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So, 14:11 Uhr
09.04.2017
Die großen Tage einer kleinen Residenz

Wie Sondershausen "Musikstadt“ wurde

Bezugnehmend auf den gestrigen Leserbrief "Sondershausen setzt auf Musik - Visionen oder Realität" Sandte uns die Leserin den kompletten Artikel "Die großen Tage einer kleinen Residenz", wie Sondershausen "Musikstadt“ wurde, zu. Ein interessanter Blick in die Musikgeschichte...

Die Musikgeschichte der Stadt Sondershausen ist durch die Grafen und Fürsten von
Schwarzburg-Sondershausen begründet worden. Besonders bekannt wurde die Stadt durch die öffentlich, kostenlosen Konzerte im Loh unter dem Fürsten Günther Friedrich Karl II. Schwarzburg-Sondershausen. Die Konzerte begannen zu Pfingsten jeden Jahres und endeten am 24. September dem Geburtstag des Fürsten, mit dem letzten „Loh“. (so nannte man das letzte Loh-Konzert im Jahr)
Blättern wir in der Musikgeschichte unserer Stadt, so erfahren wir durch die Aufzeichnungen des Musikdirektors Alexander Kellner, wie Sondershausen zu diesem Titel kam.

„Am 3. August 1856 fand bei heiterstem Sommerwetter in Gegenwart von Franz Liszt und seinem musikbeflissenem Anhang unter Eduard Steins (1852 - 1864 Hofkapellmeister) Stabführung ein Lohkonzert mit hervorragendem Programm statt.
Durch dieses markante Konzert und das kurz darauf folgende Referat über das selbe aus der Feder des damals gefürchteten Kritikers Hans von Bülow in der, ,Neuen Zeitschrift für Musik“ (diese wurde einst von Robert Schumann ins Leben gerufen) begründeten den Ruf Sondershausens als Musikstadt. Hans von Bülow bezeichnete, ,den hier erlebten Festtag als ein wahres Musikfest“. Das Programm enthielt u.a. zwei sinfonische Dichtungen von Franz Liszt: Les Preludes und Mazeppa.

Über die Vorführung der letztgenannten Komposition hieß es in dem von Bülow verfasstem Referat wörtlich:, ,Bei der Mazeppadichtung, wo alle Geister des Orchesters entfesselt werden, war die Aufgabe, Feuer und Schwung mit untadelhafter Sauberkeit und Präzision zu vereinigen, für die Ausführenden eine Wahrhaft gewaltige. Aber es schien, als ob mit der Größe der Aufgabe auch die Kräfte gewachsen wären.
Die Ausführung war bewunderungswürdig an lebensvoller Auffassung und technischer Ausdauer.

Die Sondershäuser Kapelle darf dem Ruhm der Initiative ohne die Besorgnis behaupten, in dieser schönen Leistung von einer anderen übertroffen zu werden“.

Seit dieser Zeit bezeichnete man Sondershausen immer öfter als Musikstadt.


Alexander Kellner schrieb damals über die Bedeutung der Lohkonzerte weiter:
,,Im Loh liegt die kulturelle Bedeutung Sondershausens in der Vergangenheit und in der fernen Zukunft. Würde der Lohplatz veröden, würden die Lohkonzerte ihren künstlerischen Ruf und ihre Verwurzelung in der Volksseele verlieren, dann würde unsere Stadt das einbüßen, was ihr ihre Stellung in der musikalischen Welt verlieh, was sie weit hinaushob über alle anderen Städte ihrer Größe.

Das Loh ist nicht irgendeinem Ausflugsort gleichzusetzen, ein Kaffeegarten oder Bierlokal, an dem man nach Belieben vorüber gehen kann, sondern das Lohgeschehen ist eine Gemeinschaftsangelegenheit von höchster kultureller Bedeutung. Es ist ein heiliges Vermächtnis vergangener Geschlechter, das wir zu erhalten, zu pflegen und der Nachwelt weiterzugeben haben…“

Vom einstigen Loh und seinen außerordentlichen Konzerten ist nichts in der heutigen Zeit angekommen. Öde und verlassen liegt der Lohplatz im Park. Nur der alte Sockel des ehemaligen Schießplatzes auf dem die einstige Lohhalle stand, träumt vielleicht noch in mondhellen Nächten von der alten Glanzzeit!

Dabei hätte man nach dem Bau der Umgehungsstraße, als kein großer Verkehrsfluss mehr am Loh vorbeiführte, diese alte Tradition wieder aufleben lassen können.
Die Lohhalle wieder aufzubauen und die Konzertsaison wieder einzuführen, dies wäre für Sondershausen sicher ein voller Erfolg geworden. Was hätte Sondershausen für einen Zustrom von Konzertbesuchern, wenn sonntags im Loh das Lohorchester konzertierte.
Die Konzerte im Blauen Saal oder im Achteckhaus sind angenehm, aber ein Konzert in freier Natur wäre ein purer Hochgenuss.
Viele Bürger und Institutionen hätten sich sicher bei einem entsprechenden Aufruf mit Geld- und Sachspenden an diesem Projekt beteiligt. Dass der Kunstgenuss in Sondershausen noch nicht ganz gestorben ist, beweisen doch die jährlichen Schlossfestspiele und die gut besuchten Lohkonzerte.

Im vergangenen Jahr gab es einige Jubiläen, die stillschweigend an der Stadt vorbeigezogen sind, wie
160 Jahre Musikstadt, 215 Jahre alt war das Lohorchesters und 180 Jahre bestand der Schlosspark.
Leider wird in Sachen Kultur auf alte Traditionen und Ereignisse zur Stadt- bzw. Residenzgeschichte kein großer Wert in Sondershausen gelegt, zum Teil aus Unkenntnis, vielleicht aber auch aus Mangel an Interesse?

Die Aufzeichnungen von Alexander Kellner stammen aus dem Jahr 1936.

Hanna Nagel
Sondershausen
Autor: khh

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