Neue geologische Untersuchungen
Bedeutsamer Kyffhäuser
Donnerstag, 26. Januar 2017, 16:46 Uhr
Die Sandstein-Statue von Friedrich I. Barbarossa am Fuße des Kaiser-Wilhelm-Denkmals thront majestätisch über den 300 Millionen Jahre alten sandigen Flussablagerungen...
Der Stauferkaiser ruhe, so die Sage, tief im Inneren des Kyffhäusers und warte auf den Tag seiner Wiederkehr. Friedrich‘s Schlaf dürfte in den letzten Monaten allerdings zunehmend unruhig gewesen sein, denn unter seinen Füßen rumort es: Über 60 Meter lange Probebohrungen unterhalb des Denkmals geben Aufschluss über die Eigenschaften des brüchigen Sandsteins. Ein Geolift soll den Kyffhäuser-Burgberg erschließen und sein Innerstes für Touristen erlebbar machen.
Weit spektakulärer als die sie umgebenden Sandsteine sind die versteinerten Bäume des Kyffhäusers, die wirklichen Schätze aus Jahrmillionen Erdgeschichte. Aufgestellt in zahlreichen Gärten, in Mauern eingebaut und zu Obelisken aufgetürmt prägen sie das Bild der Region und locken Interessierte aus nah und fern an. Ihre Erforschungsgeschichte reicht bis in das jahr 1831 zurück, d.h. bis an den Beginn der Paläobotanik, der Wissenschaft von den fossilen Pflanzen.
Und dennoch ranken sich bis heute zahlreiche Fragen um Herkunft und Entstehung der versteinerten Bäume. Was waren das für Pflanzen? Wo stand der Wald einst, und wie hoch waren seine Bäume? Wie wurden sie zu Stein? Was lehrt uns das einzigartige Naturdenkmal?
Erste Antworten auf diese Fragen liefern neue Untersuchungen und Kartierungsarbeiten, die an der TU Bergakademie Freiberg 2013 initiiert, von regionalen Behörden, Museen und Freizeitforschern vielfältig unterstützt wurden und am Museum für Naturkunde Chemnitz fortgesetzt werden. Das Kyffhäusergebirge bietet anhand mehrerer großer Steinbrüche geradezu exzellente Bedingungen für das Studium der dreidimensionalen Gesteinsarchitektur. Zudem ermöglicht das bis 600 Meter mächtige Profil, welches über eine Fläche von 12 x 8 km ausstreicht, umfassende Einsichten in die räumlich-zeitliche Entwicklung des Ablagerungsraumes.
Die versteinerten Bäume waren hauptsächlich Cordaiten, bis 40 Meter hohe frühe Nadelbaum-Verwandte mit bandförmigen Blättern und Stämmen von bis zu einem Meter Durchmesser. Diese Bäume wuchsen in schütteren Wäldern in einem Gebirge des Karbons westlich des heutigen Kyffhäusers und wurden als Treibhölzer in einem riesigen Flusssystem verdriftet und schließlich abgelagert. Gelegentliche Überschwemmungen begünstigten die Erosion von Seitenhängen und Inseln innerhalb der Flussrinnen in einem wechselfeuchten subtropischen Klima.
Von den Fluten wurden Bäume samt ihrer Wurzelstöcke mitgerissen und bei zurückgehenden Wasserständen auf seichten Barren abgesetzt und zugedeckt. Die Hinterlassenschaft des einstigen Urzeit-Waldes ist jedoch noch weitaus größer. So gibt es auch Hinweise auf kleinere Pflanzen, auf echte Nadelbäume, auf Baumfarne und Kletterer, die in der Sammlung des Regionalmuseums Bad Frankenhausen wiederentdeckt wurden.
