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Fr, 09:06 Uhr
10.08.2018
Aus dem Vereinsleben

Dr. Scherzberg mit Vortrag Blutbuche zu Gast im WB 4

Christa Groß hatte die Mitglieder vom WB 4 (Wohnbezirk IV der Volkssolidarität in Sondershausen) wieder ins Handwerkerstübchen eingeladen und sie waren zahlreich trotz Hitze mit 34 °C gekommen. Dieses Mal wollten wir uns zu einem besonders interessanten Thema informieren...

Deshalb hatten wir Herrn Dr. rer. nat. Heinz Scherzberg, Vereinsvorsitzender Statt Urwald Kulturwald am Possen und Hainleite e.V. zum Thema Blutbuche eingeladen. Blutbuche? Mutterblutbuche? Gehört und teils gelesen hat man davon schon etwas, aber was Genaueres weiß man dann doch nicht, oder?! Hier brachte Dr. Scherzberg natürlich Licht ins Dunkel. Einiges möchte ich hier mal anführen.

Dr. Scherzberg mit Vortrag Blutbuche zu Gast im WB 4 (Foto: Thomas Leipold)
Alle Blutbuchen (Rotbuche mit rotgefärbten Blättern) stammen von einer „Mutter“-Blutbuche in der südöstlichen Hainleite in der Nähe des Possens ab. Wie kam es dazu? Sagen wir mal eine besondere Laune der Natur führte dazu, also eine Mutation der Rotbuche, dass sich 1680 diese erste Rotbuche mit rotem Blattwerk entwickelte.

Diese Mutterblutbuche stand von 1680 bis 1951, der Baumstumpf ist noch vorhanden. Sie hatte einen Durchmesser von 1 Meter und 30 Meter Höhe. Die darum stehenden Nachkömmlinge sind durch Bucheckern, Sämlinge entstanden. Ein rot belaubter Baum in einem ansonsten grünen Wald, das fiel natürlich auf. Bald war man nicht nur an den Fürstenhöfen interessiert solch eine kuriose Besonderheit zu besitzen und so kam es letztendlich zur Verbreitung über unseren Globus. Über die Blutbuchen gibt es etliche Aufzeichnungen, so z. B. vom Forstexperten Bernd Bechstein, der auch die Mutterblutbuche 1810 beschrieb. Selbst Sagen und Gedichte um dieses botanische Wunder gibt es.

Dr. Scherzberg mit Vortrag Blutbuche zu Gast im WB 4 (Foto: Thomas Leipold)
Die am weitesten entfernt stehende Blutbuche (aus der Mutterblutbuche) steht in Neuseeland, weitere unter anderem In Kappstadt (Südafrika), Wintuk (Namibia). Viele Blutbuchen findet man auch in Schottland, eine Blutbuchenallee in Leipzig. Selbst in Dresden haben Blutbuchen die schreckliche Bombardierung im Marz 1945 durch die Royal Air Force im 2. Weltkrieg überstanden. In und um Sondershausen gibt es an verschiedenen Standorten etliche Blutbuchen, z. B. an der Lindner-Villa (Carl Corbach Club) in der Göldnerstraße, in Ebeleben, Schernberg um diese nur stellvertretend zu erwähnen. Der Tipp mit dem Standort in Schernberg kam von einer Seniorin aus unserer Gruppe, die in Schernberg gebürtig ist.
Dr. Scherzberg erklärte, dass der Standort der Mutterblutbuche touristisch erschlossen wird und der Ort nicht nur mit besonderen Schautafeln versehen ist. Eine feierliche Einweihung findet dazu am 24. August 2018 statt.

Dr. Scherzberg mit Vortrag Blutbuche zu Gast im WB 4 (Foto: Thomas Leipold)
Dr. Scherzberg machte den Vorschlag mit unserer Gruppe vom WB 4 im kommenden Jahr einen Ausflug zum Standort der Mutterblutbuche mit entsprechender Umrahmung zu organisieren. Diesen Vorschlag werden wir gerne und interessiert aufgreifen.

Natürlich machte Dr. Scherzberg auch Ausführungen rund um den Verein „Statt Urwald Kulturwald am Possen und Hainleite e.V.“, sein Anliegen und die Ziele. Nach Bestrebungen der Thüringer Landesregierung sollen auch um den Possen und die Hainleite Waldflächen stillgelegt werden und so ein „Urwald“ entstehen. Die Stilllegung betreffe etwa 1000 Hektar Wald die aus der forstlichen Nutzung genommen werden sollen.
Dr. Scherzberg mit Vortrag Blutbuche zu Gast im WB 4 (Foto: Thomas Leipold)
Dr. Scherzberg mit Vortrag Blutbuche zu Gast im WB 4 (Foto: Thomas Leipold)

Was muss sich der Laie darunter vorstellen und was bedeutet das? Dazu mal ein paar Zahlen. Ein Hektar Wald filtert im Jahr 50 Tonnen Ruß und Staub, produziert 15 bis 30 Tonnen Sauerstoff. In einem Wald gibt es auch Tiere, die dann 2 kg und mehr Wildfleisch abgeben können. Es werden 100 Tausend Kubikmeter Wasser aufgenommen, gespeichert. Durch Baumzuwachs erbringt ein solcher Hektar Wald etwa 11 Festmeter Holz (nur bei forstlicher Nutzung und Verwertung).
Christa Groß bedankte sich bei Dr. Scherzberg mit einem kleinen Präsent für diesen besonderen Vortrag. Anschließend wurde zur Kaffeetafel und anschließendem gemütlichen Beisammensein eingeladen.

Wir bedanken uns bei Herrn Haubner vom Handwerkerstübchen für die gute Gastlichkeit und Bewirtung.

Text und Fotos: Thomas Leipold
Ortsgruppenvorstand WB 4 der VS in Sondershausen
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