Do, 16:54 Uhr
23.04.2026
Polizeiliche Kriminalstatistik 2025
Weniger Straftaten, mehr Drogentote
Die Kriminalstatistik für Nordthüringen zeigt für 2025 einen Rückgang der Straftaten. Doch neben den positiven Zahlen gibt es auch eine negative Entwicklung bei Drogentoten und Sexualdelikten...
Kripo-Chef Detlef Grabs und Polizeidirektor Matthias Bollenbach während der Pressekonferenz. (Foto: ssc)
Kein einziger Mord, weniger Diebstähle und weniger Körperverletzungen: Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 für den Zuständigkeitsbereich der Landespolizeiinspektion Nordhausen zeichnet auf den ersten Blick ein positives Bild. Die Zahl der registrierten Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Damit bestätigt sich erneut, dass Nordthüringen zu den sichersten Regionen im Freistaat zählt, sagte der leitende Polizeidirektor Matthias Bollenbach am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz.
Im vergangenen Jahr wurden in Nordthüringen insgesamt 21.254 Straftaten registriert. Das sind 1.817 Fälle weniger als 2024 und entspricht einem Rückgang von 7,9 Prozent. Auch die sogenannte Häufigkeitszahl, also die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, sank deutlich von 6.532 auf 6.058.
Die Aufklärungsquote liegt mit 63,0 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau und über dem Thüringer Landesdurchschnitt von 61,2 Prozent. Insgesamt konnten 13.388 Straftaten aufgeklärt werden.
Weniger Diebstähle und Sachbeschädigungen
In mehreren wesentlichen Deliktsbereichen verzeichnete die Polizei rückläufige Zahlen. So sank die Zahl der Diebstahlsdelikte um 12,1 Prozent auf 5.033 Fälle. Die Zahl der Sachbeschädigungen verringerte sich um 7,3 Prozent auf 2.128 Fälle, die Brandstiftungen gingen sogar um 30,5 Prozent auf 116 Fälle zurück.
Drogenkriminalität bleibt auf hohem Niveau
Auch bei den Rauschgiftdelikten registrierte die Polizei einen deutlichen Rückgang um 36 Prozent auf 1.154 Fälle. Dieser Rückgang ist jedoch nur bedingt Ausdruck einer tatsächlichen Entspannung. Eine Rolle spielt die Teillegalisierung von Cannabis seit April 2024. Mit den gesetzlichen Änderungen wurden Grenzwerte angepasst und Verstöße teilweise neu bewertet. Zudem geht die Polizei weiterhin von einem hohen Dunkelfeld aus.
Denn die Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rauschgiftkriminalität in Nordthüringen weiterhin ein großes Problem darstellt. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 18 Drogentote und das sind deutlich mehr als im Vorjahr mit zehn Fällen. Dabei handelt es sich nicht nur um Todesfälle durch Überdosierungen, den sogenannten Goldenen Schuss, sondern um alle Todesfälle im Zusammenhang mit missbräuchlichem Drogenkonsum, etwa auch Unfälle oder Suizide unter Drogeneinfluss.
Rauschgift wird in Nordthüringen in allen Formen konsumiert und ist nahezu überall verfügbar, sagte Detlef Grabs, Leiter der Kriminalpolizei Nordhausen. Drogensucht und die damit verbundene Beschaffungskriminalität seien längst kein reines Großstadtproblem mehr. Werden Dealer festgenommen, entstünden schnell neue Strukturen. Auch professionell organisierte Plantagen oder überregional agierende Tätergruppierungen beschäftigten die Ermittler. Große Drogenplantagen wurden in Nordhausen, dem Eichfeld und in Sondershausen ausgehoben. Neben der Betrugskriminalität gehöre die Drogenkriminalität zu den personal- und zeitintensivsten Ermittlungsfeldern.
Mehr Sexualdelikte und Cybercrime
Gleichzeitig zeigt die Statistik auch Herausforderungen in anderen Bereichen. Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stieg auf 677 Fälle und damit um 9,4 Prozent. Insbesondere die Verbreitung pornografischer Inhalte nahm deutlich zu. Mit 425 registrierten Fällen wurde hier ein Anstieg von 21,8 Prozent verzeichnet. Die Landespolizeiinspektion Nordhausen weist in diesem Deliktsbereich landesweit das höchste Fallaufkommen auf.
Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Cyberkriminalität. Die Zahl der registrierten Fälle stieg von 471 auf 571 und damit um 21,2 Prozent. Vor allem im Bereich des Computerbetrugs wurden deutliche Zuwächse festgestellt.
