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So, 08:49 Uhr
28.03.2021
Thüringer Wohnungswirtschaft fordert Wandel

Der ländliche Raum braucht Hilfe

Der Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft mahnt einen Paradigmenwechsel zur Entwicklung des ländlichen Raumes an. Angesichts eines Leerstands von über 10 Prozent und einem niedriegn Mietniveau sei ein dringender Paradigmenwechsel nötig...

Verbandsdirektor Frank Emrich betont: „Wir brauchen für Thüringen eine ganzheitliche Strategie mit ressortübergreifenden Handlungskonzepten auf Basis konkreter Zahlen, Daten und Fakten. Nur so lässt sich der aktuelle Teufelskreis durchbrechen und die Attraktivität ländlicher Gebiete sicherstellen.“

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Obschon die Corona-Krise den ländlichen Raum verstärkt als interessanten Wohnstandort in den Fokus gerückt hat – vor der Pandemie gestaltet sich die Lage in kleineren Städten und Gemeinden des Freistaates zunehmend dramatisch. Und alle Zeichen deuten auf Verschärfung der Situation. Tendenziell wächst vor allem der Leerstand katastrophal. Insgesamt standen Ende 2020 rund 23.200 Wohnungen bei den vtw- Mitgliedsunternehmen leer. In den drei Städten Erfurt, Jena und Weimar lag die Leerstandsquote bei 3,5 %, aber auf dem Land stieg sie im Jahr 2020 trotz zahlreicher Rückbauten auf 10,7 % (20.300 Wohneinheiten).

„Dieser Prozess wird sich in den nächsten Jahren unweigerlich fortsetzen“, warnt Frank Emrich. „Denn mehr als die Hälfte der leerstehenden Wohnungen wird nie wieder bewohnt werden.“ Im ländlichen Raum sind derzeit gut 2.600 Wohnungen unmittelbar für den Abriss vorgesehen (13 % des Leerstandes). Für weitere gut 8.000 Wohnungen (40,3 % des Leerstandes) gibt es in absehbarer Zeit keine Nachfrage mehr.

Um das ganze Dilemma deutlich zu machen, genügt ein Blick auf die Mieten. Die durchschnittliche Miete im Bestand der vtw-Unternehmen im ländlichen Raum betrug 2019 lediglich 4,87 Euro je Quadratmeter (Jena-Weimar-Erfurt gesamt bei 5,54 Euro, Thüringen gesamt bei 5,08 Euro). Selbst die Neuvertragsmieten liegen zu 87 Prozent unter 6,00 Euro je Quadratmeter (Jena-Weimar-Erfurt gesamt bei 55 Prozent, Thüringen gesamt bei 76 Prozent).

Verbandsdirektor Frank Emrich: „Mit diesen geringen Mieteinnahmen lässt sich gerade einmal die notwendige Grunderhaltung der Wohnung sicherstellen. Übertrieben gesagt: Das Dach wird geflickt, die Wohnung bleibt trocken. Keinesfalls kann davon aber die Wohnung im erforderlichen Maße instandgehalten oder gar modernisiert werden.“ So setzt sich ein Teufelskreis in Gang: Weitere Abwanderung – zu niedrige Mieten durch geringe Nachfrage – zu wenig Mittel für attraktive Wohnungen – noch geringere Nachfrage.

Der bevorstehende zweite Sanierungszyklus, politisch gewünschte energetische Maßnahmen, berechtigte Qualitätsansprüche der Mieter, stetig steigende Baukosten und vorhandene Bestandskredite aus den 1990er Jahren bereiten den Verantwortlichen der Wohnungsunternehmen im ländlichen Raum zusätzlich große Sorgen. Damit sie Investitionen zukunftssicher gestalten können, sind sie daher auf strukturelle Hilfe angewiesen. Über die Förderung des Jahres 2020 hinaus ist nach Berechnungen des vtw ein zusätzlicher Baukostenzuschuss zwischen 310 und 510 Euro je Quadratmeter nötig.

