Mi, 19:48 Uhr
27.05.2026
Wanderbericht
Der Wettergott muss ein Wanderer sein
Kirchen, Bratwurst und mystische Waldwege: Der Hainleite-Wanderklub erlebte im Mai einen abwechslungsreichen Wandermonat. Von historischen Kirchtürmen in Sondershausen über das Bratwurstmuseum in Mühlhausen bis zu verborgenen Begräbnisstätten im Eichsfeld...
Der Mai verspricht ein schöner Wandermonat zu werden. Gleich am 1. Mai lacht die Sonne. Eine Gruppe von 26 Wanderinnen und Wanderern fährt von Sondershausen nach Udersleben. Sie folgen einer Einladung des Wandervereins Udersleben. Die Uderslebener Wanderer gehören zum SSV 1923 Udersleben e.V. Dieser Verein hat am 1. Mai zu einem Sportfest und Familientag im dortigen Sport- und Vereinszentrum geladen. Unsere Wanderfreunde aus Udersleben begehen in diesem Rahmen ihren 35. Jahrestag der Gründung ihrer Wandergruppe.
Als wir ankommen, ist der Sportplatz schon gut gefüllt. Auf dem Rasenplatz bereiten sich die Schüler auf ein Fußballturnier vor. Des Weiteren sind Fußball-Dart und eine Hüpfburg aufgebaut. Wir werden durch Sportfreund Lars Stolberg, Vorsitzender des Sportvereins, begrüßt. Nun führt uns Wanderfreundin Christiane Thelemann auf einen Rundweg um den Ort.
Nach unserer Rückkehr sitzen wir gemütlich beisammen. Die Versorgung ist bestens organisiert. Jeder kann sich bei Bratwurst, Steak, Pommes oder Nudeln mit Tomatensoße und dazu einem Bier oder einer Brause von den Anstrengungen der Wanderung erholen. Auch Kaffee und guter selbstgebackener Kuchen werden kräftig zugesprochen. Mancher einer nimmt noch ein Päckchen davon mit nach Hause.
Sportfreund Stolberg ergreift erneut das Wort. In seiner Rede betont er die gute Entwicklung der Wandergruppe. Er ehrt unsere Wanderfreundin Thelemann für ihren persönlichen Einsatz. So geht der erste schöne Wandertag im Mai zu Ende.
Nach einer Nacht mit besonderer Wetterlage und mehr als 60 mm Niederschlag laufe ich los, denn heute ist Wandertag. Wir wollen einige Kirchen in Sondershausen besuchen und ich bin der Wanderführer. Die Wetterprognose ist auch nicht beruhigend. Auf dem Weg zum Treffpunkt an der Cruciskirche fallen wenige Tropfen vom Himmel. Das Handy meldet sich. Über Katwarn gibt es eine Hochwasserwarnung für Unstrut und Wipper. Das Gefühl in meinem Magen wird immer flauer.
Wider Erwarten kamen 30 Wanderinnen und Wanderer. Herr Wytrieckus war auch schon da. Er ließ uns ins Kircheninnere. Dort gab er im Bürgersaal eine Einführung zur Geschichte der Kirche, beginnend mit ihrer Erbauung im Jahr 1392 bis hin zur Übergabe des neuen Bürgerzentrums im Jahr 2017. Es gab viele spannende Dinge zu berichten, zum Beispiel die Sage, die erzählt, wie es zur Erbauung der Kirche kam, die Rettung der unter dem heutigen Vorraum verborgenen Gräber und die vielen Arbeitsstunden, die die Mitglieder des Förderkreises erbrachten, sowie die tatkräftige Unterstützung hier ansässiger Firmen durch Sach- und Geldspenden.
Die anschließende Turmführung brachte manche neue Erkenntnis. So wurde der untere Turmabschnitt früher als Wachstube genutzt und erst danach in den kirchlichen Bau einbezogen. Weiter oben gab es dann die originale Glocke zu bestaunen, die zunächst verschollen galt und 2019 in Nordhausen im Museum Tabakspeicher entdeckt wurde und wieder nach Hause kam. Eigentlich sollte sie zu Zeiten des Ersten Weltkrieges eingeschmolzen werden. Ganz oben in der Turmhaube war der Schreck groß, als wir auf die stark angestiegene Wipper schauen konnten. Wir danken Herrn Wytrieckus für diese spannende Stunde.
