Kyffhäuserkreis bekommt ein massives Pflege-Problem
Dienstag, 03. Juni 2014, 19:19 Uhr
Sozialverband VdK macht Pflege zum Thema. Der Sozialverband VdK ruft daher die Lokalpolitik auf, beim Thema Pflege vorausschauend zu denken und zu handeln. Dazu erreichte kn von der VdK-Landesgeschäftsstelle Hessen-Thüringen folgende Meldung...
Im Jahr 2030 könnten die Kommunen im Kreis vor einem massiven Pflege-Problem stehen, wenn die örtlichen Versorgungsstrukturen nicht stärker an den wachsenden Anteil pflegebedürftiger und demenzkranker Menschen angepasst werden. Im Hinblick auf die gerade gelaufenen Kommunalwahlen und der sich gerade konstituierenden Räte ruft der Sozialverband VdK die Lokalpolitik zum Handeln auf.
Die Zahl der Pflegebedürftigen im Kreis mit Pflegestufe I bis III, die 4.150 Personen im Jahr 2011 betrug, wird nach Expertenschätzungen bis zum Jahr 2030 um 41 Prozent auf rund 5.850 anwachsen. Voraussichtlich 2.000 Menschen im Kreis werden die Diagnose Demenz haben. Der Kreis und die Kommunen müssen sich dringend mit dem steigenden Anteil alter, pflegebedürftiger und demenzerkrankter Menschen auseinandersetzen.
Die heutige Versorgungslandschaft ist darauf nur unzureichend ausgerichtet, erklärt der VdK-Kreisverbandsvorsitzende Bernd Reiber. Pflege findet vor Ort statt – in den Städten und Gemeinden. Ein wichtiges Ziel der Lokalpolitik muss es sein, die kommunalen Strukturen im Hinblick auf altengerechtes Wohnen und Leben zu stärken. Dies sollte auch für die Entscheidungen der sich zur Zeit konstituierendenneuen Räte eine wichtige Rolle spielen.
Eine zukunftsorientierte Pflege- und Seniorenpolitik beginnt für den VdK beispielsweise bei der kommunalen Planung. Kommunen und Kreise müssten eine Bestandsaufnahme der Wohn- und Lebenssituation sowie des Bedarfs der Bürger an sozialen, Wohn-, Pflege-, Versorgungs- und Dienstleistungsangeboten vornehmen. Die Erkenntnisse sollten in ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept einfließen. Auch das Angebot an Wohn- und Pflegeberatung sollte ausgebaut werden, etwa durch wohnortnahe Wohnraumberatungsstellen und Pflegestützpunkte. Des Weiteren zeigen Untersuchungen, dass bundesweit 95 Prozent der älteren Menschen täglich mit erheblichen Barrieren in ihrer Wohnung konfrontiert sind. Barrierefreies Wohnen muss daher ein vorrangiges Ziel der kommunalen Wohnungspolitik werden. Ebenso erfordert ein altersgerechtes Wohnumfeld auch Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und einen gut ausgebauten, behindertengerechten öffentlichen Nahverkehr.
Besonders wichtig wird es nach Ansicht des VdK werden, im Bereich der Pflege die Versorgung der Bürger sicherzustellen. Kurzzeit- und Tagespflegeangebote, ambulante Pflege, betreutes Wohnen und alternative Wohnformen müssen weiterentwickelt werden. Die Kommunen, Kirchengemeinden und Vereine sind darüber hinaus gefordert, Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliches Engagement zu unterstützen. Um die Vereinsamung älterer Menschen zu verhindern, sind soziale Netzwerke im Wohnumfeld wie Begegnungsstätten, Bildungs- und Freizeitangebote von großer Bedeutung.
Auch pflegende Angehörige brauchen vermehrt Unterstützungs-, Beratungs- und Entlastungsangebote, da ein Großteil der Pflege direkt in den Familien geleistet wird. Ihre Bereitschaft, unter vielen Entbehrungen zum Teil schwerste Pflegearbeit zu leisten, muss unbedingt erhalten und gefördert werden. Auch dafür setzt sich der VdK, vor allem auf Bundesebene, mit der Forderung nach einer umfassenden, großen Pflegereform ein, über die er auf der Internetseite www.grosse-pflegereform-jetzt.de informiert. Hier sieht der VdK gerade auch die Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises in der Pflicht.
Ziel der angestrebten großen Pflegereform ist es außerdem, Pflegebedürftigkeit frühzeitig zu verhindern. Hierzu gehört die Unterstützung alter Menschen nicht, wie bisher, erst bei erheblicher Pflegebedürftigkeit, sondern bereits wenn sie zunehmend hilfebedürftig werden. Mit Beratung, altersgerechter Wohnraumanpassung oder hauswirtschaftlichen Hilfen können sie oft noch lange selbstständig in ihren vier Wänden wohnen bleiben. Eine von Sozialhilfe finanzierte Unterbringung im Heim hingegen – sofern es dort einen Platz gibt – belastet die Kommunen finanziell enorm.
Der Sozialverband VdK ruft daher die Lokalpolitik auf, beim Thema Pflege vorausschauend zu denken und zu handeln. Bernd Reiber: Der Kreis und die Gemeinden müssen sich auf den demografischen Wandel einstellen und Lösungen auf kommunaler Ebene entwickeln. Wir vom VdK sind gerne bereit, uns daran zu beteiligen.
