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Mi, 11:46 Uhr
29.04.2026
Junge Menschen:

Kein Bock auf Gewerkschaft

Unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite" gehen die Gewerkschaften am 1. Mai auf die Straße. Als Arbeitnehmervertretung kommt ihnen gerade in Krisenzeiten eine wichtige Rolle zu – doch ihre Basis schrumpft, zeigen Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)...

Kein Bock auf Gewerkschaft? (Foto: Pawel Szymczuk auf Pixabay) Kein Bock auf Gewerkschaft? (Foto: Pawel Szymczuk auf Pixabay)
Weniger als elf Prozent der Beschäftigten zwischen 16 und 30 Jahren waren 2023 Mitglied einer Gewerkschaft. Bei den über 50-Jährigen lag der Anteil mit gut 18 Prozent deutlich höher. Das zeigen IW-Auswertungen auf Basis des European Social Survey (ESS). Insgesamt war nur noch knapp jeder sechste Beschäftigte in Deutschland gewerkschaftlich organisiert.

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Im europäischen Vergleich rangiert Deutschland damit im Mittelfeld. In den skandinavischen Ländern sind deutlich mehr Beschäftigte organisiert, in Frankreich, Polen und Ungarn dagegen weniger als zehn Prozent.

Der Blick auf die Mitgliederstruktur offenbart weitere Defizite:
  • Frauen sind mit 14,7 Prozent seltener organisiert als Männer mit 18,3 Prozent.
  • Beschäftigte mit Migrationshintergrund kommen auf 12,7 Prozent – ohne Migrationshintergrund sind es 18,1 Prozent.
  • Auch zwischen den Sektoren klafft eine Lücke: Im produzierenden Gewerbe gehört gut jeder fünfte Beschäftigte einer Gewerkschaft an, im Dienstleistungssektor nur jeder siebte.
Versuche um Mitgliedergewinnung verpuffen
Die Gewerkschaften steuern gegen die schwindende Verankerung in der Belegschaft – mit Organizing-Kampagnen, gezielten Streiks zur Mitgliedergewinnung und besserer steuerlicher Absetzbarkeit der Beiträge. Doch bislang gibt es keine Trendwende: Ver.di meldete 2023 kurzzeitig steigende Zahlen, verlor aber schon im Folgejahr wieder Mitglieder und zählt mittlerweile noch 1,83 Millionen. Auch die IG Metall musste Rückgänge hinnehmen – sie bekommt die schlechte Konjunktur in der Industrie besonders zu spüren. 2025 hatte sie nur noch knapp 2,02 Millionen Mitglieder.

Grafik  (Foto: IW) Grafik (Foto: IW)
Dabei könnten starke Gewerkschaften in der aktuellen Krise viel bewegen – solange sie konstruktiv mitarbeiten. Beim Aushandeln tragfähiger Kompromisse hat sich die deutsche Sozialpartnerschaft bewährt. Wenn gewerkschaftliche Positionen an den Interessen der Beschäftigten vorbeigehen und der Nachwuchs ausbleibt, wird sich der Abwärtstrend aber verschärfen. Angesichts des demografischen Wandels wird die Lage dringlicher: Wer am 1. Mai Schutzmacht der Beschäftigten sein will, muss sie erst einmal erreichen – vor allem die jüngeren.
Autor: psg

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Kommentare
Opa Hardrock
30.04.2026, 05:46 Uhr
Vielleicht sollten sich die Gewerkschaften
aus der Politik raushalten.
Ihre eindeutige Positionierung nach links und die Plattitüden gegen die AfD haben sie mit Sicherheit Mitglieder gekostet.
Wer auf keinen "Demokratiefest gegen Rechts" fehlt, darf sich nicht wundern, wenn die Mitglieder weglaufen.
Ein weiterer Punkt dürften die Mitgliedsbeiträge sein.
Wenn diese etwa auf einer Höhe mit einem Handyvertrag sind, überlegt sich doch so mancher, ob er gewerkschaftlich organisiert sein möchte.
Ich bekam nach meinem Austritt aus der IG B. A. U. einen Anruf von einer Dame.
Also Grund nannte ich die subjektive politische Außendarstellung der Gewerkschaft. Sie sagte: "Aber alle Menschen sind doch gleich!"
Stimmt.
Ich erklärte ihr den Artikel 16a des Grundgesetzes und dass unsere Regierung jeden Tag dagegen verstößt. Da war sie erstmal still und wünschte mir dann noch einen schönen Tag.
Mike Oxlong
30.04.2026, 10:04 Uhr
Schon schade...
...,dass gerade jüngere den Nutzen von Gewerkschaften außer Augen verlieren. Wahrscheinlich ist es hier aber auch gerade das Trittbrettfahrerproblem, was dazu führt, dass man kein Mitglied mehr werden will, weil man ja dennoch die Tarifvorteile nutzen kann.
Die 5-Tage Woche, Lohnsteigerungen und Arbeitszeitbegrenzungen gehen am Ende alle auf das Konto von Gewerkschaften, die sich dafür eingesetzt haben und dafür sollten wir eigentlich dankbar sein.