Unser nächstes Ziel ist die kleine evangelische Kirche St. Matthäi in Jecha. Diese erreichten wir trockenen Hauptes. Hier erwarteten uns schon Herr und Frau Hanewinkel. Mit dem Bau der Kirche wurde im 13. Jahrhundert begonnen. Die ältesten Teile der Kirche sind der Turm und ein östlich daran angebauter Chor sowie das später im gotischen Stil angefügte Langhaus.
Das Innere der Kirche ziert ein Altar, den Fürst Günter I. im Jahr 1724 stiftete. Er stand zuvor in der Schlosskapelle in Sondershausen. An der Nordwand steht vor dem Altar ein aus Kalkstein gehauener Taufstein, vermutlich aus dem 13./14. Jahrhundert. Auf der Südseite steht die Kanzel aus dem Jahre 1718. Im Obergeschoss auf der Westseite befindet sich die Orgel aus dem Jahre 1850. Im Glockenstuhl hängen zwei Bronzeglocken, eine aus den Jahren 1920/30 und die zweite von 1966. Beide wurden von der Firma Schilling in Apolda gegossen.
Wir gehen jetzt weiter nach Berka. Einen ersten Halt machen wir auf dem Gelände des einst dort ansässigen Raude-Schachtes oder auch Schacht 4. Leider können wir nicht mehr zur Abdeckplatte der einstigen Schachtröhre, denn die Wiese, auf der sich diese befindet, ist abgesperrt. Wir schauen uns noch die Ruine der KCL-Fabrik an. Unser Gedenken galt auch den vielen Zwangsarbeitern, vor allem Frauen, die in der einstigen Munitionsfabrik arbeiten mussten und Panzergranaten herstellten. Der Schacht unterstand nach 1938 der Heeresmunitionsanstalt. Die am Waldrand in einem Produktionsbetrieb hergestellten Granaten wurden bis zu ihrem Abtransport an die Front unter Tage eingelagert. Bei der Beräumung dieser Lagerstätte kam es nach Kriegsende noch zu einem schweren Unfall, bei dem 16 Frauen, davon acht aus Berka, starben.
Wir kommen an der Kirche St. Viti am östlichen Ende Berkas an. Hier erwartet uns Herr Berninger und lässt uns in das Kircheninnere. St. Viti ist eine evangelische Kirche. Bereits im Jahr 1407 wird für Berka ein erster Pfarrer erwähnt. Der Turm ist auf das 13. Jahrhundert zurückzuführen. In den Jahren 1472/73 setzte man die heutige Turmspitze auf. In den Jahren 1723/24, also zur Zeit des Übergangs von Frühbarock zum Spätbarock, wurde das Kirchenschiff neu ausgebaut, mit einem neuen Dach versehen und die Außenaufgänge angefügt. Im Kircheninneren wurden die Emporen errichtet, eine neue Kanzel gestiftet und eine Orgel angeschafft. In späteren Jahren wurden weitere Renovierungen ausgeführt.
Im Turm hängt eine Glocke mit 1,35 Meter Durchmesser. Es soll die größte in der Region sein und wurde 1704 in Erfurt gegossen. Direkt neben der Kirche steht ein Denkmal zu Ehren der im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Berkaer Einwohner. Auch die oben genannten Frauen, die bei dem Unglück in der Muna umgekommen sind, werden auf einer Gedenktafel genannt.
Nach einer kurzen Stärkung geht es über den Radweg wieder in Richtung Stadtmitte. Jetzt ist es warm und trocken, als wir an der Gänsespitze ankommen.
Am darauffolgenden Mittwoch stand die Wanderung um den Hängsberg bei Greußen auf dem Plan. Die Wettersituation ist ähnlich wie die der vergangenen Woche. Früh Bewölkung und kleiner Nieselregen, also nichts, was uns am Wandern hindern könnte.
