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Maßnahmen gegen das Artensterben

NABU fordert Notprogramm für Thüringen

Sonnabend, 09. Oktober 2021, 15:51 Uhr
Der NABU Thüringen stellte heute in Erfurt auf seiner Landesvertreterversammlung Forderungen für ein Notprogramm zum Schutz der Natur in Thüringen vor. Martin Schmidt, der NABU-Landesvorsitzende, richtete seinen Appell an die Landesregierung und das Parlament...


„Gemeinsam haben wir in Thüringen schon einiges für die Natur erreichen können. Die Etablierung der Natura-2000-Stationen, die fünf Prozent nutzungsfreier Wald und das Insektenschutzprogramm sind nur einige Beispiele für wichtige Bausteine zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität. Allerdings ist in vielen Fällen eine Verbesserung des Erhaltungszustandes der Arten und Lebensraumtypen noch nicht erreicht und viele Arten vor allem in der Agrarlandschaft nehmen weiter ab. Der Feldhamster ist sogar akut vom Aussterben bedroht. Deshalb brauchen wir ein Notprogramm, das dringend notwendige Maßnahmen gegen das Artensterben ergreift.“

In erster Linie benötigt Natur mehr Platz, um sich frei entfalten zu können. Gerade in den ausgeräumten Agrarlandschaften des Thüringer Beckens oder in den intensiv genutzten Auen muss laut NABU die Biodiversität gefördert werden. Land und Kommunen sollen einen Vorrat eigener Flächen anlegen. Solche Flächen können bei sich bietender Gelegenheit mit naturschutzfachlich wertvolleren Flächen getauscht oder durch eine vorgegebene Bewirtschaftung entsprechend entwickelt werden.

Zur Strukturverbesserung in der Landschaft fordert der NABU Thüringen Aktionsprogramme mit passenden Förderungen für die Bereicherung der Landschaften mit Baumreihen, Hecken und blütenreichen Wegsäumen sowie zur Belebung der Auen. Ebenso ist der Einsatz von Pestiziden bis 2026 um 50 Prozent zu reduzieren. „Dazu braucht es ein für die Landwirtschaft praktikables Pestizidreduktionsprogramm. Die Umstellung muss gefördert werden und Landwirte können die Lasten einer Umstellung nicht alleine tragen. Freistaat und Kommunen sollten zusätzlich mit gutem Beispiel vorangehen und den Verzicht oder die Reduzierung von Pestiziden auf eigenen Flächen durchsetzen“, sagt der NABU-Landesvorsitzende.

Die Naturschützer sehen aber auch Probleme bei der Waldbewirtschaftung. Um den Wald fit für den Klimawandel zu machen, bedarf es einer naturnahen und ökologisch verträglichen Dauerwald-Bewirtschaftung. Hierzu gehört, dass in den Wäldern so viel Holz wie möglich belassen wird und bodenschonende Erntetechniken eingesetzt werden. Anstatt teure Anpflanzungen vorzunehmen, muss primär auf Naturverjüngung gesetzt werden. Keinesfalls sind nicht-heimische Baumarten anzupflanzen.

Damit die Naturschätze im Blick behalten werden, fordert der NABU Thüringen, die Betreuung der Naturschutzgebiete durch Ranger zu sichern und eine Stabstelle für Umweltkriminalität einzurichten. „Unsere Naturschutzgebiete sind für viele seltene Tier- und Pflanzenarten die letzten Rückzugsgebiete in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft. Doch Schutzgebiete ohne Personal werden zu oft als illegaler Müllplatz benutzt, Nutzungsauflagen und Wegegebote nicht eingehalten, Pflanzen niedergetrampelt und Tiere gestört. Genauso hinken wir hinterher, wenn es um die Aufklärung bei der illegalen Nachstellung von geschützten Tierarten geht. In Thüringen werden immer wieder Greifvögel vergiftet, Biber und Fischotter getötet. Das muss sich ändern“, so Martin Schmidt.
Autor: red

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