Mo, 19:34 Uhr
22.10.2012
Lesung im Kunsthof
Frieder W. Bergner "Jazz unter Ulbricht und Honecker" - mein musikalisches Leben in der DDR- eine Lesung mit Musik im Kunsthof Friedrichsrode
Der "Chef" stand hinter dem Harmonium und schlug mit seinem Dirigentenstöckchen auf einen Notenstapel. "Was ist eine Tonleiter?" Klatsch! Vor dem nächsten Klatsch musste einer von uns antworten "Eine Tonleiter ist eine Aneinanderreihung von Tönen, die stufenweise aufwärts schreiten. Der erste und der achte Ton sind gleich." Nur wenn diese Definition wörtlich und in einem Atem heruntergerasselt wurde, war die Frage zufrieden stellend beantwortet. Noch heute, ein halbes Jahrhundert später habe ich die meisten dieser musikalischen "Kernsätze" jederzeit abrufbar im Gedächtnis.
"Wo sind wir denn hier hineingeraten? Spielen wir als Vorband zu den Rolling Stones oder was?" Wir standen - 20 klitzekleine Menschlein - in einer riesigen Sporthalle irgendwo in einer der nicht endenden Vorstädte von Leningrad und konnten es kaum fassen. 15 000 Zuschauer passten hier hinein. Die Halle war so riesig, dass man Wolken von Großstadtsmog im Scheinwerferlicht unter der Decke wabern sah.
Ogromny, dieses russische Wort für gigantisch, gewaltig, sollte in den nächsten Wochen für uns das Unwort der Tournee werden.
Die musikalische Vita des Posaunensolisten und Komponisten Frieder W. Bergner begann in der Kirche, in einem Thüringer Knabenchor. Nun ist er seit über 30 Jahren in der ostdeutschen Jazzszene aktiv. Ob im Duo mit der Sängerin Silke Gonska, als Big Band Chef der Weimarer Musikhochschule oder als Initiator und Leiter innovativer Jazzprojekte mit seiner Contemporary Jazz Band oder mit dem Ensemble Creativ, er sucht in vielen seiner Unternehmungen die Verbindung zwischen zeitgenössischem Jazz, Literatur und anderen Kunstformen.
In den 1970er und 80er Jahren war Bergner auch als Studiomusiker bei Rundfunk und Fernsehen der DDR beschäftigt. In diesem Job arbeitete er als Begleitmusiker für Freddy Quinn, Peggy March, Katja Ebstein, Roy Black, Costa Cordalis und viele andere Stars und Sternchen aus dem westlichen Popgeschäft, die in ostdeutschen Medien auftraten.
Nun hat sich Bergner an den Schreibtisch gesetzt. Nicht um zu komponieren, sondern um seine musikalische Biografie bis zur deutschen Wiedervereinigung aufzuzeichnen. Dabei schreibt er nicht nur über Jazz in der DDR. Er berichtet auch über Erziehung, Bildung und Kunst diesseits und jenseits der offiziellen Kulturpolitik im 1. deutschen Arbeiter- und Bauernstaat.
In einer konzertanten Lesung stellt er einige Kapitel aus seiner noch unveröffentlichten autobiografischen Erzählung "Jazz unter Ulbricht und Honecker - mein musikalisches Leben in der DDR" vor. Zwischen den gelesenen Passagen greift er zur Posaune und spielt und singt Musik von seiner neuesten Solo-CD "Kein schöner Land - deutsches lied gut"
Mittwoch, 24.10.2012 20:00 Uhr Kunsthof Friedrichsrode
www.friederwbergner.de
Autor: khhDer "Chef" stand hinter dem Harmonium und schlug mit seinem Dirigentenstöckchen auf einen Notenstapel. "Was ist eine Tonleiter?" Klatsch! Vor dem nächsten Klatsch musste einer von uns antworten "Eine Tonleiter ist eine Aneinanderreihung von Tönen, die stufenweise aufwärts schreiten. Der erste und der achte Ton sind gleich." Nur wenn diese Definition wörtlich und in einem Atem heruntergerasselt wurde, war die Frage zufrieden stellend beantwortet. Noch heute, ein halbes Jahrhundert später habe ich die meisten dieser musikalischen "Kernsätze" jederzeit abrufbar im Gedächtnis.
"Wo sind wir denn hier hineingeraten? Spielen wir als Vorband zu den Rolling Stones oder was?" Wir standen - 20 klitzekleine Menschlein - in einer riesigen Sporthalle irgendwo in einer der nicht endenden Vorstädte von Leningrad und konnten es kaum fassen. 15 000 Zuschauer passten hier hinein. Die Halle war so riesig, dass man Wolken von Großstadtsmog im Scheinwerferlicht unter der Decke wabern sah.
Ogromny, dieses russische Wort für gigantisch, gewaltig, sollte in den nächsten Wochen für uns das Unwort der Tournee werden.
Die musikalische Vita des Posaunensolisten und Komponisten Frieder W. Bergner begann in der Kirche, in einem Thüringer Knabenchor. Nun ist er seit über 30 Jahren in der ostdeutschen Jazzszene aktiv. Ob im Duo mit der Sängerin Silke Gonska, als Big Band Chef der Weimarer Musikhochschule oder als Initiator und Leiter innovativer Jazzprojekte mit seiner Contemporary Jazz Band oder mit dem Ensemble Creativ, er sucht in vielen seiner Unternehmungen die Verbindung zwischen zeitgenössischem Jazz, Literatur und anderen Kunstformen.
In den 1970er und 80er Jahren war Bergner auch als Studiomusiker bei Rundfunk und Fernsehen der DDR beschäftigt. In diesem Job arbeitete er als Begleitmusiker für Freddy Quinn, Peggy March, Katja Ebstein, Roy Black, Costa Cordalis und viele andere Stars und Sternchen aus dem westlichen Popgeschäft, die in ostdeutschen Medien auftraten.
Nun hat sich Bergner an den Schreibtisch gesetzt. Nicht um zu komponieren, sondern um seine musikalische Biografie bis zur deutschen Wiedervereinigung aufzuzeichnen. Dabei schreibt er nicht nur über Jazz in der DDR. Er berichtet auch über Erziehung, Bildung und Kunst diesseits und jenseits der offiziellen Kulturpolitik im 1. deutschen Arbeiter- und Bauernstaat.
In einer konzertanten Lesung stellt er einige Kapitel aus seiner noch unveröffentlichten autobiografischen Erzählung "Jazz unter Ulbricht und Honecker - mein musikalisches Leben in der DDR" vor. Zwischen den gelesenen Passagen greift er zur Posaune und spielt und singt Musik von seiner neuesten Solo-CD "Kein schöner Land - deutsches lied gut"
Mittwoch, 24.10.2012 20:00 Uhr Kunsthof Friedrichsrode
www.friederwbergner.de