In Greußen auf dem Karlsplatz erwartet uns Ellinor Paul, unsere heutige Wanderführerin. Den Hängsberg, ein kleines Waldstück mit Stausee für die Helbe, haben wir schon des Öfteren besucht. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom, so auch zum Hängsberg.
Erste Station ist heute der Warthügel. Im Mittelalter stand hier einst ein Wartturm, von dem heute nichts mehr vorhanden ist. Am 16.10.1806 besetzte Generalleutnant Blücher den Warthügel und am selben Nachmittag trafen hier französische Truppen ein. Im Jahr 1853 wurde auf dem Hügel ein Obelisk errichtet. Auf dem heute noch sichtbaren Sockelstein wird an den 50. Jahrestag der Völkerschlacht erinnert. Unter dem Hügel sollen sich noch heute mehrere Stollen befinden, in denen früher das in Greußen gebraute Bier gelagert wurde.
Dann erreichten wir den Stausee. Dieser ist für Angler eine Topadresse. In der Wanderhütte machen wir Rast und bereiten uns auf den Rückmarsch vor. Es ist um die Mittagszeit und auf unserem Rückmarsch fallen einige wärmende Strahlen unserer Sonne auf uns hernieder. So kommen wir auch an diesem Tag ohne Unwetter wieder zu Hause an.
Am 20. Mai steht ein großartiges Event auf dem Plan. Wir fahren nach Mühlhausen. Die Autos stellen wir in Zentrumsnähe ab. Dann gehen wir zu Fuß, zunächst entlang der einstigen Stadtmauer durch die Stadt und dann in Richtung Stadtwald zum Bratwurstmuseum. Unterwegs sahen wir die Kugelteichmühle, Ersterwähnung 1540, und die Mittelmühle, Ersterwähnung 1631. Beide Wassermühlen wurden lange Zeit als Mahlmühlen genutzt und dienen heute nach umfangreichen Sanierungen zu Wohnzwecken.
In unmittelbarer Nachbarschaft zum Bratwurstmuseum befindet sich ein Barackenlager. Seit dem Frühjahr 1942 waren hier mehr als 900 Zwangsarbeiterinnen aus der damaligen Sowjetunion untergebracht. Diese mussten für die im Stadtwald befindliche Zünderfabrik Gerätebau arbeiten. Von September 1944 bis Februar 1945 bestand auf einem Teil dieses Geländes ein Außenlager des KZ Buchenwald. Jüdische Frauen und Mädchen aus Osteuropa wurden zur Rüstungsproduktion gezwungen.
Nach unserem Einzug in das Bratwurstmuseum wurde zunächst der Bratwurststand belagert. Man kann Bratwurst sowie Rostbrätel mit Brötchen oder Kartoffelsalat wählen. Jeder hat etwas Schmackhaftes gefunden. Danach erkundeten wir das Außengelände, den Hofladen oder auch die längste begehbare Bratwurst in Deutschland. Dort gibt es auch ein Bild des Letzten Abendmahls mit Jesus und seinen Jüngern. Ich hatte den Eindruck, als hätten auch sie Bratwurst und Brätel verspeist.
Nach etwa einer Stunde rief uns Michael Trinkaus, unser heutiger Wanderführer, zum Rückmarsch. Einen Höhepunkt hatte er noch aufgehoben. Durch einen kurzen Umweg kamen wir zur evangelischen Divi-Blasii-Kirche, der Kirche des göttlichen Blasius. Deren erste Erwähnung erfolgt in einer Urkunde aus dem Jahr 1227. Deutlich sieht man hier die Spuren der Gotik mit ihren hohen spitzen Fenstern und den Einfluss der Kathedralbauten Nordfrankreichs und des Rheinlandes. Ich mag sie, diese filigranen Riesen. Sie wurden von Menschen erdacht und gebaut, zu Zeiten, in denen ihnen unsere heutige Technik nicht zur Verfügung stand. In dieser Kirche hat in den Jahren 1707 bis 1708 einer der größten deutschen Komponisten geistiger Musik, Johann Sebastian Bach, die Orgel gespielt.
Jetzt am Nachmittag auf dem Rückweg zum Parkplatz fielen einige Regentropfen. Jedoch kann man auch heute sagen, dass der Wettergott wieder bei uns war.