Die Vorgänge der Versteinerung werden zurzeit noch untersucht, doch deuten Analysen eine mehrstufige Mineralisation an, bei der Zellhohlräume und Zellwände des Holzes Generationen von Quarzkristallen wichen. Erstmals gelang es, das Alter der Gesteinsschichten am Kyffhäuser exakt zu bestimmen. Mittels Uran-Blei-Datierung anhand von Zirkonen aus einer dünnen Vulkanaschen-Schicht im Sandstein konnte ein Mindestalter von 299 ± 3,2 Millionen Jahren ermittelt werden. Die Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass das geologische Fundament des Kyffhäusers von klüftigen Blöcken aufgebaut wird mit zahlreichen offenen Spalten dazwischen. Der Sandstein selbst ist sehr uneinheitlich, wobei Konglomerate, Sandsteine und feinkörnige Lagen auf engstem Raum wechseln.
Die ehemaligen Steinbrüche am Denkmal gehören zu den geowissenschaftlich und geotouristisch bedeutsamsten Aufschlüssen in Mitteldeutschland. Vor diesem Hintergrund stellen die geplanten Baumaßnahmen für einen fragwürdigen Geolift einen möglicherweise schwerwiegenden und irreversiblen Eingriff in das Kulturdenkmal des Burgberges und seine bedeutene Rolle für nachhaltigen Tourismus sowie geowissenschaftliche Forschung und Bildung dar. Als Geowissenschaftler geben wir der Hoffnung Ausdruck, dass die Schätze der langen geologischen Entwicklung nicht gefährdet werden durch zwar gut gemeinte, aber in ihrer Tragweite kaum fassbare Aktionen zugunsten rasch veränderlicher gesellschaftlicher Freizeitbedürfnisse.
Steffen Trümper, M.Sc.
(Projektbearbeiter und Wissenschaftlicher Volontär am Museum für Naturkunde Chemnitz)
PD Dr. rer. nat. habil. Ronny Rößler
(Direktor des Museums für Naturkunde Chemnitz und Gastprofessor für Paläobotanik an der TU Bergakademie Freiberg)
Prof. em. Dr. rer. nat. habil. Jörg W. Schneider
(emeritierter Professor für Paläontologie/Stratigraphie an der TU Bergakademie Freiberg und Mitglied des Thüringischen Geologischen Vereins)
Museum für Naturkunde Chemnitz
Moritzstraße 20
09111 Chemnitz
TU Bergakademie Freiberg
Institut für Geologie
Bernhard-von-Cotta-Straße 2
09599 Freiberg
Autor: redDer Stauferkaiser ruhe, so die Sage, tief im Inneren des Kyffhäusers und warte auf den Tag seiner Wiederkehr. Friedrich‘s Schlaf dürfte in den letzten Monaten allerdings zunehmend unruhig gewesen sein, denn unter seinen Füßen rumort es: Über 60 Meter lange Probebohrungen unterhalb des Denkmals geben Aufschluss über die Eigenschaften des brüchigen Sandsteins. Ein Geolift soll den Kyffhäuser-Burgberg erschließen und sein Innerstes für Touristen erlebbar machen.
Weit spektakulärer als die sie umgebenden Sandsteine sind die versteinerten Bäume des Kyffhäusers, die wirklichen Schätze aus Jahrmillionen Erdgeschichte. Aufgestellt in zahlreichen Gärten, in Mauern eingebaut und zu Obelisken aufgetürmt prägen sie das Bild der Region und locken Interessierte aus nah und fern an. Ihre Erforschungsgeschichte reicht bis in das jahr 1831 zurück, d.h. bis an den Beginn der Paläobotanik, der Wissenschaft von den fossilen Pflanzen.
Und dennoch ranken sich bis heute zahlreiche Fragen um Herkunft und Entstehung der versteinerten Bäume. Was waren das für Pflanzen? Wo stand der Wald einst, und wie hoch waren seine Bäume? Wie wurden sie zu Stein? Was lehrt uns das einzigartige Naturdenkmal?
Erste Antworten auf diese Fragen liefern neue Untersuchungen und Kartierungsarbeiten, die an der TU Bergakademie Freiberg 2013 initiiert, von regionalen Behörden, Museen und Freizeitforschern vielfältig unterstützt wurden und am Museum für Naturkunde Chemnitz fortgesetzt werden. Das Kyffhäusergebirge bietet anhand mehrerer großer Steinbrüche geradezu exzellente Bedingungen für das Studium der dreidimensionalen Gesteinsarchitektur. Zudem ermöglicht das bis 600 Meter mächtige Profil, welches über eine Fläche von 12 x 8 km ausstreicht, umfassende Einsichten in die räumlich-zeitliche Entwicklung des Ablagerungsraumes.
