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Hang zum Luxus und mangelnde Leistungsbereitschaft:

Ist das ein Widerspruch?

Sonntag, 15. Mai 2022, 09:55 Uhr
Bereits vor rund 2.500 Jahren sagte Sokrates: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte“. Unser acto geht diesem (Wider)spruch nach...


Meines Erachtens kann man die Liebe zum Luxus bei vielen Jugendlichen heute schon als dekadent bezeichnen. Denn nur wer das neuste Smartphone besitzt und die angesagtesten Klamotten trägt, ist wirklich cool. Aber wer ist auch bereit etwas dafür zu leisten? Fehlanzeige - das wäre total uncool. Schlafen und Chillen ist angesagt und wozu gibt es schließlich die Eltern oder Großeltern. Sie können das alles bezahlen.

Auch ist die Zahl der schlechten Manieren heute größer denn je. Allerdings ist zu bezweifeln, dass die meisten der Jugendlichen dieses Wort richtig buchstabieren oder dessen Bedeutung interpretieren können. Besonders auffällig sind der sinkende Anstand und die steigende Rücksichtslosigkeit gegenüber Anderen.

Das fängt zum Beispiel in der Schule mit dem Drangsalieren, Demütigen und Schlagen von Mitschülern an und hört auf der Straße mit Verschmutzung und Sachbeschädigung auf.

Ihr mangelnder Respekt betrifft heute nicht nur die älteren Leute. Autoritäten des Staates wie Lehrer, Mitarbeiter des Ordnungsamts oder Polizeibeamte werden verachtet, respektlos beschimpft und mitunter wird ihnen sogar Gewalt angedroht.

Wenn man durch Nordhausen läuft, muss man den Eindruck gewinnen, dass sich viele, vornehmlich junge Leute, nicht benehmen können. Ob Pfandflaschen, Verpackungen, Restmüll oder
Essensreste - alles wird in die Gegend geworfen und möglichst zertreten oder zerschlagen. Es interessiert nicht, dass die Scherben der zerbrochenen Glasflaschen eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Wenn man die Jugendlichen dann dazu anspricht, behaupten sie natürlich, dass sie es nicht waren und alles schon da lag, als sie gekommen sind. Immer wieder werden auch Fassaden, Schautafeln oder Lesepulte beschmiert oder wie zum Beispiel am Nikolaiplatz zerstört.

Da muss doch die Frage erlaubt sein, warum werden an solchen Brennpunkten keine Kameras installiert? Ach ja Datenschutz, allerdings wird der nur hier leider zum Täterschutz!!! Denn wer nichts zu verbergen hat oder nichts Böses im Schilde führt, hätte sicher kein Problem mit einer Kameraüberwachung. Schließlich geht es um den Schutz eines Gemeinguts.

Leider ist das alles allerdings ein Phänomen, das nicht nur die Jugend, sondern leider auch einige Erwachsene praktizieren.

Heute hat sich scheinbar die "Jugend" um Jahrzehnte verlängert. Denn das typische schlechte Benehmen Pubertierender zieht sich heute bei einigen bis in die vierziger Jahre des Lebens hinein. Die Bevölkerungsgruppe derer, die sich in allen Belangen des Lebens rücksichtslos verhält, wird immer größer. Das wird dann mit der „freie Entfaltung der Persönlichkeit“ entschuldigt. Ich nenne es einfach Narzissmus. So ist es zum Beispiel heute üblich, mit dem Fahrrad oder besser noch mit dem E-Bike mit besonders breitem Lenker und hoher Geschwindigkeit über die Bürgersteige zu rasen oder auf dem Hinterrad, besonders cool, in Richtung Passanten zu manövrieren. Fußgänger müssen zur Seite springen und wenn sie das nicht rechtzeitig tun, werden sie noch beschimpft, nach dem Motto: „Ich fahre schließlich hier, was haben da Fußgänger auf dem Bürgersteig zu suchen?“

Ich habe den Eindruck, dass viele Eltern mit ihren Kindern einfach nicht zurechtkommen. Sie geben entweder den Kindern keine klaren Anweisungen oder geben bei Forderungen viel zu schnell nach, nur um ihre Ruhe oder das Gefühl zu haben, dafür von ihnen geliebt zu werden. Häufig beginnt es mit dem Widersprechen und endet dann mitunter bei der permanenten Schulverweigerung.