Am 27. Mai besuchen wir das Eichsfeld. Über das Wetter muss ich heute nicht viel sagen. Seit Pfingsten Sonne pur. Da ist es gut, dass unsere Wanderung teils über mystische Waldwege mit verborgenen Begräbnisstätten verläuft.
Aber der Reihe nach. Bereits um 08:00 Uhr brechen wir in Sondershausen auf und fahren zum Glashaus in Worbis. Unser Wanderführer, Fritz Rasch, führt uns zügig aus der Stadt in Richtung des Ortes Witzingerode und hinein in das Ohmgebirge.
Oberhalb dieses Ortes werden auf einmal unsere Wanderstiefel nass, obwohl kein Tropfen vom Himmel fällt. Wir stehen vor der Katharinenquelle, die den gleichnamigen Bach speist. Diese Quelle speist sich aus Niederschlägen. Im Frühsommer versiegt sie. Um den 25. November herum lässt sie den Bach wieder abwärts strömen. Der 25. November ist der Tag der heiligen Katharina.
Bald stoßen wir auf die im Wald errichtete Begräbnisstätte der Reichsgrafen von Wintzingerode. Neben mehreren Gräbern, die um ein großes Steinkreuz liegen, gibt es eine Gruft. Darin sind ein noch gut erhaltener Sarg und mehrere in die Wand eingelassene Grabstätten zu sehen.
Nun kommen wir an der Burg Bodenstein an. Sie liegt etwa auf 500 Meter Höhe. Ihre Geschichte reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück. Seit mehreren Jahren laufen hier umfangreiche Sanierungsarbeiten, die voraussichtlich noch bis 2027 andauern werden. Diese sind auch der Grund dafür, dass wir die Burg nicht ausgiebig besichtigen können.
Einzig die kleine wohlgestaltete Kapelle können wir sehen. Beim Eintritt werden wir von einem im Raum schwebenden Taufengel begrüßt. Über dem Altar steht eine Orgel aus dem Jahr 1730 und erfreut die Besucher noch heute mit ihrem Spiel. Eine aus dem 12. Jahrhundert stammende Bronzeglocke soll die älteste Glocke des Eichsfelds sein.
Nach etwa 15 Minuten der Besinnung verlassen wir die kleine Kapelle. In der Nähe finden wir Tische und Bänke und stärken uns für den Rückmarsch. Dabei stoßen wir auf ein weiteres großes Steinkreuz mitten im Wald. Auch hier sind um das Kreuz Gräber angeordnet. Die Schrift der Steine war leider nicht zu erkennen.
Wir kommen jetzt zu einem Felsen, genannt der Kanstein, der etwa 30 Meter in die Tiefe fällt. Auf einer Tafel ist zu lesen: Hier von dieser steilen Wand stürzte ab ein Musikant, oben blus er die Trompeten, unten ging er leider flöten. +1.4.1928.
Am Glashaus nahm unsere schöne Wanderung ein Ende.
Wolfgang Lehmann, Hainleite-Wanderklub e.V.
Autor: redDer Mai verspricht ein schöner Wandermonat zu werden. Gleich am 1. Mai lacht die Sonne. Eine Gruppe von 26 Wanderinnen und Wanderern fährt von Sondershausen nach Udersleben. Sie folgen einer Einladung des Wandervereins Udersleben. Die Uderslebener Wanderer gehören zum SSV 1923 Udersleben e.V. Dieser Verein hat am 1. Mai zu einem Sportfest und Familientag im dortigen Sport- und Vereinszentrum geladen. Unsere Wanderfreunde aus Udersleben begehen in diesem Rahmen ihren 35. Jahrestag der Gründung ihrer Wandergruppe.
Als wir ankommen, ist der Sportplatz schon gut gefüllt. Auf dem Rasenplatz bereiten sich die Schüler auf ein Fußballturnier vor. Des Weiteren sind Fußball-Dart und eine Hüpfburg aufgebaut. Wir werden durch Sportfreund Lars Stolberg, Vorsitzender des Sportvereins, begrüßt. Nun führt uns Wanderfreundin Christiane Thelemann auf einen Rundweg um den Ort.