Die versteinerten Bäume waren hauptsächlich Cordaiten, bis 40 Meter hohe frühe Nadelbaum-Verwandte mit bandförmigen Blättern und Stämmen von bis zu einem Meter Durchmesser. Diese Bäume wuchsen in schütteren Wäldern in einem Gebirge des Karbons westlich des heutigen Kyffhäusers und wurden als Treibhölzer in einem riesigen Flusssystem verdriftet und schließlich abgelagert. Gelegentliche Überschwemmungen begünstigten die Erosion von Seitenhängen und Inseln innerhalb der Flussrinnen in einem wechselfeuchten subtropischen Klima.
Von den Fluten wurden Bäume samt ihrer Wurzelstöcke mitgerissen und bei zurückgehenden Wasserständen auf seichten Barren abgesetzt und zugedeckt. Die Hinterlassenschaft des einstigen Urzeit-Waldes ist jedoch noch weitaus größer. So gibt es auch Hinweise auf kleinere Pflanzen, auf echte Nadelbäume, auf Baumfarne und Kletterer, die in der Sammlung des Regionalmuseums Bad Frankenhausen wiederentdeckt wurden.
Die Vorgänge der Versteinerung werden zurzeit noch untersucht, doch deuten Analysen eine mehrstufige Mineralisation an, bei der Zellhohlräume und Zellwände des Holzes Generationen von Quarzkristallen wichen. Erstmals gelang es, das Alter der Gesteinsschichten am Kyffhäuser exakt zu bestimmen. Mittels Uran-Blei-Datierung anhand von Zirkonen aus einer dünnen Vulkanaschen-Schicht im Sandstein konnte ein Mindestalter von 299 ± 3,2 Millionen Jahren ermittelt werden. Die Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass das geologische Fundament des Kyffhäusers von klüftigen Blöcken aufgebaut wird mit zahlreichen offenen Spalten dazwischen. Der Sandstein selbst ist sehr uneinheitlich, wobei Konglomerate, Sandsteine und feinkörnige Lagen auf engstem Raum wechseln.
Die ehemaligen Steinbrüche am Denkmal gehören zu den geowissenschaftlich und geotouristisch bedeutsamsten Aufschlüssen in Mitteldeutschland. Vor diesem Hintergrund stellen die geplanten Baumaßnahmen für einen fragwürdigen Geolift einen möglicherweise schwerwiegenden und irreversiblen Eingriff in das Kulturdenkmal des Burgberges und seine bedeutene Rolle für nachhaltigen Tourismus sowie geowissenschaftliche Forschung und Bildung dar. Als Geowissenschaftler geben wir der Hoffnung Ausdruck, dass die Schätze der langen geologischen Entwicklung nicht gefährdet werden durch zwar gut gemeinte, aber in ihrer Tragweite kaum fassbare Aktionen zugunsten rasch veränderlicher gesellschaftlicher Freizeitbedürfnisse.
Steffen Trümper, M.Sc.
(Projektbearbeiter und Wissenschaftlicher Volontär am Museum für Naturkunde Chemnitz)
PD Dr. rer. nat. habil. Ronny Rößler
(Direktor des Museums für Naturkunde Chemnitz und Gastprofessor für Paläobotanik an der TU Bergakademie Freiberg)
Prof. em. Dr. rer. nat. habil. Jörg W. Schneider
(emeritierter Professor für Paläontologie/Stratigraphie an der TU Bergakademie Freiberg und Mitglied des Thüringischen Geologischen Vereins)
Museum für Naturkunde Chemnitz
Moritzstraße 20
09111 Chemnitz
TU Bergakademie Freiberg
Institut für Geologie
Bernhard-von-Cotta-Straße 2
09599 Freiberg
