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Mo, 14:31 Uhr
14.09.2026
Bad Frankenhausen

Musik und Lyrik zum 300. Geburtstag

Anlässlich des 300. Geburtstages des Dichters Justus Friedrich Wilhelm Zachariä, 1726 in Bad Frankenhausen geboren, wird das herausragende Spätwerk "Die Tageszeiten" des Komponisten Georg Philipp Telemann in einzigartiger Besetzung neu aufgeführt...

Mitwirkende
Ira Fischer, Sopran
Funda Asena Aktop, Alt
Florian Neubauer, Tenor

José V. López de Vergara, Bass

Mitglieder des Loh-Orchesters Sondershausen
und der Kantoreien Bad Frankenhausen/Oldisleben

Leitung: Laura Schildmann

Die Solisten:
Ira Fischer studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim sowie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Sie arbeitete mit Orchestern in Gotha, Prag und Sofia und unterrichtet Gesang am Carl Schroeder Konservatorium Sondershausen sowie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Bild:
Der Chor in der Unterkirche (Foto: Janek Müller)

Funda Asena Aktop entdeckte ihre Leidenschaft für das Musiktheater an der Universität Marburg. Nach ihrer Ausbildung in Frankfurt und Dresden war sie an der Semperoper Dresden tätig. Seit 2018 gehört sie dem Opernchor des Theaters Nordhausen an und singt im Euphonia Quartett.

Florian Neubauer erhielt seine musikalische Ausbildung bei den Regensburger Domspatzen und studierte in Weimar und Dresden. Gastengagements führten ihn unter anderem nach Nordhausen, Altenburg-Gera und Chemnitz. 2023 gewann er den 3. Preis beim Internationalen Telemann-Wettbewerb in Magdeburg; seit 2025 ist er Mitglied des MDR-Rundfunkchores Leipzig.

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José V. A. López de Vergara y Hetzer wurde in Santa Cruz de Tenerife geboren und studierte Kirchenmusik in Herford. Er leitete die Musikgemeinde Osterode am Harz, die Bad Lauterberger Musiktage und den Chor der Universität Hildesheim. Seit 2010 ist er künstlerischer Leiter der Singakademie Harz.

Tickets: 18 € / 12 € ermäßigt
Reservierung: Tourist-Information Bad Frankenhausen
Telefon: 034671 – 71717 (täglich 10 – 17 Uhr)
Per E Mail: tourismus@kurstadt-bfh.de
Abholung / Bezahlung an der Abendkasse:
26.9.26 ab 18 Uhr, Unterkirche

Die Zusammenarbeit zwischen Telemann und Zachariä bei der Entstehung der Kantate „Die Tageszeiten“ stellt ein faszinierendes Kapitel der Musikgeschichte dar. Zwei Generationen trafen aufeinander.

Der bereits 76-jährige „Alte Meister“ Telemann, eine Koryphäe der Barock-Musik, begeisterte sich für das Werk des kaum 30-jährigen Dichters Zachariä. Dass der ehrwürdige Telemann ausgerechnet mit diesem „frechen Geist“ – gemeint ist Zachariä – zusammenarbeiten wollte, war damals durchaus ein Thema.

In konservativen Kreisen galt Zachariä als Provokateur. Telemann, der zeitlebens bekannt für seine Disziplin war, konnte die „Lässigkeit“ des jungen Zachariä kaum ertragen.

Umso schöner geriet dann das Ergebnis der Zusammenarbeit. Mit meisterhafter Klangmalerei vertonte Telemann die von Zachariä geschilderten Naturphänomene eines Tages vom Morgen bis zur Nacht. So entstand ein spektakuläres musikalisches Werk. Die Uraufführung fand 1757 in Hamburg statt.