@Opa Hardrock: Gewerkschaften setzen sich nun mal für die Belange aller Arbeitnehmer ein und nicht nur für die der in Deutschland geborenen. Somit ist eine Positionierung gegen rechte Demokratiefeinde sowie die Aussage Ihrer Gesprächspartnerin richtig und wichtig.
RWE
30.04.2026, 11:49 Uhr
Opa Hardrock
Im Gegensatz zum Handyvertrag (welcher Tarif, Volumen, Flatrate?) berechnet sich der Gewerkschaftsbeitrag nach dem Einkommen. Und wären wir Ossis in der Vergangenheit mehr gewerkschaftlich organisiert gewesen, gäbe es heute mehr tarifgebundene Firmen und somit höherer Löhne. Ja, die Gewerkschaft ist deutlich nach links von einem Großteil der Arbeiterschaft gewandert. Es gibt auch Funktionärsfilz. Aber sie sind ein notwendiges Übel.
Lautaro
30.04.2026, 13:30 Uhr
@Rewe Die Gewerkschaft war immer schon links....
Wenn nicht ideologisch, so aber mit ihren Forderungen nach Verbesserungen für Arbeitnehmer.
Vor einem Vierteljahrhundert bin ich aus der Gewerkschaft ausgetreten, weil sie damals ohne eine Rückfrage bei uns, den Unternehmern enorme Zugeständnisse auf unsere Kosten offerierte. Auf meine Rückfrage bekam ich zur Antwort, dass man nicht jeden fragen kann.
Sie haben keinen von uns gefragt.
Heute sehe ich auf Jahrzehnte von prozentualen Einkommensforderungen zurück, welche zu einer nominalen Einkommensspreizung führten. Welche in den 90ern undenkbar erschienen.
Ihnen ein schönes langes WE ! :-)
RWE
30.04.2026, 16:03 Uhr
Lautaro
linke, im Sinne von sozialdemokratische, Forderungen wie Lohnerhöhungen oder bessere Arbeitszeiten sind ja der Grund für die Existenz der Gewerkschaften. Wenn Verdi aber mit FFF gemeinsam demonstriert... Ich kenne viele Verdi Mitglieder, die nicht damit einverstanden waren. Oder wenn sich Gewerkschafter, vorwiegend aus der linken Partei mehr um die Belange von Arbeitslosen kümmern als um die ihrer Mitglieder...Oder sich der Identitätspolitik öffner, was bei Arbeitern eher nicht gut ankommt.
Ich habe 2 Vorschläge: die Gewerkschaften sollten sich als Lobbyverein ihrer Mitglieder definieren und nicht als links-grüne Vorfeldorganisation.
Und Lohnerhöhungen nur noch für zahlende Mitglieder.
Lautaro
01.05.2026, 11:30 Uhr
Wir brauchen natürlich Gewerkschaften als unsere Vertreter, immer schon.
Aber was sich da seit vielen Jahren als unsere Vertreter präsentiert ist eine Truppe, welche uns als Zahlkuh für ihre Bürojobs sieht.
Eine Kollegin ist neulich bei Verdi ausgetreten, Problem mit dem Arbeitgeber....Verdi wollte ihr nicht helfen. Sie suchte sich einen Anwalt und der hat ihr Problem aus dem Handgelenk geregelt. Der Bürofuzzi von Verdi hätte ihr einfach nur zuhören müssen.
In der Folge verliessen 5 weitere Kollegen Verdi.
Das ist nicht erfunden, sondern vor 3 Jahren passiert.
Trotzdem, wir brauchen Gewerkschaften. Aber eben auch Kämpfer für unsere Rechte und keine Bürofuzzis !
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