Mo, 18:21 Uhr
16.01.2017
Kulturszene aktuell
Pascal Gamboni & Rees Coray im Konzert
Am vergangenen Freitagabend gab es im Panorama Museum Bad Frankenhausen ein Konzert mit den Schweizer Künstlern. Dazu eine Rezension von Fred Böhme...
Sturmtief Egon hatte am vergangenen Freitagabend (13.1.) sicher im Thüringer Wald zu einigem Unbill auf den Straßen geführt gehabt, am Vormittag auch zu etwas Schneetreiben auf dem Bad Frankenhäuser Schlachtberg, doch schon am Nachmittag klärte es sich auf und der Schnee war vor dem Panorama Museum wieder gänzlich verschwunden.
Foto: Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum
Doch die Warnungen der Meteorologen fielen zum Leidwesen des Freitagabendkonzertes auf fruchtbaren Boden, denn zum Konzert des Schweizer Duos PASCAL GAMBONI & REES CORAY wagten sich gerade einmal 50 Besucher. Die erlebten jedoch zwei temperamentvoll aufspielende Musiker, die mit Engagement und Musizierlust sich durch das Repertoire ihrer beiden CD-Erscheinungen Veta Gloriosa und La Ventira durchackerten und das anwesende Publikum verstand wie ich meistenteils – was die Texte betraf – absolut nichts.
Die beiden Graubündener singen viele ihrer Lieder auf Rätoromanisch, was auch nur eine Art terminologischer Rahmen für fünf Idiome ist, also sehr unterschiedliche Dorfdialekte mit einer gemeinsamen Wurzel zwar, die drei Dörfer weiter schon niemand mehr versteht. Pascal winkt dabei ab und betont, es seien ohnehin nur collagenhafte Schnipsel und Wortspielereien und das Eigentliche sei doch die Musik.
Die kam mit einem erstaunlich melodiösem Popfaktor daher, war im bestem Sinne eingängig und zwang zum Mitwippen vieler Füße. Nur was stand hinter diesen so direkt und forsch vorgetragenen Stücken? Ich vermute jede Menge Ironie und Witz, doch ist das nur eine sehr vage Vermutung. Pascal übernahm den Hauptteil des Gesangs und das zumeist perkussive Begleitspiel auf der akustischen Gitarre, Rees stimmte oft als Zweitstimme mit ein, zupfte den Kontrabass, seltener traktierte er diesen mit dem Bogen. Bei einigen Stücken setzten sie auch Geräusche-Samples ein, denn Pascal ist, seitdem er so einen kleinen mobilen Audiorecorder besitzt, zum Geräuschejäger geworden.
Und so war bei einem Stück Vogelgezwitscher, dann wieder im Song Meine Seele eine Frauenstimme zu hören gewesen, die dauernd sagte: Ich möchte meine Seele auf dich legen oder eine andere Frau trug im heimischen Dorfdialekt ein vorproduziertes skurriles Kurzgedicht vor. Musikalisch sind ihre Stücke mit so wunderbaren Titeln wie Spargnus Amurus, Punk Tradiziunal oder Non mi ama piú eingängiger Folkpop, dessen Wurzeln sehr international sind, oft englisch, dann aber wieder im Walzerrhythmus auch heimische Traditionen aufgreifen, sich wie beim Intro des erstgenannten der drei Songs auch nicht vor Schrägheiten fürchten, mal an die Norweger von Kaizers Orchestra mit ihrem Satzgesang erinnern oder mit Hip-Hop-Sprecheinlagen den Gesang der Stücke aufbrechen.
Musikalisch passiert also recht viel in ihren Liedern, auch wenn diese eher auf simplen Akkordfolgen basieren und haben sie aber etwas ganz entscheidendes, sie haben prägnante, eingängige Melodien, die sich in die Gehörgänge reinfressen und als Ohrwurm darin stecken bleiben.
Schon nach ein, zweimal Anhören der Stücke möchte man mitsingen, stolpert dann aber etwas über diese ungewohnte Sprache und das allein schon machte Spaß… Für mich waren diese beiden Musiker eine wirkliche Entdeckung. Übrigens freuten sie sich darüber, dass sie im Panorama Museum ein so aufmerksames Publikum erleben durften und hier nicht gegen den Lärm eines Kneipenbetriebs ansingen mussten wie bei ihrer vorherigen Station. Erst nach einem Zugabenblock von drei Stücken durften sie erst ihren Auftritt beenden.