Besorgniserregend ist bei einer großen Anzahl Jugendlicher eine nicht vorhandene Ausbildungsreife. Diese ist meist gepaart mit einer totalen Selbstüberschätzung sowie notorischem Halbwissen. Wird eine Unterrichtsstunde vom Lehrer einmal straff nach dem Lehrplan durchgezogen, halten es die meisten Schüler für eine drakonische Strafmaßnahme, obwohl es sich einfach nur den normalen Unterricht handelt. Viele Schüler sind einfach nicht in der Lage, dem Unterricht 45 Minuten zu folgen, sodass die Anforderungen immer weiter abgesenkt werden müssen. Es fehlen sowohl kognitive Fähigkeiten, als auch ein angemessener Bildungswille. Kommentare sind dann meist „Wozu müssen wir denn so einen Mist wissen“. Dass es sich bei dem Unterrichtsstoff um Grundlagen für eine mögliche Berufsausbildung handeln könnte, interessiert niemanden. Sie haben einfach für nichts Interesse. Selbst in den Abschluss-Klassen wissen die meisten der Jugendlichen nicht einmal was sie werden wollen. Hier sind natürlich in erster Linie die Eltern gefragt, denn sie haben den Erziehungsauftrag und die Verantwortung für ihre Kinder. Aber viele haben bereits resigniert und nicht nur den Erziehungsauftrag, sondern auch die Zukunft ihrer Kinder an Institutionen abgetreten.

Unter diesen Voraussetzungen beginnt eben bei vielen Jugendlichen nach der Schule nicht das Erwerbsleben mit den entsprechenden Einzahlungen in unsere Sozialkassen. Im Gegenteil, die Sozialkassen werden unter Umständen zusätzlich belastet.

Die falsch verstandene Freiheit, das Aufweichen von Forderungen und das Nichteinhalten müssen von Regeln, all das fördert diesen Trend noch weiter. Gegenleistungen sollten nur durch das Erbringen von Leistungen erwartet werden dürfen. Aber in unserem Land wird erwartet, dass es Transferleistungen zum Nulltarif gibt. „Wir sind schließlich ein Sozialstaat und das steht mir doch zu“ ist die einhellige Meinung vieler Transferempfänger.

„Armes Deutschland“ hatte eine junge Transferempfängerin einmal gesagt (geschwatzt). Sie hatte Recht!!! Aber nicht so wie sie es meinte, weil das Geld, das ihr ohne jegliche Gegenleistung zur Verfügung gestellt wurde, nicht reichte, sondern weil unsere Gesellschaft nicht in der Lage ist, junge Leute so zu motivieren, dass sie arbeiten, ihr eigenes Geld verdienen und darauf möglichst stolz sind.

An diesem gesellschaftliches Problem tragen wir alle eine Mitschuld. Denn wir senden den Jugendlichen die falschen Signale. Bisher hatten die Jugendlichen doch stets alles ohne jegliche Gegenleistung bekommen. Aus welchem Grund sollten sie heute etwas dafür tun? Einerseits wird ihnen aufgrund der vielen offenen Lehrstellen suggeriert, dass sie sich nicht anstrengen müssen um eine Lehrstelle zu bekommen. Andererseits sind aufgrund unserer angespannten Sozialkassen und der damit verbundenen hohen Abgabenlast Arbeitnehmer und somit auch Auszubildende finanziell oft nicht viel besser gestellt als diejenigen, die von den Sozialsystemen leben. Monetär lohnt sich Leistung dadurch oft nicht wirklich.

Auch wird der erhoffte positive Effekt durch die Anhebung des Mindestlohns aufgrund des aktuellen Preisanstiegs verpuffen. Das Lohngefüge insgesamt, sowie die Abgaben darauf sollten leistungsgerechter werden. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Fazit: Es gibt auch heute noch engagierte junge Leute. Allerdings sollte die aktuell, sicher reale Situation eines Fachkräftemangels und offener Lehrstellen, nicht als Vorwand dafür genutzt werden, dass sich Jugendliche nicht mehr anstrengen müssen, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Denn ohne Anstrengungen und entsprechende Leistungen, werden sie in der Berufsausbildung oder Studium Schiffbruch erleiden und somit unter Umständen nie die von uns allen so dringend erhofften und benötigten Fachkräfte von morgen werden.

Auch sollten wir der Jugend endlich vermitteln, dass man sich nur etwas leisten kann, wenn man auch selbst etwas leistet und, dass der faire, rücksichtsvolle und respektvolle Umgang miteinander die Grundlage für sozialen Frieden ist.
acto
Autor: psg

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