„Doch das Wohnen allein zu fördern reicht nicht“, so vtw-Direktor Frank Emrich. „Der ländliche Raum muss in seiner Gesamtheit attraktiver werden. Es müssen Entwicklungsimpulse gesetzt statt Abwanderungsgründe geschaffen werden.“ Konkret fordert der Verband vor allem eine Stärkung der öffentlichen Infrastruktur als dem zentralen Ermöglicher. Das betrifft neben Verkehr und ÖPNV auch Bildung, Handel, Medizin und Telekommunikation. Die Dringlichkeit und Komplexität der Aufgabe erfordern ein koordiniertes Vorgehen, die Integration einer Vielzahl von Akteuren mit unterschiedlichen Interessen sowie die Veränderung von Strukturen und Handlungsmustern.

„Die Menschen vor Ort brauchen Kompetenzen, Budgets und das Gefühl ernst genommen zu werden.“, so Frank Emrich abschließend. Die Thüringer Wohnungswirtschaft steht als Impulsgeber und Partner bereit und fordert alle Protagonisten zum gemeinsamen Tun auf – es ist an der Zeit!
Autor: red

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Kommentare
bastu
28.03.2021, 11:56 Uhr
Leben auf dem Land ist cool
Dieser Artikel hat meine völlige Zustimmung.
In unserem ländlichen Anwesen gab es zu DDR-Zeiten eine Mietwohnung. 25,- Mark Mieteinnahmen. Die Ansprüche waren bescheiden. Die Fenster einfach verglast, Trockenklo auf dem Hof. 1 Ofen. Diese Wohnverhältnisse habe ich in den siebziger Jahren auch in Leipzig vorgefunden.
Die Ansprüche sind heute anders, er widerspiegelt sich im Mietpreis.
Als Immobilienbesitzer oder auch als künftiger Bauherr kann man dieser Entwicklung nur mit verstärkter eigener Kraft und Fleiß etwas entgegensetzen. Oder ich habe sehr bescheidene Ansprüche. Heute eine Mietwohnung auf dem Land anzubieten, macht nur dann einen Sinn, wenn ich für ein bestimmtes Klientel baue. Dann aber wird auch der Mietpreis entsprechend sein, billig bestimmt nicht.
Junge neue Leute auf dem Land, ja . Es sollten Macher sein. Ärmel hoch und los. Bauherren eben.
Ein Argument gegen Wohnen auf dem Land kann ich nur schwer etwas entgegensetzen.
Wenn der Schulbus morgens ca. 1,5 Std. vor Schulbeginn fährt und nachmittags der Schüler bis zu 2 Std. benötigt, um wieder zu Hause zu sein.
Leser X
28.03.2021, 20:01 Uhr
In der Stadt aber auch...
... da hat man alles was man braucht in der Nähe und damit schon mal ein gewisses Maaß an Lebensqualität. Wie sieht denn dagegen die Realität auf dem Dorf aus? Kein Laden, kein Arzt, keine Kneipe. Nur noch eine Kirche und ein Feuerwehrhäuschen. Zum Leben nicht grad viel und bei so viel Ödnis kein Wunder, dass die Leute reißaus nehmen.
Kobold2
29.03.2021, 16:26 Uhr
Die Entwicklung
passt sich in vielen Städten schon länger dem Dorf an.
Läden schließen, durch vermehrtes Onlineshopping ( man kennt scheinbar nur noch ein Kaufhaus), oder durch Einkaufstourismus in andere Regionen und fette Tempel auf der grünen Wiese. Metzger und Bäcker schließen mangels Nachfolger. Ebenso Arztpraxen Restaurants, und Kneipen.
Vereine überaltern, weil die Jugend vor der Ödnis flüchtet.
Aber die Feuerwehren sollen bekanntlich die besten Feste feiern.....
Wird wohl nicht mehr lange so bleiben, weil man sich, bzw. sein Umfeld selbst abschafft.
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