kyffhaeuser-nachrichten.de
Das Wort zum Wochenende

„Gib mir zu trinken.“

Samstag, 07. März 2026, 10:00 Uhr
Morgen ist Internationaler Frauentag. Ein Tag, der daran erinnert, dass Gleichberechtigung keine Selbstverständlichkeit ist, weder weltweit noch bei uns, schreibt Gemeindepädagogin Melanie Hamann...

Viel wird über Zahlen, Rechte und Strukturen gesprochen. Doch manchmal lohnt sich auch ein Blick zurück auf Geschichten, die davon erzählen, wie Frauen Verantwortung übernehmen, handeln und Glauben leben. Im Johannesevangelium wird erzählt, wie Jesus einer Frau an einem Brunnen begegnet (Johannes 4,5–10). Sie kommt allein, um Wasser zu schöpfen, zu einer ungewöhnlichen Zeit, vermutlich um den anderen aus dem Weg zu gehen. Jesus spricht sie an und sagt schlicht: „Gib mir zu trinken.“ Ein einfacher Satz. Und doch überschreitet er mehrere Grenzen. Ein jüdischer Mann spricht öffentlich mit einer Frau. Und sie ist eine Samariterin. Zwischen Juden und Samaritern herrscht damals große Distanz.

Entsprechend überrascht reagiert sie: „Wie, du, ein Jude, erbittest etwas zu trinken von mir?“ Man merkt: Hier geschieht etwas, das so nicht vorgesehen ist. Doch Jesus weist sie nicht zurecht. Er lässt sich auf ein Gespräch ein und begegnet ihr als Gegenüber, als einem Menschen, der denken, fragen und glauben kann.

Frauen tauchen in der Bibel seltener auf als Männer. Doch ihre Geschichten sind kraftvoll. Da ist Debora im Buch Richter, eine Prophetin, die ein Volk in schwieriger Zeit führt. Da ist Rut, die aus Treue und Mut einen neuen Lebensweg wagt. Und da ist Maria von Magdala, die Jesus begleitet und seine Botschaft weiterträgt.

Viele dieser Frauen stehen nicht im Mittelpunkt der großen Machtgeschichten. Aber sie handeln, tragen Verantwortung und sorgen sich um andere. Vieles davon würden wir heute „Care-Arbeit“ nennen: das Kümmern, Begleiten und Sorgen, das Gemeinschaft möglich macht. Dass Frauen heute selbstverständlich Pfarrerinnen sein können, ist noch gar nicht so lange Realität. In der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern wurde am vergangenen Wochenende das Jubiläum „50 Jahre Ordination von Frauen“ gefeiert.

Ein halbes Jahrhundert, historisch gesehen eine kurze Zeit. In Thüringen begann die Entwicklung früher: Bereits 1926 gab es kirchliche Regelungen für theologisch ausgebildete Frauen. Zunächst arbeiteten sie als Vikarinnen, seit den 1950er Jahren wurden Frauen ordiniert und 1969 wurde ihnen schließlich das Gemeindepfarramt geöffnet.

Frauen waren nie nur Randfiguren der Glaubensgeschichte. Sie waren immer da, auch wenn ihre Stimmen nicht immer laut oder sichtbar waren. Vielleicht gehört zum Frauentag genau das:genauer hinzusehen und wahrzunehmen, wie viele dieser Geschichten es gibt – damals wie heute.

Melanie Hamann, Gemeindepädagogin in Ausbildung beim Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de