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Nordhäuser Zeitungswesen aufgearbeitet

Samstag, 14. Juli 2012, 17:14 Uhr
Buchdeckel (Foto: Atelier Veit) Buchdeckel (Foto: Atelier Veit) In der Schriftenreihe der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung ist jetzt der Band 26 „Nordhäuser Pressegeschichte“ erschienen, der sich mit der Entstehung und Entwicklung der Zeitungswesens in Nordhausen befasst und damit ein Kapitel Nordhäuser Geschichte beleuchtet, welches bisher nur sehr wenig aufgearbeitet worden ist.

Im Vordergrund der monographischen angelegten Arbeit von Thomas Müller steht neben dem institutionsgeschichtlichen Aspekt der rechtliche. Der Nordhäuser Autor gibt Auskunft auf die Fragen, wer diejenigen waren, die die Zeitung herausgaben und wie sie dazu kamen den Zeitungsmarkt in Nordhausen zu bereichern, wer eine Zeitungsneugründung erlaubte, wer sie ablehnte und aus welchen Motiven, wie die Redakteure, Herausgeber und Drucker mit der Zensur umgingen und wie die Geschicke der Stadt auf deren Presse wirkten. Müller geht den Fragen nach wie viele und welche Leser sich für ein Presseerzeugnis interessieren und wie die Zeitungen zum Kunden kamen.

Die chronologische Aufarbeitung der Nordhäuser Pressegeschichte, die stets im Zusammenhang mit der Entwicklung der Thüringer Presselandschaft betrachtet wird, beginnt mit der Herausgabe der ersten Nordhäuser Zeitung Ende des 17. Jahrhunderts.

Es war Buchdrucker August Martin Hynitzsch, der, um seine Druckerei auszulasten, nachweislich 1690 die Zeitung mit dem Namen „Northäusischen Adlers Relation“ druckte - erst in der Predigerstraße, dann in der Neustadt. Zum Abonnenten gelangte das Blatt mit Hilfe der Post. Im Harzgebiet gehörte die Nordhäuser Relation, die allerdings nur einige Jahre bestand, zu den ersten politischen Zeitungen. Mehrere Jahrzehnte gab es danach keine weiteren Presseerzeugnisse. Erst Johann August Cöler unternahm neue Schritte im hiesigen Zeitungswesen, in dem er 1766 das Wöchentliche Nordhäusische Intelligenz-Blatt gründete. Es folgte 1799 „Der Hohnsteinische Erzähler“, Herausgeber und Redakteur war der Salzaer Pfarrer Georg Heinrich Plieth, und 1813 die Zeitung „Früchte geretteter Pressefreiheit“, die bald unter der Bezeichnung „Teutonia“ erschien. Akribisch genau kann der Leser die weitere Entwicklung des Pressewesens in der einst Freien Reichsstadt Nordhausen verfolgen. Der Autor geht auf das Jahr 1848 ein, welches auch auf publizistischem Gebiet eine Revolution auslöste, widmet sich Johann Gottfried Müller als Herausgeber des „Nordhäuser Intelligenz-Blatt“ (später „Nordhäuser Zeitung“) und geht auf die „Nordhäuser Volkszeitung“, das Pressewesen während des Ersten Weltkrieges, der Weimarer Republik und der Zeit im Dritten Reich ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichte Marschall Shukow in der Sowjetzone die Herausgabe eines neuen parteiabhängigen Pressewesens. So erschien am 3. Juli 1945 die „Thüringer Volkszeitung, die ab September einen Lokalteil für Nordhausen enthielt. Daraus wurde 1947 das SED-Einheitsblatt „DAS VOLK“.

Der letzte Teil des Buches beinhaltet die Zeit nach der Wende, als in Nordhausen die Presselandschaft bunter wurde, sowie das Zeitungswesen in der Gegenwart mit der „Thüringer Allgemeinen“, den verschiedenen Anzeigenblättern bis hin zur online-Zeitung „neue nordhäuser zeitung“ (nnz).

Das Buch von Thomas Müller lässt bezüglich Tiefgründigkeit, Kompetenz, wissenschaftlicher Exaktheit und Komplexität keine Wünsche offen. Allein der Verweis auf 417 Quellen zeugt von umfassenden Recherchen des Nordhäuser Autors. Zahlreiche Abbildungen, darunter viele bisher nicht bekannte Aufnahmen ergänzen den Text.

Der Autor handelt das Thema „Pressegeschichte in Nordhausen“ völlig wertungsfrei und neutral ab. Als sehr hilfreich erweisen sich für den Leser die angefügten Personen-, Orts- und Sachwörterregister. Die hervorragende Einband- und Satzgestaltung sowie Bildbearbeitung durch das Atelier Veit in Nordhausen tragen zum sehr guten Erscheinungsbild des 258-seitigen Werkes bei.

Das Buch „Nordhäuser Pressegeschichte – Zur Entstehung und Entwicklung der Zeitungen in der Stadt Nordhausen“ von Thomas Müller, ISBN 978-3-930558-25-4, ist im gut sortierten Buchhandel der Stadt zum Preis von 19 Euro zu haben.

Der Autor wird am Donnerstag, dem 13. September 2012, um 19 Uhr sein Buch am authentischen Ort in der Südharz-Druckerei im Grimmel - hier wurde „DAS VOLK“ von 1948 bis 1966 gedruckt – der Öffentlichkeit vorstellen.
Autor: rh

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