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Rubrik: Bekanntschaft (27.04.2026 - 11.05.2026)
Früher war Dating einfach. Man ging in die Kneipe, stellte sich vor jemanden, bestellte ein Bier, bekommt einen Korb oder irgendwann fragt man: „Willst du mit zu mir?“
Heute aber? Heute ist Dating eine Mischung aus Bewerbungsgespräch, Supermarkt-Bestellung und russischem Roulette – nur ohne den Nervenkitzel, dafür mit garantiert schlechter Laune.
Denn der moderne Mensch sucht die Liebe nicht mehr in verrauchten Bars, sondern im Internet. Online-Dating heißt das, und es klingt so fortschrittlich, als wäre es die Lösung für alles. Ein Algorithmus soll uns erklären, wen wir lieben dürfen, weil er mit drei Zahlen und einem Pixelgesicht meint, uns besser zu kennen als wir selbst. Klingt gut? Ist es nicht. Glauben Sie mir.
Der erste Schritt im Online-Dating ist das Erstellen eines Profils. Ein Profil klingt seriös. Ein Profil klingt nach „CIA-Agent mit Top Secret Akte“, aber tatsächlich steht da so was wie: „Lisa, 32, mag Wein und Reisen.“
Wein und Reisen? Ja, das beschreibt gefühlt jede zweite Person. Als wären „Wein“ und „Reisen“ die wichtigsten Qualifikationen für eine funktionierende Beziehung. Wer trinkt bitte keinen Wein? Wer fährt nicht gerne mal weg? Soll ich schreiben: „Swen, 53, mag Mittagsschläfchen und Brotaufstriche“? Wäre ehrlich, aber ich vermute, da passiert datingtechnisch nicht mehr viel.
Also setzt man sich hin und formuliert mit der Präzision eines DV-Optimierers. Man sucht nach Adjektiven, die genauso vage wie beeindruckend klingen: „humorvoll, spontan, tiefgründig“. In Wahrheit bedeutet das: „Ich lache bei Flachwitz, bestelle Pizza ohne nachzudenken und habe irgendwann mal ein Gedicht gelesen.“
Dann folgt das Foto. Ein Balanceakt zwischen „Ich bin attraktiv, aber bodenständig“, „Ich lächle, aber nur ein bisschen“ und „Seht her, ich gehe wandern, bin also sportlich und naturverbunden.“ Mit einer Prise Selbstzweifel lädt man das Bild hoch und weiß: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand schreibt: „Nett, aber nicht mein Typ.“
Wischen. Das ist das Zauberwort. Links: „Nein, danke.“ Rechts: „Ja, warum nicht?“
Ein simpler Daumenwisch entscheidet heute über das Schicksal der Liebe. Es ist ein System, das Katzen in Tierheimen kennen, und es fühlt sich ähnlich gut an.
Da gibt es die Klassiker:
- Tinder, die App, bei der man so viele Menschen sieht wie sonst nur beim Warten im Freizeitpark – nur dass man hier nach 20 Minuten denkt: „Ich will nach Hause.“
- Bumble, bei der Frauen den ersten Schritt machen. Nett gemeint, aber auch da endet es meist mit: „Hi, wie geht’s?“ „Gut, und dir?“ Und dann… Stille.
- Und Parship, die Plattform, wo angeblich „alle 11 Minuten ein Single sich verliebt“. Natürlich fragen wir uns ob es immer nur einer ist und das eher so eine perfide Stalkernummer wird.
Man wischt sich durch zig Fotos und fragt sich irgendwann: Wo sind die normalen Menschen? Ich will keine Fotos vor Autos, in Fitnessstudios oder von Frauen im Jahresurlaub am Strand, wo Sie offenbar so komplett und glücklich ausschaut. Was soll das? Ist das ein Balzverhalten? „Hey, schau mal, ich steh am Strand und lächle in die Linse! Bitte heirate mich.“ Es war eher der Grund, warum man wieder Single ist.
Haben Sie schon mal versucht, ein Gespräch zu führen, das mit „Hey 😊“ beginnt? Ich sage Ihnen, der Weg von „Hey 😊“ zu „Sollen wir heiraten und einen Kombi kaufen?“ ist lang. Sehr lang.
Versand, Abholung ...
Dazwischen liegen Rechtschreibfehler, Gesprächsabbrüche und Nachrichten wie:
„Was machst du so?“
„Ich arbeite in einem Büro.“
„Achso, cool.“
Das ist kein Gespräch, das ist ein Schlagabtausch aus Langeweile oder ein Online-Schlaganfall. Wenn Smalltalk eine olympische Disziplin wäre, wäre Online-Dating die Königsdisziplin.
