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Mo, 10:28 Uhr
10.08.2026
Erinnerungen an den 13. August 1961

Als die SED ihr Volk einsperrte

Am 13. August erinnert sich Deutschland an den Bau der Mauer. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei meist auf Berlin. Doch die Betonmauer mitten durch die Hauptstadt war nur der letzte Teil eines Systems, das Jahre zuvor auf den Feldern und in den Wäldern Thüringens begann. Wer den 13. August 1961 verstehen will, muss zunächst auf das Jahr 1952 blicken...

Am 26. Mai 1952 beschloss der DDR-Ministerrat, die Demarkationslinie zwischen DDR und BRD systematisch zu schließen. Innerhalb weniger Tage zogen die Grenztruppen Stacheldraht, später folgten dann ein zehn Meter breiter Kontrollstreifen und eine fünf Kilometer tiefe Sperrzone. Nachbarn wurden über Nacht zu Fremden, Höfe lagen plötzlich im Niemandsland. Thüringen traf dieser Schritt besonders hart: Kein anderes Bundesland hat heute mit rund 763 Kilometern einen so langen Abschnitt der innerdeutschen Grenze.

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Die Abriegelung zerriss jedoch nicht nur die Landschaft – sie richtete sich gezielt gegen die Menschen. Unter dem zynischen Decknamen „Aktion Ungeziefer" vertrieb das SED-Regime im Mai und Juni 1952 Tausende Grenzbewohner. Wer als politisch unzuverlässig galt oder Kritik äußerte wurde zwangsausgesiedelt und musste seine Heimat innerhalb weniger Stunden verlassen.

Als am 13. August 1961 in Berlin die Mauer hochgezogen wurde, festigte das SED-Regime diesen Zustand. Es schloss die Grenzen und sperrte die Bevölkerung ein. In den Jahren danach wurde die innerdeutsche Grenze systematisch weiter ausgebaut und wurde zu einer undurchdringlichen Barriere. Viele bezahlten den Wunsch nach Freiheit mit ihrem Leben. An den Thüringer Abschnitten starben Dutzende Menschen bei Fluchtversuchen – sie verbluteten im Stacheldraht oder wurden von Grenzsoldaten erschossen. Das Gedenken an diese Opfer verpflichtet uns bis heute: Ihr Tod erinnert daran, was Unfreiheit bedeutet, und dass Freiheitsrechte und Rechtsstaatlichkeit nicht selbstverständlich sind.

Genau dort, wo einst dieser Todesstreifen verlief, ist nach 1990 etwas Neues entstanden: das Grüne Band. Entlang des ehemaligen Schutzstreifens hat sich die Natur das alte Sperrgebiet zurückerobert – auf über 1.400 Kilometern ist ein weltweit einmaliges Biotop gewachsen, ein lebendiges Denkmal der deutschen Teilung. Thüringen wies seinen Streifen 2018 als erstes Bundesland als Nationales Naturmonument aus. Inzwischen läuft der Antrag, das Grüne Band als UNESCO-Weltkulturerbe anerkennen zu lassen – als Symbol dafür, dass sich selbst die tödlichste Grenze mitten in Europa überwinden lässt.

„Die Mauer trennte nicht nur Berlin. Die Grenze teilte Deutschland und Europa. Heute entsteht mit dem Grünen Band dort ein Symbol der deutschen Einheit und der europäischen Freiheit. Ein von allen Bundesländern vorbereiteter Antrag, das Grüne Band als gemischtes UNSECO Welterbe zu gestalten, bietet die einmalige Chance die aus der ehemaligen Grenze dauerhaft als Symbol für Demokratie und die Bewahrung der Schöpfung zu entwickeln. Eine bessere Antwort auf den Versuch Menschen dauerhaft einzusperren, kann es nicht geben", so der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Dr. Peter Wurschi.
Autor: red

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