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So, 18:39 Uhr
22.01.2023
Ein Nachruf auf Ebelebens ersten Ehrenbürgers

Mein Freund Otto ist tot

"Am 20. Januar erhielt ich die Nachricht, dass der katholische Pfarrer von Ebeleben nach kurzer schwerer Krankheit in Greußen im Alter von 85 Jahren verstorben ist." So beginnt der Nachruf von Uwe Vogt auf den verstorbenen Otto Thonhofer...

Otto Thonhofer. (Foto: U.Vogt) Otto Thonhofer. (Foto: U.Vogt)

Einige Tage zuvor hatte ich ihn noch besucht und hatte ihm von meinem Besuch des Dresdner Weihnachtszirkus berichtet, den er mir so ans Herz gelegt hatte. Wie bekannt und geschätzt er in Mitteldeutschland war, beweist, dass er im dortigen Programmheft, wo die internationalen Stars der Manege vorgestellt worden sind, eigens für die Initialisierung von Artistengottesdiensten und Segnungen der Fahrenden benannt ist.

Kennen gelernt habe ich Otto Thonhofer schon in den 80- er Jahren, als er zum Krankengottesdienst in unser Haus kam.

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Er stammte aus Olmütz (Mähren), wo er am16. Mai 1937 geboren wurde. Nach der Vertreibung aus der Heimat kam die Familie nach Ostdeutschland, wo der Vater in mehreren Städten als Zahnarzt arbeitete. Otto legte im Dresden der Nachkriegszeit sein Abitur ab, bevor sich entschloss katholische Theologie zu studieren. In einem unserer vielen Gespräche erklärte er mir, dass sein bis dato Lebensweg dem Priesterstudium den Vorzug gab anstatt es dem Vater gleich zu tun.

Im Jahre 1963 schloss er das Studium in Erfurt ab und wurde zum Priester geweiht. Nach mehreren Stationen in Südthüringen wurde er 1985 nach Ebeleben versetzt, was ihm anfangs nicht leicht fiel. Seit Beginn seiner Tätigkeit stand ihm die treue Seele Regina Dölle als Pfarrschwester zur Seite, die ihm bis ans Ende seiner irdischen Tage eine feste Stütze bleiben sollte. Neben der seelsorgerischen Tätigkeit war Otto Thonhofer auch ein Mensch, der im öffentlichen Leben Verantwortung übernahm. So traf ich ihn in seiner Funktion als Leiter des Runden Tisches in Ebeleben wieder, kurz darauf als Wahlleiter der ersten freien demokratischen Wahlen 1990. In der Wendezeit nahm er aktiv an den Friedensgebeten in der Kreisstadt Sondershausen teil.

Als Stadtrat und dann stellvertretender Bürgermeister nahm ich in den 90-er Jahren gern Einladungen der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien wahr, da dort immer eine Willkommenskultur herrschte, die nicht überall selbstverständlich war. Zur 800-Jahrfeier von Ebeleben 1998 organisierte die Otto Thonhofer gemeinsam mit der evangelischen Amtskollegin den Festgottesdienst und gestalteten mit den Kirchgemeinden das Bild „Gründung des Nonnenklosters 1287“.

Als 2005 die Idee eines Schweigemarsches geplant wurde, war es wieder Otto Thonhofer, der 60 Jahre nach dem Durchmarsch von KZ- Häftlingen durch die Stadt die richtigen Worte fand. Auch an der zentralen Gedenkveranstaltung in Niederorschel nahmen wir gemeinsam teil. Kurz nach Beginn meiner Tätigkeit als hauptamtlicher Bürgermeister trug er mir den Vorschlag an, eine Städtepartnerschaft mit der bayerischen Marktgemeinde Mitwitz zu entwickeln, was 2008 dann auch vollzogen wurde. Leider kocht diese Partnerschaft derzeit auf Sparflamme. Es war immer der Wunsch Otto Thonhofers, dass diese Partnerschaft langfristig auf festen Füßen bleiben möge. Bei gegenseitigen Besuchen war Otto Thonhofer sehr oft dabei.