Und dann gibt es die ungewollten Enthüllungen: „Ich suche nur jemanden für Spaß 😉“ oder "suche nichts Festes", "Was denn? Was Wabbeliges? Durchfall?"
Wenn es tatsächlich mal zu einem Date kommt, fühlt es sich an wie der erste Schultag. Was ziehe ich an? Was sage ich? Was, wenn die Person aussieht wie ein Kartoffelsack, obwohl sie online wie ein Filmstar wirkte (Ist übrigens immer so)?
Man trifft sich in einem Café. Warum? Weil man da notfalls fliehen kann, notfalls durchs Badezimmerfenster. Kaffee ist neutral. Niemand sagt „Ja zu einer Beziehung“ nach 10 Minuten Kaffeetrinken. Aber jeder kann sagen: „Tut mir leid, ich muss los, mein Meerschweinchen hat Bauchweh.“
Und dann sitzt man da, starrt auf die Karte, und einer fragt: „Und, erzähl mal was von dir?“ Dieser Satz. Er ist die Abkürzung für „Ich bin ratlos.“ Die Antwort darauf klingt oft nach einem Bewerbungsgespräch: „Ich arbeite seit 5 Jahren in der Logistikbranche und liebe lange Spaziergänge.“ Herrlich. Schmetterlinge im Bauch. Direkt verliebt. Oh, doch nur Durchfall. Aber suchte ohnehin nichts Festes ;)
Am Ende des Tages kehrt man nach Hause zurück, zieht sich die Schuhe aus und denkt: „Vielleicht bleibe ich doch lieber allein.“ Das Internet-Dating hat mich vieles gelehrt. Vor allem: Dass die Liebe kein Algorithmus ist, kein Match-Score und auch kein Bild, das nach links oder rechts gewischt wird.
Vielleicht sollten wir uns einfach wieder trauen, jemandem im Supermarkt zu sagen: „Hey, du kaufst denselben Käse wie ich. Willst du Kaffee trinken gehen?“ Während der Freund um die Ecke biegt, dies hört und dir deine Lebenszeit um einige Jahrzehnte verkürzen will. Vielleicht uns einfach auch mal auf etwas Feuchtfröhliches einlassen, auch auf die Gefahr hin neben etwas Unerwartetes aufzuwachen. Aber wer weiß, vielleicht führt das eher zum Ziel.
Und bis dahin… bleib ich bei meinem Brotaufstrich und warte auf bessere Zeiten.
Heute aber? Heute ist Dating eine Mischung aus Bewerbungsgespräch, Supermarkt-Bestellung und russischem Roulette – nur ohne den Nervenkitzel, dafür mit garantiert schlechter Laune.
Denn der moderne Mensch sucht die Liebe nicht mehr in verrauchten Bars, sondern im Internet. Online-Dating heißt das, und es klingt so fortschrittlich, als wäre es die Lösung für alles. Ein Algorithmus soll uns erklären, wen wir lieben dürfen, weil er mit drei Zahlen und einem Pixelgesicht meint, uns besser zu kennen als wir selbst. Klingt gut? Ist es nicht. Glauben Sie mir.
Der erste Schritt im Online-Dating ist das Erstellen eines Profils. Ein Profil klingt seriös. Ein Profil klingt nach „CIA-Agent mit Top Secret Akte“, aber tatsächlich steht da so was wie: „Lisa, 32, mag Wein und Reisen.“
Wein und Reisen? Ja, das beschreibt gefühlt jede zweite Person. Als wären „Wein“ und „Reisen“ die wichtigsten Qualifikationen für eine funktionierende Beziehung. Wer trinkt bitte keinen Wein? Wer fährt nicht gerne mal weg? Soll ich schreiben: „Swen, 53, mag Mittagsschläfchen und Brotaufstriche“? Wäre ehrlich, aber ich vermute, da passiert datingtechnisch nicht mehr viel.
Also setzt man sich hin und formuliert mit der Präzision eines DV-Optimierers. Man sucht nach Adjektiven, die genauso vage wie beeindruckend klingen: „humorvoll, spontan, tiefgründig“. In Wahrheit bedeutet das: „Ich lache bei Flachwitz, bestelle Pizza ohne nachzudenken und habe irgendwann mal ein Gedicht gelesen.“
Dann folgt das Foto. Ein Balanceakt zwischen „Ich bin attraktiv, aber bodenständig“, „Ich lächle, aber nur ein bisschen“ und „Seht her, ich gehe wandern, bin also sportlich und naturverbunden.“ Mit einer Prise Selbstzweifel lädt man das Bild hoch und weiß: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand schreibt: „Nett, aber nicht mein Typ.“
Wischen. Das ist das Zauberwort. Links: „Nein, danke.“ Rechts: „Ja, warum nicht?“
Ein simpler Daumenwisch entscheidet heute über das Schicksal der Liebe. Es ist ein System, das Katzen in Tierheimen kennen, und es fühlt sich ähnlich gut an.
