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Meine Meinung:

Wir sind maßlos enttäuscht und ernüchtert

Donnerstag, 02. Juli 2026, 12:32 Uhr
„Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel. Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Nein, sind wir nicht! Wir sind maßlos enttäuscht und ernüchtert, meint nnz-Kolumnist Achit Tölle...

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Nein, wir sind nicht stolz... (Foto: Marlon Sommer auf Pixabay)

War das der vorherrschende Realitätsverlust unseres Kanzlers oder das übliche Schönreden drittklassiger Leistungen? Schon seit einigen Jahren werden wir unseren eigenen wirtschaftlichen, politischen und sportlichen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Unsere Wirtschaft befindet sich im Niedergang und viele Jobs drohen wegzubrechen.

Erst kürzlich hatten wir die der Wahl zum UN-Sicherheitsrat schmerzlich erfahren müssen, wie es international um unser aktuell politisches Ansehen in der Welt steht. Nun blieb uns zum 3. Mal in Folge der Einzug ins Achtelfinale verwehrt.

Bedauerlicherweise fällt nun das Sommermärchen aus, in dessen Euphorie, sich leicht einige unangenehme Reformen hätten durchsetzen lassen.

Die Mehrheit der Fans sah ein schwaches Spiel, in dem es unserer Nationalmannschaft nicht gelungen war, eine Entscheidung gegen Paraguay, den 41. der Weltrangliste, in der regulären Spielzeit herbeizuführen. So scheiterten wir letztlich im Elfmeterschießen. Wie auch in unserer Politik üblich, war nach dieser Niederlage niemand bereit, Verantwortung zu übernehmen und selbstkritisch zu hinterfragen. Es ist natürlich einfacher, die Schuld bei anderen Personen oder unglücklichen Umständen zu suchen.

Möglicherweise leben sowohl unsere politisch, als auch die sportlich Verantwortlichen in einer Parallelwelt.

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Leistung muss schon sein... (Foto: Pixabay)

Die Ursache des Niedergangs liegt meines Erachtens im seit einigen Jahren anhaltenden Abschied vom Leistungsgedanken. Da Leistung nicht mehr eingefordert wird, sinkt die Bereitschaft sich anzustrengen. Verantwortung wird erst recht nicht übernommen. Es fängt bereits bei den Bundesjugendspielen an, in denen nur noch dem Spaß gefrönt wird und hört in der Nationalmannschaft auf, in der nur noch der Teamgeist und die Aura beschworen werden.

Das Brechen von Wahlversprechen, das Schönreden von Misserfolgen, das Zurückweisen jeglicher Verantwortung und das Klammern am Posten sind die Kernkompetenzen, die heute zu zählen scheinen.

Wenn wir nicht wieder lernen, dass Anstrengung und harte Arbeit notwendig sind, um Erfolg oder Belohnung zu erlangen, wird sich dieser Abwärtstrend noch verstärken. Denn von der Spaßgesellschaft zur Dekadenz ist es nicht sehr weit.
Achit Tölle
Autor: psg

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