Natur, Gefühl und Ordnung der Welt
Als Justus Friedrich Wilhelm Zachariä 1756 sein Lehrgedicht „Die Tageszeiten“ veröffentlichte, war er noch keine dreißig Jahre alt. Der junge Gelehrte hatte sich einen Namen gemacht, allerdings vor allem als Verfasser satirischer Dichtungen. Mit den Tageszeiten verfolgte er ein anderes Ziel: Er wollte zeigen, dass er nicht nur den Witz, sondern auch die große, ernste Form beherrschte. Das Ergebnis ist ein Werk, das den Lauf eines einzigen Tages zum Gegenstand macht und dabei Naturbeobachtung, philosophische Betrachtung und poetische Selbstvergewisserung miteinander verbindet.

In vier Gesängen – Morgen, Mittag, Abend und Nacht – führt Zachariä seine Leser durch einen geschlossenen Tageskreis. Geschrieben in klassischen Hexametern, knüpft das Gedicht an die Tradition antiker Lehrdichtung an und steht zugleich an einer literarischen Schwelle: Noch ist die Welt von der vernünftigen Ordnung der Aufklärung geprägt, doch bereits die empfindsame Naturerfahrung der zweiten Jahrhunderthälfte wird spürbar.

Unsere Reise beginnt in der ersten Morgenröte:

Schon entflieht die Nacht; es erblasst ihr dunklerer Schatten, / Und ein rötlicher Strom von Strahlen überschwemmet die Hügel.

Die Natur erscheint hier nicht als bloße Kulisse, sondern als Ausdruck einer geordneten und sinnhaften Schöpfung. Das Erwachen der Welt wird zugleich zum Bild für menschliche Tatkraft, Erkenntnis und Neubeginn.

Im zweiten Buch erreicht die Sonne ihren höchsten Stand. Der Mittag bringt nicht Aktivität, sondern Verlangsamung. Menschen, Tiere und Landschaft scheinen unter der Hitze innezuhalten. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Die Menschen flüchten in den Schatten, und die Natur scheint für einen kurzen Moment den Atem anzuhalten:

Matt von der drückenden Glut, und vom dampfenden Mittag entkräftet, / Suchet das schmachtende Vieh den kühlenden Schatten der Eiche.

Mit dem Abend kehrt Harmonie ein. Das Licht wird milder, die Arbeit des Tages klingt aus, und die Landschaft erscheint in warmen Farben. Wenn die Sonne langsam sinkt, schlägt die Stunde der Romantik und der Entspannung. Der Abend ist friedlich, golden und voller sanfter Töne:

Goldene Wolken umgeben den sinkenden Wagen der Sonne, / Und ein kühlender Westwind durchsäuselt die flüsternden Büsche.

Das letzte Buch schlägt leisere, fast feierliche Töne an. Die Welt hüllt sich in Dunkelheit, und der Blick wird frei für den funkelnden Sternenhimmel:

Heilige Nacht! O wie feierlich ist deine schweigende Stille! / Alles ruhet und schläft; nur mein Auge bewundert den Himmel.

Angesichts der Sterne denkt der Dichter über Vergänglichkeit und Ewigkeit nach. Hier berühren sich Aufklärung und Empfindsamkeit, rationales Staunen und persönliches Gefühl gehen ineinander über.

Zeitgenössische Leser nahmen das Werk mit großem Interesse auf. Die prächtige Ausstattung der Erstausgabe mit allegorischen Kupferstichen machte das Buch zu einem begehrten Sammlerstück. Kritiker lobten die sprachliche Eleganz und die sichere Beherrschung des Hexameters.

„Die Tageszeiten“ ist Naturgedicht, Lehrgedicht, kulturgeschichtliches Dokument und Selbstporträt eines jungen Autors zugleich.

Besonderer Hinweis:
Die Sonderausstellung im Regionalmuseum „Justus Friedrich Wilhelm Zachariä – Dichter der Aufklärung aus Bad Frankenhausen“ ist am 26. September für Interessierte bis 18.30 Uhr geöffnet.
Autor: red

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