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Internetzugang

Fast alle Kommunen haben Lücken

Mittwoch, 15. April 2026, 15:05 Uhr
Bereits seit acht Jahren sollte Deutschland eine flächendeckende Internetversorgung mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) haben – so lautete ein wesentliches Ziel der deutschen Digitalpolitik...

Internet (Symbolbild) (Foto: Pete Linforth auf Pixabay) Internet (Symbolbild) (Foto: Pete Linforth auf Pixabay)
Doch noch immer müssen sich hierzulande rund 2,2 Millionen Menschen mit langsameren Anschlüssen begnügen. Fast alle deutschen Städte und Gemeinden (96 Prozent) weisen Internetlücken beim Standard-Speed von 50 Mbit/s auf. Das zeigt eine aktuelle Marktanalyse des Vergleichsportals Verivox.

Über 10.000 Städte und Gemeinden nicht vollständig erschlossen
Insgesamt 10.520 Gemeinden in Deutschland sind laut Bundesbreitbandatlas nicht vollständig mit 50 Mbit/s versorgt. In 113 dieser Kommunen beträgt die 50-Mbit/s-Abdeckung maximal zehn Prozent – davon hat mehr als die Hälfte (61 Gemeinden) überhaupt keinen Zugang zu festen Breitbandanschlüssen mit mindestens 50 Mbit/s.

Das gilt sowohl für DSL als auch für Kabel-Internet oder Glasfaser. „50 Mbit/s sind heute gerade noch Standard“, sagt Verivox-Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg. „Diese Tarife werden inzwischen von den meisten Providern eher zurückhaltend vermarktet. 100 Mbit/s werden immer mehr zum neuen Standard, das zeigen auch die Buchungen über unser Vergleichsportal.“

Deutschlandweit können 97,3 Prozent aller Haushalte – nicht Gemeinden – eine Download-Geschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s erhalten. Die verbleibenden 2,7 Prozent müssen auf einen niedrigeren Surfspeed zurückgreifen. Damit bleiben insgesamt 1,1 Millionen Haushalte bzw. 2,2 Millionen Menschen von schnellem Internet abgeschnitten. Die Ausbauquote für die gesamte Bundesrepublik verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr um lediglich 0,72 Prozentpunkte.

Schnelle Tarife müssen nicht teurer sein als langsame
Ein schneller Internetanschluss wird in den nächsten Jahren immer wichtiger – schon allein wegen der Vielzahl KI-gestützter Anwendungen und der dafür nötigen immensen Datenmengen. Dabei ist ein leistungsfähiger Tarif oft nicht mal teurer als ein langsamer, sagt Schamberg: „Vielfach bekommen Kunden, die aus einem alten Internetvertrag herauswechseln, zum selben Preis heute die doppelte Surfgeschwindigkeit. Kleine Tarife werden kaum noch subventioniert – und damit auch im Hinblick auf die Kosten immer unattraktiver.“

Wichtig zu wissen: Beim stationären Internet gibt es meist große Preisunterschiede zwischen den ersten 24 Monaten Vertragslaufzeit und dem Zeitraum danach. Häufig erhöhen sich die monatlichen Kosten nach zwei Jahren um 30 oder 40 Prozent – zumeist wegen auslaufender Rabatte und Boni. Dauerhaft günstige Angebote sind die Ausnahme. Kunden müssen das nicht hinnehmen: Inzwischen sind Internetverträge nach der Mindestlaufzeit monatlich kündbar.

Glasfaser-Ausbau nun „im überragenden öffentlichen Interesse“
Im Juli 2025 ist eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes in Kraft getreten. Seitdem ist der Bau von Glasfaserleitungen und Mobilfunkmasten „im überragenden öffentlichen Interesse“. Damit soll zunächst bis Ende 2030 der dringend nötige Ausbau der digitalen Infrastruktur unter anderem Vorrang in Genehmigungsverfahren erhalten – unter besonderer Berücksichtigung bisher unversorgter Gebiete.

„Dass die Politik hier nachsteuert, ist mehr als überfällig. Ein stabiler, ausreichend schneller Internetzugang ist Voraussetzung für gesellschaftliche und berufliche Teilhabe“, sagt Schamberg. „Noch zu oft ist schnelles Internet eine Frage des Wohnortes, und das verstärkt die digitale Spaltung der Gesellschaft.“

Methodik
Basis der Erhebung zur Ausbauquote mit 50 Mbit/s ist der Breitbandatlas der Bundesnetzagentur, der im November 2025 aktualisiert wurde (mit Datenstand Juni 2025). Vergleichsbasis bildet die Erhebung aus dem Vorjahr (Stand Juni 2024). Betrachtet wurde die Verfügbarkeit im Bereich Festnetz in Privathaushalten. Die Erhebung erfolgte unabhängig von Technologien wie Kabel-Internet, DSL oder Glasfaser. In der Berechnung der betroffenen Verbraucher wurde ausgegangen von einer Gesamtzahl von 41,2 Mio. Haushalten und durchschnittlich zwei Personen pro Haushalt (Quelle: Statistisches Bundesamt für 2024).
Autor: red

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