Telefontrickbetrug verursacht hohe Schäden
Auch Telefontrickbetrug bleibt ein bedeutendes Deliktfeld. Darunter fallen Betrugsmaschen, bei denen Täter telefonisch Kontakt zu ihren Opfern aufnehmen oder manipulierte Telefonnummern nutzen, um Vertrauen zu erschleichen. Im Berichtszeitraum bearbeitete die Polizei 583 Ermittlungsverfahren in diesem Bereich. Das sind zwar weniger als im Vorjahr (631 Fälle), dennoch bleibt der entstandene Schaden erheblich.
Trotz intensiver Präventions- und Pressearbeit entwickeln Täter immer neue Methoden, etwa als falsche Polizeibeamte, beim Enkeltrick oder durch sogenannte Schockanrufe. Der höchste bekannte Vermögensschaden im Bereich der LPI Nordhausen entstand im November 2025: Eine 85-jährige Frau aus dem Landkreis Nordhausen übergab nach einem Schockanruf 59.000 Euro Bargeld an einen unbekannten Täter.
Gewaltkriminalität rückläufig
Im Bereich der Gewaltkriminalität wurden 711 Fälle registriert. Dies entspricht einem Rückgang um 7,9 Prozent. Den größten Anteil daran haben weiterhin gefährliche und schwere Körperverletzungen.
Nichtdeutsche Tatverdächtige
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 8.574 Tatverdächtige ermittelt. Davon waren rund 74,9 Prozent männlich. 1.505 Tatverdächtige besaßen keine deutsche Staatsangehörigkeit. Das entspricht einem Anteil von 17,6 Prozent und liegt leicht unter dem Vorjahreswert von 18,2 Prozent.
Besonders hoch war der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in einzelnen Deliktsfeldern: bei Diebstahlsdelikten lag er bei 25,8 Prozent (367 Tatverdächtige), bei Rohheitsdelikten bei 17,3 Prozent (532 Tatverdächtige) und bei Körperverletzungsdelikten bei 18,6 Prozent (387 Tatverdächtige).
Regionale Unterschiede
Innerhalb der regionalen Zuständigkeitsbereiche verzeichneten alle Polizeiinspektionen sinkende Fallzahlen. Den höchsten Anteil am Gesamtstraftatenaufkommen hatte erneut die Polizeiinspektion Unstrut-Hainich mit 5.070 Fällen, gefolgt von der Polizeiinspektion Nordhausen mit 4.183 Fällen und der PI Kyffhäuser mit 4.179 Fällen. Die wenigsten Straftaten verzeichnete mit 3.794 Fällen das Eichsfeld. Die höchste Aufklärungsquote erreichte die PI Kyffhäuser mit 67,0 Prozent.
Susanne Schedwill
Autor: ssc
Kripo-Chef Detlef Grabs und Polizeidirektor Matthias Bollenbach während der Pressekonferenz. (Foto: ssc)
Im vergangenen Jahr wurden in Nordthüringen insgesamt 21.254 Straftaten registriert. Das sind 1.817 Fälle weniger als 2024 und entspricht einem Rückgang von 7,9 Prozent. Auch die sogenannte Häufigkeitszahl, also die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, sank deutlich von 6.532 auf 6.058.
Die Aufklärungsquote liegt mit 63,0 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau und über dem Thüringer Landesdurchschnitt von 61,2 Prozent. Insgesamt konnten 13.388 Straftaten aufgeklärt werden.
Weniger Diebstähle und Sachbeschädigungen
In mehreren wesentlichen Deliktsbereichen verzeichnete die Polizei rückläufige Zahlen. So sank die Zahl der Diebstahlsdelikte um 12,1 Prozent auf 5.033 Fälle. Die Zahl der Sachbeschädigungen verringerte sich um 7,3 Prozent auf 2.128 Fälle, die Brandstiftungen gingen sogar um 30,5 Prozent auf 116 Fälle zurück.
Drogenkriminalität bleibt auf hohem Niveau
Auch bei den Rauschgiftdelikten registrierte die Polizei einen deutlichen Rückgang um 36 Prozent auf 1.154 Fälle. Dieser Rückgang ist jedoch nur bedingt Ausdruck einer tatsächlichen Entspannung. Eine Rolle spielt die Teillegalisierung von Cannabis seit April 2024. Mit den gesetzlichen Änderungen wurden Grenzwerte angepasst und Verstöße teilweise neu bewertet. Zudem geht die Polizei weiterhin von einem hohen Dunkelfeld aus.
