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Der Teufel liegt im Detail

Dienstag, 04. Mai 2021, 11:50 Uhr
Der erste Mai hat, auch im zweiten Corona-Jahr, wie so oft seine dunklen Seiten gehabt. Ein nnz-Leser setzt sich im nnz-Forum mit der medialen Berichterstattung der Tagesschau zu den Maikrawallen und Corona-Demonstrationen auseinander...

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit diesem Text möchte ich zu der am 02.05.2021, um 20 Uhr in der Tagesschau ausgestrahlten, Berichterstattung über die Demonstrationen und Versammlungen am 01.05.2021 Stellung nehmen und gleichzeitig Besorgnis kundtun.

Die Zeit der Pandemie bewegt die Menschen wie keine andere im 21. Jahrhundert. Im ständigen politischen Diskurs über rechtmäßiges Verhalten von Bürgern und die Angemessenheit der, seitens des Staates erlassenen, Regelungen bahnt sich eine Spaltung der Bevölkerung an. Ferner wird dieser Diskurs durch die Querdenken-Bewegung, insbesondere durch die Ereignisse am 30.08.2020, verschärft. Solche gewaltsamen Geschehnisse sind zutiefst inakzeptabel und zugleich erschütternd.

Jedoch stellen solche gewaltbereiten Demonstranten einen geringfügigen Teil der Masse derer dar, welche ihr Unverständnis mit den staatlichen Maßnahmen friedlich kundtut. Ungeachtet dessen, werden seitens Ihrer Berichterstattung, wie jüngst bei den Protesten gegen die Änderung des Infektionsschutzgesetzes, alle Demonstranten in eine Schublade gesteckt: ein Klientel, welches sich bundesweit aus eben solch radikalen Querdenkern der Ereignisse des 30.08.2020, AfD-Anhängern und deren Sympathisanten zusammensetzt.

Im Umkehrschluss wird durch Ihre Nachrichten die Botschaft verbreitet, dass jeder, der gegen Infektionsschutzmaßnahmen demonstriert, ein unaufgeklärter, intoleranter Mensch ist. Bürger mit Skepsis, Besorgnis um Existenzen und anderen Meinungen werden von Ihnen als „Querdenker“ und „Corona-Leugner“ bezeichnet. Damit kehren Sie einem Großteil der Bundesbürger, aber womöglich auch Teilen Ihres Familien- oder Bekanntenkreises den Rücken zu. Jede kleinste Auseinandersetzung zwischen einem Bruchteil der Demonstranten und Polizisten wird Ihrerseits genutzt um das immense Gefahrenpotenzial der friedlichen Masse zu verdeutlichen.

Ganz anders erfolgte Ihre Berichterstattung zu den alljährigen Protesten am 1. Mai. Eine Differenzierung zwischen den Demonstranten fiel dort nicht schwer. Denn dort hielt sich die Masse, ganz im Gegensatz zu jener auf Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen, selbstverständlich an die Hygiene-Maßnahmen. Vereinzelte Unterschreitungen des gebotenen Abstands waren dort die einzige Gefahr, die von der Masse ausging. Jedoch unterscheiden sich die Bilder der Mai-Proteste in Wirklichkeit kaum von denen, gegen die Corona-Politik: friedliche Demonstranten, zwischen denen der Abstand meist nicht gewahrt wird. Einige Proteste arteten jedoch aus. Brennende Mülltonnen, Straßenbarrikaden und zerstörte Autos sind dabei nur Exempel. Der Vorgang gegen die dortigen Unruhestifter seitens der Polizeibeamten: in weiten Teilen viel zu hart laut Ihrer Berichterstattung. Demgegenüber kann das Vorgehen gegen potenzielle „Corona-Leugner“ ihrer Auffassung nach jedoch nicht hart genug sein. Schließlich stellen gerade Zweitere eine erhebliche Gefahr für die ganze Bevölkerung dar.

Denn der Teufel liegt im Detail: die einen sind nur Zerstörungswütige und die anderen potenzielle Massenmörder. Dies geben Sie jedenfalls durch Ihre Berichterstattung dem Zuschauer unterschwellig zu verstehen. Und damit mit auch der letzte Zuschauer dieses hohe Gefahrenpotenzial der „Corona-Leugner“ und „Querdenker“ versteht, wird dies mehrmals täglich kommuniziert. Dies ist, meiner Ansicht nach, jedoch nicht das richtige Mittel. Durch Ihre undifferenzierte und voreingenommene Berichterstattung über Proteste gegen die Corona-Politik verschärfen Sie die Spaltung der Gesellschaft und stiften Hass und Angst. Jedoch ist es gerade Ihre Pflicht, andere Meinungen zu tolerieren und diese nicht voreilig durch Ausdrücke wie „Aluhutträger“, „Querdenker“ oder „Corona-Leugner“ zu diffamieren. Besonders der Umgang mit dem Wort „leugnen“, welches durch die Geschichte kaum negativer konnotiert sein könnte, sollte sie darüber nachdenken lassen, mit welchen Worten Sie in Zukunft Vergleiche führen und besorgte Bürger mit radikalen Minderheiten gleichstellen. Darüber hinaus ist es fraglich, ob der von Ihnen erzeugte Konformitätsdruck das richtige Mittel für eine politische und gesellschaftliche Meinungsbildung in einem, durch Vielfalt geprägten, Staat wie der Bundesrepublik Deutschland ist.

Anm. d. Red.: Der Name des Autors ist der Redaktion bekannt
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