In unserer Reihe Menschen im Corona-Jahr wollen wir Ihnen hier bis zum Jahresende täglich Südharzerinnen und Südharzer aus den verschiedensten Lebens- und Arbeitsumständen vorstellen und nach ihrer rückblickenden Sicht auf dieses ganz spezielle Jahr 2020 befragen…
Anja Zickenrott, Krankenschwester in der Radiologie (Foto: privat)
Anja Zickenrott ist Krankenschwester im Heiligenstädter Krankenhaus. Hier arbeitet sie in der Radiologie. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie erlebte auch sie eine Achterbahn der Gefühle. Die Situation im ersten Lockdown hat dazu geführt, dass ich plötzlich mehr Zeit hatte. Ich konnte zu mir selbst finden, wir haben in Familie mehr Zeit miteinander verbracht. Und es wurde auch schnell klar, wer wirkliche Freunde sind und wer nicht.
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Sie bedauert es, wenn die Meinungen so unversöhnlich aufeinanderprallen, es nur schwarz oder weiß, gut oder böse gibt und alle Zwischentöne verloren gehen. Natürlich gefallen mir die Maßnahmen auch nicht und wenn ich zu Hause bin, dann ärgern mich all die Beschränkungen. Aber wenn ich jetzt auf meiner Arbeit sehe, wie Menschen an dem Virus leiden müssen, dann bin ich lieber heute als morgen für einen harten Lockdown.
Auch in Heiligenstadt sind übers Jahr vorsorglich Operationen verschoben worden und es gab Phasen, an denen kaum etwas zu tun war und keine Patienten kamen. Jetzt im zweiten Lockdown haben wir als Angestellte eine Mischung aus Existenzangst und Überbelastung. Viele Leute haben inzwischen Angst zum Arzt zu gehen und wir sehen andererseits wie sich die Stationen mit Corona-Patienten füllen. Da fühle ich oft Hilflosigkeit, sagt Anja Zickenrott und gibt zu, dass es ihr oft schwer fällt einzuschätzen, was gerade richtig und was falsch ist.
Im Vergleich zum Frühjahr sind die Therapiemethoden den gemachten Erfahrungen mit der Krankheit angepasst worden. Es kann heute besser abgeklärt werden, wer welche Behandlung benötigt. Der Umgang mit dem Virus hat sich verändert, berichtet die Krankenschwester. Unter den Mitarbeitern herrscht weniger Besorgnis als im Frühjahr, weil sich das Personal nun besser ausgerüstet fühlt und mit mehr Schutzmaßnahmen versehen ist. Viele Sachen, die im Frühjahr neu waren, sind inzwischen Routine. Auch Anja Zickenrott glaubt, dass wir noch länger mit dem Virus werden leben müssen. Doch die Krise hat auch angenehme Seiten. Im Team auf ihrer Station verspürt sie einen größeren Zusammenhalt unter den Kollegen als noch vor einem Jahr. Das funktioniert echt gut, es wird überall mehr Rücksicht genommen, die Krise hat uns zusammengeschweißt.
Sicherheitsgefühl durch entsprechende Schutzkleidung auf der Arbeit (Foto: privat)
Sie weiß um ihre gesellschaftliche Verantwortung und auch um die Gefahren, die eine Überlastung des Gesundheitssystems darstellen können. Doch die junge Frau bleibt optimistisch. Sie vertraut auf die Einsicht der Menschen und eine gesteigerte Rücksichtnahme untereinander. Die Anstandsregeln und die Maskenpflicht haben bisher wenigstens schon einen positiven Nebeneffekt aufgezeigt: wir haben viel weniger Grippekranke als in den letzten Jahren. Olaf Schulze
auch aufgrund von Grippekranken und -toten die gesamte Wirtschaft zerstört?
Ob sich das die Frau, die hier interviewt wurde, mal gefragt hat?
Und die Kollateralschäden, wer kümmert sich um die? Die, die keine OP bekommen haben, die, die keinen Facharzttermin bekommen haben, die, die generell keine Behandlung bekommen haben aufgrund einer PLandemie?
Ich erinnere daran daß auch Therapeuten und Psychologen nichts mehr behandeln. Freut man sich seitens der Verantwortlichen und der Mithelfer über jeden zusätzlichen Selbstmord?
Ich fürche, diejenigen Menschen, die in dieser Artikel-Serie "Menschen im Corona-Jahr" interviewt werden, haben auf diese Fragen keine Antworten, bzw. sie stellen sich diese Fragen gar nicht.
Ich würde vorschlagen, mal Menschen zu befragen, die eine kritische Sicht auf das Geschehen an den Tag legen.
… jedenfalls in existenzbedrohenden Situationen. Mancher wird sich vielleicht klammheimlich fragen, warum eine 101-jährige Frau aus einem Seniorenheim in Halberstadt mit als erste geimpft wurde. Jede (kapitalistische) Kosten-Nutzen-Überlegung würde dagegen sprechen, vor allem bei eventuell notwendiger Triage.
Wäre ich SELBST der/die Betroffene, würde ich mich im fortgeschrittenen Alter und alleinstehend vielleicht für eine Impfung mit Natrium-Pentobarbital entscheiden. Im noch partiell(!) katholischen Eichsfeld würde ich den – wahrscheinlich protestierenden – Arzt fragen, ob er nicht an ein Leben nach dem Tod glaube. Der würde vielleicht den Klinikgeistlichen zu mir schicken, der mich dann auf die Versündigung gegenüber meinem Schöpfer verweisen würde. Diesen (meinen Schöpfer) wiederum würde ich dann mit dem Doktor Frankenstein aus Mary Shelley's genialer Schöpfungsfiktion vergleichen, der mal so eben Gott nacheifern wollte.
Wie viel Semester Philosophie haben Mediziner belegt?
Ansonsten ist mir leider aufgefallen, dass es gerade unter – dem ansonsten sehr essenziellem!!! – Hilfspersonal sehr viele Impfskeptiker und sogar Maskenmuffel gibt. Die Meinung, dass wir noch länger mit dem Virus werden leben müssen, würde in der VR China wohl als Defätismus bestraft werden.
Die faz berichtet am 18.12. 2020 von einem Manifest europäischer Forscher in dem mehr als dreihundert europäische Wissenschaftler (u.a. die Göttinger Max-Planck-Forscherin Viola Priesemann) eine gemeinsame Strategie zur raschen und nachhaltigen Reduktion der Covid-19-Fallzahlen fordern.
Ansonsten auch von mir: Danke, Frau Zickenrott! Und viel Kraft und Mut gepaart mit der notwendigen Vorsicht im neuen Jahr!