Denn die Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rauschgiftkriminalität in Nordthüringen weiterhin ein großes Problem darstellt. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 18 Drogentote und das sind deutlich mehr als im Vorjahr mit zehn Fällen. Dabei handelt es sich nicht nur um Todesfälle durch Überdosierungen, den sogenannten Goldenen Schuss, sondern um alle Todesfälle im Zusammenhang mit missbräuchlichem Drogenkonsum, etwa auch Unfälle oder Suizide unter Drogeneinfluss.
Rauschgift wird in Nordthüringen in allen Formen konsumiert und ist nahezu überall verfügbar, sagte Detlef Grabs, Leiter der Kriminalpolizei Nordhausen. Drogensucht und die damit verbundene Beschaffungskriminalität seien längst kein reines Großstadtproblem mehr. Werden Dealer festgenommen, entstünden schnell neue Strukturen. Auch professionell organisierte Plantagen oder überregional agierende Tätergruppierungen beschäftigten die Ermittler. Große Drogenplantagen wurden in Nordhausen, dem Eichfeld und in Sondershausen ausgehoben. Neben der Betrugskriminalität gehöre die Drogenkriminalität zu den personal- und zeitintensivsten Ermittlungsfeldern.
Mehr Sexualdelikte und Cybercrime
Gleichzeitig zeigt die Statistik auch Herausforderungen in anderen Bereichen. Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stieg auf 677 Fälle und damit um 9,4 Prozent. Insbesondere die Verbreitung pornografischer Inhalte nahm deutlich zu. Mit 425 registrierten Fällen wurde hier ein Anstieg von 21,8 Prozent verzeichnet. Die Landespolizeiinspektion Nordhausen weist in diesem Deliktsbereich landesweit das höchste Fallaufkommen auf.
Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Cyberkriminalität. Die Zahl der registrierten Fälle stieg von 471 auf 571 und damit um 21,2 Prozent. Vor allem im Bereich des Computerbetrugs wurden deutliche Zuwächse festgestellt.
Telefontrickbetrug verursacht hohe Schäden
Auch Telefontrickbetrug bleibt ein bedeutendes Deliktfeld. Darunter fallen Betrugsmaschen, bei denen Täter telefonisch Kontakt zu ihren Opfern aufnehmen oder manipulierte Telefonnummern nutzen, um Vertrauen zu erschleichen. Im Berichtszeitraum bearbeitete die Polizei 583 Ermittlungsverfahren in diesem Bereich. Das sind zwar weniger als im Vorjahr (631 Fälle), dennoch bleibt der entstandene Schaden erheblich.
Trotz intensiver Präventions- und Pressearbeit entwickeln Täter immer neue Methoden, etwa als falsche Polizeibeamte, beim Enkeltrick oder durch sogenannte Schockanrufe. Der höchste bekannte Vermögensschaden im Bereich der LPI Nordhausen entstand im November 2025: Eine 85-jährige Frau aus dem Landkreis Nordhausen übergab nach einem Schockanruf 59.000 Euro Bargeld an einen unbekannten Täter.
Gewaltkriminalität rückläufig
Im Bereich der Gewaltkriminalität wurden 711 Fälle registriert. Dies entspricht einem Rückgang um 7,9 Prozent. Den größten Anteil daran haben weiterhin gefährliche und schwere Körperverletzungen.
Nichtdeutsche Tatverdächtige
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 8.574 Tatverdächtige ermittelt. Davon waren rund 74,9 Prozent männlich. 1.505 Tatverdächtige besaßen keine deutsche Staatsangehörigkeit. Das entspricht einem Anteil von 17,6 Prozent und liegt leicht unter dem Vorjahreswert von 18,2 Prozent.
Besonders hoch war der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in einzelnen Deliktsfeldern: bei Diebstahlsdelikten lag er bei 25,8 Prozent (367 Tatverdächtige), bei Rohheitsdelikten bei 17,3 Prozent (532 Tatverdächtige) und bei Körperverletzungsdelikten bei 18,6 Prozent (387 Tatverdächtige).
Regionale Unterschiede
Innerhalb der regionalen Zuständigkeitsbereiche verzeichneten alle Polizeiinspektionen sinkende Fallzahlen. Den höchsten Anteil am Gesamtstraftatenaufkommen hatte erneut die Polizeiinspektion Unstrut-Hainich mit 5.070 Fällen, gefolgt von der Polizeiinspektion Nordhausen mit 4.183 Fällen und der PI Kyffhäuser mit 4.179 Fällen. Die wenigsten Straftaten verzeichnete mit 3.794 Fällen das Eichsfeld. Die höchste Aufklärungsquote erreichte die PI Kyffhäuser mit 67,0 Prozent.
Susanne Schedwill
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