Philipp Stielow
VdK-Landesgeschäftsstelle Hessen-Thüringen
Quellenhinweis:
Die erwähnten Zahlenangaben stammen vom Statistischen Bundesamt (Zahl der Pflegebedürftigen 2011), dem Pflegereport 2030 der Bertelsmann Stiftung (prozentuale Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030) sowie dem Statistischen Landesamt (Zahl der Demenzerkrankten 2030).
Autor: khhIm Jahr 2030 könnten die Kommunen im Kreis vor einem massiven Pflege-Problem stehen, wenn die örtlichen Versorgungsstrukturen nicht stärker an den wachsenden Anteil pflegebedürftiger und demenzkranker Menschen angepasst werden. Im Hinblick auf die gerade gelaufenen Kommunalwahlen und der sich gerade konstituierenden Räte ruft der Sozialverband VdK die Lokalpolitik zum Handeln auf.
Die Zahl der Pflegebedürftigen im Kreis mit Pflegestufe I bis III, die 4.150 Personen im Jahr 2011 betrug, wird nach Expertenschätzungen bis zum Jahr 2030 um 41 Prozent auf rund 5.850 anwachsen. Voraussichtlich 2.000 Menschen im Kreis werden die Diagnose Demenz haben. Der Kreis und die Kommunen müssen sich dringend mit dem steigenden Anteil alter, pflegebedürftiger und demenzerkrankter Menschen auseinandersetzen.
Die heutige Versorgungslandschaft ist darauf nur unzureichend ausgerichtet, erklärt der VdK-Kreisverbandsvorsitzende Bernd Reiber. Pflege findet vor Ort statt – in den Städten und Gemeinden. Ein wichtiges Ziel der Lokalpolitik muss es sein, die kommunalen Strukturen im Hinblick auf altengerechtes Wohnen und Leben zu stärken. Dies sollte auch für die Entscheidungen der sich zur Zeit konstituierendenneuen Räte eine wichtige Rolle spielen.
Eine zukunftsorientierte Pflege- und Seniorenpolitik beginnt für den VdK beispielsweise bei der kommunalen Planung. Kommunen und Kreise müssten eine Bestandsaufnahme der Wohn- und Lebenssituation sowie des Bedarfs der Bürger an sozialen, Wohn-, Pflege-, Versorgungs- und Dienstleistungsangeboten vornehmen. Die Erkenntnisse sollten in ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept einfließen. Auch das Angebot an Wohn- und Pflegeberatung sollte ausgebaut werden, etwa durch wohnortnahe Wohnraumberatungsstellen und Pflegestützpunkte. Des Weiteren zeigen Untersuchungen, dass bundesweit 95 Prozent der älteren Menschen täglich mit erheblichen Barrieren in ihrer Wohnung konfrontiert sind. Barrierefreies Wohnen muss daher ein vorrangiges Ziel der kommunalen Wohnungspolitik werden. Ebenso erfordert ein altersgerechtes Wohnumfeld auch Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und einen gut ausgebauten, behindertengerechten öffentlichen Nahverkehr.
Besonders wichtig wird es nach Ansicht des VdK werden, im Bereich der Pflege die Versorgung der Bürger sicherzustellen. Kurzzeit- und Tagespflegeangebote, ambulante Pflege, betreutes Wohnen und alternative Wohnformen müssen weiterentwickelt werden. Die Kommunen, Kirchengemeinden und Vereine sind darüber hinaus gefordert, Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliches Engagement zu unterstützen. Um die Vereinsamung älterer Menschen zu verhindern, sind soziale Netzwerke im Wohnumfeld wie Begegnungsstätten, Bildungs- und Freizeitangebote von großer Bedeutung.
Auch pflegende Angehörige brauchen vermehrt Unterstützungs-, Beratungs- und Entlastungsangebote, da ein Großteil der Pflege direkt in den Familien geleistet wird. Ihre Bereitschaft, unter vielen Entbehrungen zum Teil schwerste Pflegearbeit zu leisten, muss unbedingt erhalten und gefördert werden. Auch dafür setzt sich der VdK, vor allem auf Bundesebene, mit der Forderung nach einer umfassenden, großen Pflegereform ein, über die er auf der Internetseite www.grosse-pflegereform-jetzt.de informiert. Hier sieht der VdK gerade auch die Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises in der Pflicht.
Ziel der angestrebten großen Pflegereform ist es außerdem, Pflegebedürftigkeit frühzeitig zu verhindern. Hierzu gehört die Unterstützung alter Menschen nicht, wie bisher, erst bei erheblicher Pflegebedürftigkeit, sondern bereits wenn sie zunehmend hilfebedürftig werden. Mit Beratung, altersgerechter Wohnraumanpassung oder hauswirtschaftlichen Hilfen können sie oft noch lange selbstständig in ihren vier Wänden wohnen bleiben. Eine von Sozialhilfe finanzierte Unterbringung im Heim hingegen – sofern es dort einen Platz gibt – belastet die Kommunen finanziell enorm.
Der Sozialverband VdK ruft daher die Lokalpolitik auf, beim Thema Pflege vorausschauend zu denken und zu handeln. Bernd Reiber: Der Kreis und die Gemeinden müssen sich auf den demografischen Wandel einstellen und Lösungen auf kommunaler Ebene entwickeln. Wir vom VdK sind gerne bereit, uns daran zu beteiligen.
Philipp Stielow
VdK-Landesgeschäftsstelle Hessen-Thüringen
Quellenhinweis:
Die erwähnten Zahlenangaben stammen vom Statistischen Bundesamt (Zahl der Pflegebedürftigen 2011), dem Pflegereport 2030 der Bertelsmann Stiftung (prozentuale Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030) sowie dem Statistischen Landesamt (Zahl der Demenzerkrankten 2030).
