Di, 14:18 Uhr
26.05.2026
Stehende Ovationen beim Schlosskonzert im Blauen Saal
Höchste Leidenschaften von Barock bis Tango
Viel Publikum war zum Schlosskonzert am Pfingstsonntag in den Blauen Saal nach Sondershausen gekommen. Schon das Motto »Barock meets Piazzolla« konnte auf ein abwechslungsreiches Programm neugierig machen...
Das Loh-Orchester musizierte unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabor Hontvari. Er hatte zunächst eine Reihe barocker Kompositionen ausgewählt, die sowohl durch ihre Tonsprache wie auch durch ihre besondere Emotionalität aufhorchen ließen. Am Beginn stand eine »Battalia«, in ihrer Schlachtendarstellung frühe Form der Programmmusik von dem gebürtigen Böhmen Heinrich Ignaz Franz von Biber, welcher heute nur noch den Geigern mit einigen Werken bekannt ist. Spannung verbreitete die einleitende Sonata, erfüllt von reich gestalteter Dynamik.
Ein geradezu frech karikierendes Quodlibet schloss sich an. Aufhorchen ließen »Der Mars« und eine Aria. Die teils virtuosen, teils gefühlvollen Violinsoli interpretierte Sophia Dobra, stellvertretende Konzertmeisterin des Orchesters, auf vollendete Weise. Eine kräftige Pizzicatobegleitung der tiefen Streicher imitierte das Schlagzeug. Dieses trat dann in der eigentlichen Schlachtmusik hinzu. Die Musiker liefen hier auch schauspielerisch zu Hochform auf. Überraschend stand am Schluss ein schmerzliches »Lamento der Verwundeten«.
Das Konzert im Blauen Saal wird am kommenden Sonntag, den 31. Mai, noch einmal wiederholt (Foto: Marco Kneise)
Die Ausschnitte aus Henry Purcells »Feenkönigin« und »König Arthur« verbreiteten zunächst galante Stimmung. Leidenschaftliche Steigerungen brachte eine Passacaglia. Hier standen die Holzbläser reichhaltig konzertierend den Streichern gegenüber. Augenzwinkernde Groteske zeigte der »Affentanz«. Hier nahm der Dirigent selbst den Schellenkranz in die Hand.
Zukunftsweisend dürfte man im 18. Jahrhundert die Sinfonia F-Dur des ältesten Bach-Sohnes Wilhelm Friedemann empfunden haben. Der aus diesem Werk erklingende erste Satz überraschte durch Spannungen und kühnste Harmoniefolgen. Ein plötzlich im Piano verhallender Schluss ließ das Publikum etwas verblüfft zurück.
Die Tänze aus der Ballettoper »Das galante Indien« des Franzosen Jean-Philippe Rameau ließen durch den reichen Schlagzeugeinsatz aufhorchen. Auch hier beteiligte sich Hontvari begeistert selbst musizierend. Rigaudon und Tambourin malten zunächst das Leben am Hof eines großmütigen orientalischen Fürsten. Mit kraftvoll aufstampfenden Rhythmen führte anschließend der »Tanz der großen Friedenspfeife« in die Welt der Ureinwohner Nordamerikas.
Zwischen die Barockmusik schoben sich höchst emotional geprägte Stücke des vor allem als Meister des Tangos bekannten Argentiniers Astor Piazzolla. Glutvolle Leidenschaft verbreitete der in einer Streicherbearbeitung gespielte »Libertango«, sicher das bekannteste Werk dieses Komponisten. Die »Oblivion«, deutsch »Vergessenheit« führte dagegen zu eher melancholischer Stimmung.
Sophia Dobra gestaltete ihr Solo mit allen Facetten von tiefster Nachdenklichkeit bis hin zu intensivstem Ausdruck. Die beiden Stücke »Herbst« und »Frühling in Buenos Aires« erwiesen sich als kleine dreiteilige Violinkonzerte, sichtlich angeregt durch Antonio Vivaldis »Vier Jahreszeiten«. Hier zeigte Dobra höchste Virtuosität, aber auch manch überraschende geigerischen Effekte. Im langsamen Teil des »Herbstes« trat auch der Solocellist mit ausdrucksstarken Kantilenen hervor, gefolgt von einer großen Violinkadenz. Am Schluss des »Frühlings« freuten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer über das Cembalozitat aus dem entsprechenden Vivaldi-Konzert. Ovationen feierten Dirigent und Orchester, welche sich noch mit der Wiederholung eines der Rameau-Tänze bedankten.