Fred Böhme
Panorama Museum
Autor: khhSturmtief Egon hatte am vergangenen Freitagabend (13.1.) sicher im Thüringer Wald zu einigem Unbill auf den Straßen geführt gehabt, am Vormittag auch zu etwas Schneetreiben auf dem Bad Frankenhäuser Schlachtberg, doch schon am Nachmittag klärte es sich auf und der Schnee war vor dem Panorama Museum wieder gänzlich verschwunden.
Foto: Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum
Doch die Warnungen der Meteorologen fielen zum Leidwesen des Freitagabendkonzertes auf fruchtbaren Boden, denn zum Konzert des Schweizer Duos PASCAL GAMBONI & REES CORAY wagten sich gerade einmal 50 Besucher. Die erlebten jedoch zwei temperamentvoll aufspielende Musiker, die mit Engagement und Musizierlust sich durch das Repertoire ihrer beiden CD-Erscheinungen Veta Gloriosa und La Ventira durchackerten und das anwesende Publikum verstand wie ich meistenteils – was die Texte betraf – absolut nichts.
Die beiden Graubündener singen viele ihrer Lieder auf Rätoromanisch, was auch nur eine Art terminologischer Rahmen für fünf Idiome ist, also sehr unterschiedliche Dorfdialekte mit einer gemeinsamen Wurzel zwar, die drei Dörfer weiter schon niemand mehr versteht. Pascal winkt dabei ab und betont, es seien ohnehin nur collagenhafte Schnipsel und Wortspielereien und das Eigentliche sei doch die Musik.
Die kam mit einem erstaunlich melodiösem Popfaktor daher, war im bestem Sinne eingängig und zwang zum Mitwippen vieler Füße. Nur was stand hinter diesen so direkt und forsch vorgetragenen Stücken? Ich vermute jede Menge Ironie und Witz, doch ist das nur eine sehr vage Vermutung. Pascal übernahm den Hauptteil des Gesangs und das zumeist perkussive Begleitspiel auf der akustischen Gitarre, Rees stimmte oft als Zweitstimme mit ein, zupfte den Kontrabass, seltener traktierte er diesen mit dem Bogen. Bei einigen Stücken setzten sie auch Geräusche-Samples ein, denn Pascal ist, seitdem er so einen kleinen mobilen Audiorecorder besitzt, zum Geräuschejäger geworden.
Und so war bei einem Stück Vogelgezwitscher, dann wieder im Song Meine Seele eine Frauenstimme zu hören gewesen, die dauernd sagte: Ich möchte meine Seele auf dich legen oder eine andere Frau trug im heimischen Dorfdialekt ein vorproduziertes skurriles Kurzgedicht vor. Musikalisch sind ihre Stücke mit so wunderbaren Titeln wie Spargnus Amurus, Punk Tradiziunal oder Non mi ama piú eingängiger Folkpop, dessen Wurzeln sehr international sind, oft englisch, dann aber wieder im Walzerrhythmus auch heimische Traditionen aufgreifen, sich wie beim Intro des erstgenannten der drei Songs auch nicht vor Schrägheiten fürchten, mal an die Norweger von Kaizers Orchestra mit ihrem Satzgesang erinnern oder mit Hip-Hop-Sprecheinlagen den Gesang der Stücke aufbrechen.
Musikalisch passiert also recht viel in ihren Liedern, auch wenn diese eher auf simplen Akkordfolgen basieren und haben sie aber etwas ganz entscheidendes, sie haben prägnante, eingängige Melodien, die sich in die Gehörgänge reinfressen und als Ohrwurm darin stecken bleiben.
Schon nach ein, zweimal Anhören der Stücke möchte man mitsingen, stolpert dann aber etwas über diese ungewohnte Sprache und das allein schon machte Spaß… Für mich waren diese beiden Musiker eine wirkliche Entdeckung. Übrigens freuten sie sich darüber, dass sie im Panorama Museum ein so aufmerksames Publikum erleben durften und hier nicht gegen den Lärm eines Kneipenbetriebs ansingen mussten wie bei ihrer vorherigen Station. Erst nach einem Zugabenblock von drei Stücken durften sie erst ihren Auftritt beenden.
Fred Böhme
Panorama Museum