Da gibt es die Klassiker:
- Tinder, die App, bei der man so viele Menschen sieht wie sonst nur beim Warten im Freizeitpark – nur dass man hier nach 20 Minuten denkt: „Ich will nach Hause.“
- Bumble, bei der Frauen den ersten Schritt machen. Nett gemeint, aber auch da endet es meist mit: „Hi, wie geht’s?“ „Gut, und dir?“ Und dann… Stille.
- Und Parship, die Plattform, wo angeblich „alle 11 Minuten ein Single sich verliebt“. Natürlich fragen wir uns ob es immer nur einer ist und das eher so eine perfide Stalkernummer wird.
Man wischt sich durch zig Fotos und fragt sich irgendwann: Wo sind die normalen Menschen? Ich will keine Fotos vor Autos, in Fitnessstudios oder von Frauen im Jahresurlaub am Strand, wo Sie offenbar so komplett und glücklich ausschaut. Was soll das? Ist das ein Balzverhalten? „Hey, schau mal, ich steh am Strand und lächle in die Linse! Bitte heirate mich.“ Es war eher der Grund, warum man wieder Single ist.
Haben Sie schon mal versucht, ein Gespräch zu führen, das mit „Hey 😊“ beginnt? Ich sage Ihnen, der Weg von „Hey 😊“ zu „Sollen wir heiraten und einen Kombi kaufen?“ ist lang. Sehr lang.
Versand, Abholung ...
Dazwischen liegen Rechtschreibfehler, Gesprächsabbrüche und Nachrichten wie:
„Was machst du so?“
„Ich arbeite in einem Büro.“
„Achso, cool.“
Das ist kein Gespräch, das ist ein Schlagabtausch aus Langeweile oder ein Online-Schlaganfall. Wenn Smalltalk eine olympische Disziplin wäre, wäre Online-Dating die Königsdisziplin.
Und dann gibt es die ungewollten Enthüllungen: „Ich suche nur jemanden für Spaß 😉“ oder "suche nichts Festes", "Was denn? Was Wabbeliges? Durchfall?"
Wenn es tatsächlich mal zu einem Date kommt, fühlt es sich an wie der erste Schultag. Was ziehe ich an? Was sage ich? Was, wenn die Person aussieht wie ein Kartoffelsack, obwohl sie online wie ein Filmstar wirkte (Ist übrigens immer so)?
Man trifft sich in einem Café. Warum? Weil man da notfalls fliehen kann, notfalls durchs Badezimmerfenster. Kaffee ist neutral. Niemand sagt „Ja zu einer Beziehung“ nach 10 Minuten Kaffeetrinken. Aber jeder kann sagen: „Tut mir leid, ich muss los, mein Meerschweinchen hat Bauchweh.“
Und dann sitzt man da, starrt auf die Karte, und einer fragt: „Und, erzähl mal was von dir?“ Dieser Satz. Er ist die Abkürzung für „Ich bin ratlos.“ Die Antwort darauf klingt oft nach einem Bewerbungsgespräch: „Ich arbeite seit 5 Jahren in der Logistikbranche und liebe lange Spaziergänge.“ Herrlich. Schmetterlinge im Bauch. Direkt verliebt. Oh, doch nur Durchfall. Aber suchte ohnehin nichts Festes ;)
Am Ende des Tages kehrt man nach Hause zurück, zieht sich die Schuhe aus und denkt: „Vielleicht bleibe ich doch lieber allein.“ Das Internet-Dating hat mich vieles gelehrt. Vor allem: Dass die Liebe kein Algorithmus ist, kein Match-Score und auch kein Bild, das nach links oder rechts gewischt wird.
Vielleicht sollten wir uns einfach wieder trauen, jemandem im Supermarkt zu sagen: „Hey, du kaufst denselben Käse wie ich. Willst du Kaffee trinken gehen?“ Während der Freund um die Ecke biegt, dies hört und dir deine Lebenszeit um einige Jahrzehnte verkürzen will. Vielleicht uns einfach auch mal auf etwas Feuchtfröhliches einlassen, auch auf die Gefahr hin neben etwas Unerwartetes aufzuwachen. Aber wer weiß, vielleicht führt das eher zum Ziel.
Und bis dahin… bleib ich bei meinem Brotaufstrich und warte auf bessere Zeiten.