Ronald Uhlig
Autor: redDas Loh-Orchester musizierte unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabor Hontvari. Er hatte zunächst eine Reihe barocker Kompositionen ausgewählt, die sowohl durch ihre Tonsprache wie auch durch ihre besondere Emotionalität aufhorchen ließen. Am Beginn stand eine »Battalia«, in ihrer Schlachtendarstellung frühe Form der Programmmusik von dem gebürtigen Böhmen Heinrich Ignaz Franz von Biber, welcher heute nur noch den Geigern mit einigen Werken bekannt ist. Spannung verbreitete die einleitende Sonata, erfüllt von reich gestalteter Dynamik.
Ein geradezu frech karikierendes Quodlibet schloss sich an. Aufhorchen ließen »Der Mars« und eine Aria. Die teils virtuosen, teils gefühlvollen Violinsoli interpretierte Sophia Dobra, stellvertretende Konzertmeisterin des Orchesters, auf vollendete Weise. Eine kräftige Pizzicatobegleitung der tiefen Streicher imitierte das Schlagzeug. Dieses trat dann in der eigentlichen Schlachtmusik hinzu. Die Musiker liefen hier auch schauspielerisch zu Hochform auf. Überraschend stand am Schluss ein schmerzliches »Lamento der Verwundeten«.
Das Konzert im Blauen Saal wird am kommenden Sonntag, den 31. Mai, noch einmal wiederholt (Foto: Marco Kneise)
Die Ausschnitte aus Henry Purcells »Feenkönigin« und »König Arthur« verbreiteten zunächst galante Stimmung. Leidenschaftliche Steigerungen brachte eine Passacaglia. Hier standen die Holzbläser reichhaltig konzertierend den Streichern gegenüber. Augenzwinkernde Groteske zeigte der »Affentanz«. Hier nahm der Dirigent selbst den Schellenkranz in die Hand.
Zukunftsweisend dürfte man im 18. Jahrhundert die Sinfonia F-Dur des ältesten Bach-Sohnes Wilhelm Friedemann empfunden haben. Der aus diesem Werk erklingende erste Satz überraschte durch Spannungen und kühnste Harmoniefolgen. Ein plötzlich im Piano verhallender Schluss ließ das Publikum etwas verblüfft zurück.
Die Tänze aus der Ballettoper »Das galante Indien« des Franzosen Jean-Philippe Rameau ließen durch den reichen Schlagzeugeinsatz aufhorchen. Auch hier beteiligte sich Hontvari begeistert selbst musizierend. Rigaudon und Tambourin malten zunächst das Leben am Hof eines großmütigen orientalischen Fürsten. Mit kraftvoll aufstampfenden Rhythmen führte anschließend der »Tanz der großen Friedenspfeife« in die Welt der Ureinwohner Nordamerikas.
Zwischen die Barockmusik schoben sich höchst emotional geprägte Stücke des vor allem als Meister des Tangos bekannten Argentiniers Astor Piazzolla. Glutvolle Leidenschaft verbreitete der in einer Streicherbearbeitung gespielte »Libertango«, sicher das bekannteste Werk dieses Komponisten. Die »Oblivion«, deutsch »Vergessenheit« führte dagegen zu eher melancholischer Stimmung.
Sophia Dobra gestaltete ihr Solo mit allen Facetten von tiefster Nachdenklichkeit bis hin zu intensivstem Ausdruck. Die beiden Stücke »Herbst« und »Frühling in Buenos Aires« erwiesen sich als kleine dreiteilige Violinkonzerte, sichtlich angeregt durch Antonio Vivaldis »Vier Jahreszeiten«. Hier zeigte Dobra höchste Virtuosität, aber auch manch überraschende geigerischen Effekte. Im langsamen Teil des »Herbstes« trat auch der Solocellist mit ausdrucksstarken Kantilenen hervor, gefolgt von einer großen Violinkadenz. Am Schluss des »Frühlings« freuten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer über das Cembalozitat aus dem entsprechenden Vivaldi-Konzert. Ovationen feierten Dirigent und Orchester, welche sich noch mit der Wiederholung eines der Rameau-Tänze bedankten.
Ronald Uhlig