedrohte Art aufmerksam zu machen...

Zudem fordern die Naturschützer, sich mehr für den Schutz des Luchses und die Wiedervernetzung seiner Lebensräume einzusetzen.

Silvester Tamás, der Koordinator des thüringischen NABU-Luchsprojektes „PLAN P wie Pinselohr“ berichtet: „Schon 2007 hat der NABU ein bis dato einzigartiges Konzept zur Wiedervernetzung der Wildtierlebensräume vorgelegt den NABU Bundeswildwegeplan. Seit 2010 gibt es beim NABU Thüringen einen Luchs-Aktionsplan.

Seit 2015 beteiligt sich der NABU an einem Luchs-Wiederansiedlungsprojekt im Pfälzer Wald und seit Juli 2017 setzt sich der NABU mit seinem „PLAN P wie Pinselohr: Luchse in die Mitte bitte!“ ganz aktiv für die Rückkehr des Luchses nach Thüringen ein.“

In dem vom Silvester Tamás betreuten Projekt können sich die Erfolge sehen lassen. „Bereits nach einem Jahr Projekttätigkeit gingen mehr Nachweise und Belege zu Luchsen beim NABU und den zuständigen Behörden in Thüringen ein, als in den 16 Jahren von 2000 bis 2016 zuvor“, sagt der Luchsexperte. So gab es von 2017 bis heute eindeutige Belege für Luchse bei Auleben und Urbach, im Hainich, im Thüringer Wald bei Oberhof und am Ruppberg, bei Gerstungen und im Stadtwald von Mühlhausen. Auch im Pfälzer Wald sind schon erfreuliche Erfolge zu verzeichnen. Im Jahr 2017 freute man sich dort über den ersten Nachwuchs: Filou und Palu. Laut NABU besteht dennoch noch kein Grund zum Feiern.

NABU Thüringen fordert zum Interationalen Tag des Luchses mehr Zusammenarbeit (Foto: Silvester Tamás)
Aktuell leben nach Einschätzung des Bundesamtes für Naturschutz nur 77 erwachsene Luchse in Deutschland. Erste künstliche Wiederansiedlungsversuche durch den Menschen gab es aber bereits in den 1970er Jahren also vor fast 50 Jahren! Bislang bestehen reproduzierende, aber leider isolierte Luchspopulationen in der Schweiz, im Harz und im Bayerischen Wald mit den angrenzenden Böhmerwaldgebieten.

Silvester Tamás fordert: „Damit die Luchse in Mitteleuropa zukünftig auch ohne den Menschen überlebensfähig sind, müssen die verinselten Einzelpopulationen miteinander vernetzt werden. Nur so ist ein ausreichender genetischer Austausch überhaupt möglich, um dauerhaft eine zusammenhängende mitteleuropäische Metapopulation entwickeln zu können.“

Geeignete Lebensräume stellen die Mittelgebirge dar. Insbesondere der Thüringer Wald im grünen Herzen Deutschlands könnte hier sozusagen als zentrale Drehscheibe der Wiedervernetzung der bereits etablierten Luchslebensräume im Harz und im Bayerischen Wald mit den angrenzenden Böhmerwaldgebieten fungieren. Um die Luchse und ihre Lebensräume zu vernetzen, braucht es aber noch deutlich mehr Anstrengungen seitens der Politik. Der NABU sammelt bereits sämtliche Hinweise und Belege zu Luchsen und unterstützt damit den Freistaat Thüringen vertragsgemäß bei seinen verpflichtenden Monitoringaufgaben. „Noch wissen wir aber einfach zu wenig über die Anwesenheit des Luchses und seiner Lebensumstände in Thüringen.“

Das NABU-Projekt „PLAN P wie Pinselohr“ wirbt überdies für mehr Akzeptanz bei unterschiedlichsten betroffenen Interessensgruppen wie Jägern und Weidetierhaltern. „Wir wollen, dass der Luchs besonders von den Jägern genauso wie der Buntspecht, das Reh oder der Fliegenpilz akzeptiert wird. Wir wollen dafür sorgen, dass sich die Luchse wieder gefahrlos durch unsere Wälder und über unsere Straßen bewegen können, nur dann hat er eine echte Chance in Mitteleuropa“ so Tamás. „Vor uns und dem Luchs liegt noch ein weiter Weg. Diesen Weg zu bereiten und Brücken für den Luchs zu schlagen, ist eines unserer Hauptanliegen im Projekt.“
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