Otto Thonhofer (Foto: U.Vogt) Otto Thonhofer (Foto: U.Vogt)

Eine ganz wichtige Rolle in seinem Leben spielte immer die Verbundenheit zu den Artisten, Schaustellern und Zirkusleuten. Eine Freundschaft verband ihn mit Rudolf Probst, dem Eigentümer des größten Privatzirkusses zu DDR- Zeiten. Mit Beginn seiner Priesterweihe nahm er sich dieser Gruppe an, hatte er doch schon als Student den engen Kontakt zu diesem Milieu gesucht. Eine absolute Neuheit war das Abhalten von Gottesdiensten in der Manege. Wenn es Menschen aus diesem Bereich schlecht ging, war er immer bereit, diesen in jeder Beziehung zu helfen.

Otto Thonhofer hatte ein inniges Verhältnis zu Tieren, auf dem Hof des Hauses gab es immer eine Vielzahl von Tieren. Besonders hatte es ihm der Esel angetan. Über Jahre gab es auf dem Hof zwei Esel. Tradition hatte über den Dreikönigstag das so genannte Treffen der Komödianten an verschiedenen Orten Mitteldeutschlands. Aber auch im Verein der Eselfreunde Deutschlands war Otto Thonhofer sehr engagiert, so nahm er regelmäßig an den bundesweit stattfindenden Treffen teil. Ich selbst konnte mich bei einer solchen Veranstaltung in Paaren- Glien über die ihm entgegengebrachte Wertschätzung freuen. Einzigartig dürften dabei Eselsgottesdienste mit Tiersegnung gewesen sein. Selbst gründete Otto Thonhofer mit Regina Dölle das Kleine Erste Eselmuseum. Dort wurde alles rund um das Thema Esel ausgestellt. Altersbedingt wurde dieses 2020 dann aufgegeben. Schade, dass es nicht im Rahmen von Vereinstätigkeit in Ebeleben fortgeführt wurde, nun befindet sich die Sammlung in Brandenburg.

Ein Höhepunkt des geistlichen Wirkens war der Empfang durch den damaligen Papst Benedikt XVI. in Rom. Gut kann ich mich erinnern, wie ich für ihn die Bahnreise plante. Als der Papst dann zwei Jahre später nach Erfurt kam, war es für Otto Thonhofer selbstverständlich, mich dort hin zu schicken. Dass ich Protestant bin, hat in unserem freundschaftlichen Verhältnis nie eine einschränkende Rolle gespielt.

Ein bedeutendes Ereignis im Wirken Otto Thonhofers in Ebeleben war auch der ökumenische Gottesdienst zum Tag der heiligen Walpurga im Jahre 2011 auf historischen Gelände des REWE- Parkplatzes, der an die Missionierung von Marksußra im Jahre 732 erinnerte.
Wichtig war ihm auch immer, an Jubiläen zu erinnern, seien es Jahrestage des Kirchbaus, der eigenen Priesterweihe oder runde Geburtstage. Besonders erinnere ich mich an das Goldene Priesterjubiläum, was er am 29.Juni 2013 im Kloster Tepla (Tschechien) beging, ein eindrucksvolles Ereignis, an dem Geistliche, Freunde aus der früheren Heimat und aus Ebeleben sowie Komödianten teilnahmen. Die letzte große Feier war seine Feier zum 85. Geburtstag im vergangenen Jahr. Selbst im Ruhestand im hohen Alter stand er seiner Gemeinde immer noch zur Verfügung bevor ein Schlaganfall das nicht mehr erlaubte. Seinen Respekt vor der Lebensleistung Otto Thonhofers zollte auch Ministerpräsident Bodo Ramelow mit einem Besuch in der Gemeinde.

Otto Thonhofer war nicht nur in und um Ebeleben bekannt, mehrere Fernsehsender und Radiostationen in Ost und West widmeten ihm uns seinem Schaffen Sendezeit.

Für sein komplexes Wirken sprach der damalige Stadtrat auf meine Empfehlung im Jahr 2007 Otto Thonhofer als erstem Bürger die Ehrenbürgerschaft aus.
Otto Thonhofers fester Glaube war, dass Christus den physischen Tod besiegt hat, aber alle Menschen sterben müssen. In einem unserer Gespräche sagte er,
dass der Tod nicht das Ende sei. Wenn Körper und Geist durch die Auferstehung wiedervereint sind, werden die Menschen in Gottes Gegenwart gebracht, um gerichtet zu werden. In diesem festen Glauben hat er nun die irdische Welt verlassen. Viele, die ihn auf Erden kannten, werden ihn nie vergessen!
Uwe Vogt, Bürgermeister im Ruhestand
Autor: red

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