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Umfrage:

Nur jeder Zehnte versteht den Schufa-Score

Dienstag, 17. März 2026, 08:42 Uhr
Mehr als jeder zweite Deutsche (56 Prozent) hat den eigenen Schufa-Score noch nie abgerufen. Innerhalb der letzten drei Jahre hat sich nur jeder Vierte über die eigene Bonitätseinstufung informiert. Zudem wissen die Wenigsten, wie die Schufa ihre Kreditwürdigkeit überhaupt ermittelt...

Schufa (Symbolbild) (Foto: Vi Don auf Pixabay) Schufa (Symbolbild) (Foto: Vi Don auf Pixabay)
Lediglich jeder Zehnte hat eine überwiegend zutreffende Vorstellung davon, wie der Schufa-Score zustande kommt. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox. Ab dem 17. März will die Schufa nun mit einem neuen Scoring transparenter werden.

Nur jeder Vierte hat eigenen Score binnen drei Jahren abgefragt
Jeweils 44 Prozent der von Verivox Befragten halten ihre eigene Kreditwürdigkeit für gut bis sehr gut oder zumindest für durchschnittlich. 12 Prozent schätzen die eigene Bonität als schlecht bis sehr schlecht ein.

Doch ob die Schufa ihre Kreditwürdigkeit ebenso einschätzt, wissen nur wenige Studienteilnehmer. Lediglich 285 der insgesamt 1.002 Befragten (28 Prozent) haben ihren Schufa-Score innerhalb der letzten drei Jahre mindestens einmal abgefragt und verfügen somit über relativ aktuelle Informationen darüber, wie die Auskunftei ihre Bonität einschätzt. Bei 160 Befragten (16 Prozent) ist die letzte Abfrage mehr als drei Jahre her, 56 Prozent haben ihren Schufa-Score noch nie abgerufen.

„Für den Zugang zu Krediten und wichtigen Verträgen des alltäglichen Lebens sind die bei der Schufa gespeicherten Daten von großer Bedeutung. Trotzdem sind die meisten Menschen unzureichend oder gar nicht darüber im Bilde, wie die Auskunftei ihre Kreditwürdigkeit einschätzt und auf welcher Informationsgrundlage diese Einstufung erfolgt“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH.

Bisherige Bonitätseinstufung ist für die meisten eine Blackbox
In der Verivox-Studie wurden den Teilnehmenden zehn Aussagen zum Schufa-Score präsentiert. Sie sollten einschätzen, ob die Aussagen zutreffen oder nicht. Nur drei Befragte haben das bei allen zehn Aussagen korrekt eingeschätzt. Lediglich 10 Prozent lagen mindestens sieben Mal richtig und haben somit zumindest eine überwiegend zutreffende Vorstellung davon, wie die Kreditwürdigkeitseinstufung der Schufa zustande kommt. Im Durchschnitt machten die Befragten 5,6 Fehler. Die Mehrheit lag somit bei mehr als jeder zweiten Aussage falsch.

Die häufigsten Irrtümer zum Schufa-Score
76 Prozent der Befragten wussten nicht, dass ein laufender Immobilienkredit den Schufa-Score verbessert. Hintergrund ist, dass Banken hier vor der Kreditvergabe eine besonders umfassende Bonitätsprüfung durchführen. Deshalb bewertet die Schufa eine laufende Baufinanzierung trotz der finanziellen Belastung positiv.

Grafik  (Foto: Verivox) Grafik (Foto: Verivox)
Dass sich durch einen Umzug der Bonitäts-Score verschlechtert, war ebenfalls drei von vier Befragten (74 Prozent) unbekannt. Die Schufa beruft sich hier auf Statistiken, wonach das Risiko von Zahlungsausfällen nach Umzügen höher ist und erst in den folgenden Jahren langsam wieder sinkt.

71 Prozent der Befragten wussten nicht, dass sich mehr als zwei Girokonten negativ auf den Bonitäts-Score auswirken. Doch die Schufa argumentiert, dass Girokonten meistens einen Überziehungsrahmen haben. Wer mehrere Konten hat, könne den Dispo mehrfach ausschöpfen. Dadurch steige statistisch das Risiko von Zahlungsschwierigkeiten.

70 Prozent aller Befragten unterliegen dem Irrglauben, dass sich ein hohes regelmäßiges Einkommen positiv auf den Schufa-Score auswirkt. Dabei hat die Auskunftei keine Informationen darüber, wie viel die Menschen verdienen. Anders als die meisten Befragten (52 Prozent) denken, ist auch die Höhe von Sparguthaben auf Tagesgeld- oder Festgeldkonten fürs Scoring nicht relevant.

Im Gegensatz dazu kann eine Kreditkarte mit Verfügungsrahmen positiven Einfluss auf den Schufa-Score haben, wenn sie länger als ein Jahr ohne Zahlungsstörungen verwendet wird. Mehr als zwei Drittel aller Befragten (68 Prozent) hätte das nicht gedacht.

Kostenfreie Schufa-Abfrage erfolgt bislang per Briefpost
Mit einem schlechten Schufa-Score haben Verbraucher es schwerer, Kredite aufzunehmen, oder sie müssen dafür höhere Zinsen zahlen. Auch beim Online-Einkauf auf Rechnung und beim Abschluss von Strom-, Versicherungs- oder Mobilfunkverträgen kann der Score eine Rolle spielen.

Zwar gibt es auch heute schon die Möglichkeit, die eigenen Schufa-Daten über die Website der Auskunftei kostenfrei anzufordern. Doch der Prozess ist langsam und umständlich. Die sogenannte Schufa-Datenkopie wird per Briefpost verschickt, was je nach Postlaufzeit über eine Woche dauern kann.

„Aus unserer Sicht ist es eine längst fällige Verbesserung, wenn Verbraucher ihren Schufa-Score darüber hinaus künftig auch digital einsehen können“, sagt Oliver Maier. „Mindestens ebenso wichtig ist es, dass auch die Kriterien, auf deren Basis der Score berechnet wird, nachvollziehbarer werden. Bislang blieb das für die Mehrheit der Menschen völlig im Dunkeln.“

Methodik
Im Auftrag von Verivox hat das Meinungsforschungsinstitut Innofact im Februar 2026 insgesamt 1.002 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt. Die Befragten entstammen einem ISO-zertifizierten Online-Panel mit rund 500.000 Teilnehmenden. Die Umfrage ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit.
Autor: psg

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