Nach unserer Rückkehr sitzen wir gemütlich beisammen. Die Versorgung ist bestens organisiert. Jeder kann sich bei Bratwurst, Steak, Pommes oder Nudeln mit Tomatensoße und dazu einem Bier oder einer Brause von den Anstrengungen der Wanderung erholen. Auch Kaffee und guter selbstgebackener Kuchen werden kräftig zugesprochen. Mancher einer nimmt noch ein Päckchen davon mit nach Hause.
Sportfreund Stolberg ergreift erneut das Wort. In seiner Rede betont er die gute Entwicklung der Wandergruppe. Er ehrt unsere Wanderfreundin Thelemann für ihren persönlichen Einsatz. So geht der erste schöne Wandertag im Mai zu Ende.
Nach einer Nacht mit besonderer Wetterlage und mehr als 60 mm Niederschlag laufe ich los, denn heute ist Wandertag. Wir wollen einige Kirchen in Sondershausen besuchen und ich bin der Wanderführer. Die Wetterprognose ist auch nicht beruhigend. Auf dem Weg zum Treffpunkt an der Cruciskirche fallen wenige Tropfen vom Himmel. Das Handy meldet sich. Über Katwarn gibt es eine Hochwasserwarnung für Unstrut und Wipper. Das Gefühl in meinem Magen wird immer flauer.
Wider Erwarten kamen 30 Wanderinnen und Wanderer. Herr Wytrieckus war auch schon da. Er ließ uns ins Kircheninnere. Dort gab er im Bürgersaal eine Einführung zur Geschichte der Kirche, beginnend mit ihrer Erbauung im Jahr 1392 bis hin zur Übergabe des neuen Bürgerzentrums im Jahr 2017. Es gab viele spannende Dinge zu berichten, zum Beispiel die Sage, die erzählt, wie es zur Erbauung der Kirche kam, die Rettung der unter dem heutigen Vorraum verborgenen Gräber und die vielen Arbeitsstunden, die die Mitglieder des Förderkreises erbrachten, sowie die tatkräftige Unterstützung hier ansässiger Firmen durch Sach- und Geldspenden.
Die anschließende Turmführung brachte manche neue Erkenntnis. So wurde der untere Turmabschnitt früher als Wachstube genutzt und erst danach in den kirchlichen Bau einbezogen. Weiter oben gab es dann die originale Glocke zu bestaunen, die zunächst verschollen galt und 2019 in Nordhausen im Museum Tabakspeicher entdeckt wurde und wieder nach Hause kam. Eigentlich sollte sie zu Zeiten des Ersten Weltkrieges eingeschmolzen werden. Ganz oben in der Turmhaube war der Schreck groß, als wir auf die stark angestiegene Wipper schauen konnten. Wir danken Herrn Wytrieckus für diese spannende Stunde.
Unser nächstes Ziel ist die kleine evangelische Kirche St. Matthäi in Jecha. Diese erreichten wir trockenen Hauptes. Hier erwarteten uns schon Herr und Frau Hanewinkel. Mit dem Bau der Kirche wurde im 13. Jahrhundert begonnen. Die ältesten Teile der Kirche sind der Turm und ein östlich daran angebauter Chor sowie das später im gotischen Stil angefügte Langhaus.
Das Innere der Kirche ziert ein Altar, den Fürst Günter I. im Jahr 1724 stiftete. Er stand zuvor in der Schlosskapelle in Sondershausen. An der Nordwand steht vor dem Altar ein aus Kalkstein gehauener Taufstein, vermutlich aus dem 13./14. Jahrhundert. Auf der Südseite steht die Kanzel aus dem Jahre 1718. Im Obergeschoss auf der Westseite befindet sich die Orgel aus dem Jahre 1850. Im Glockenstuhl hängen zwei Bronzeglocken, eine aus den Jahren 1920/30 und die zweite von 1966. Beide wurden von der Firma Schilling in Apolda gegossen.
Wir gehen jetzt weiter nach Berka. Einen ersten Halt machen wir auf dem Gelände des einst dort ansässigen Raude-Schachtes oder auch Schacht 4. Leider können wir nicht mehr zur Abdeckplatte der einstigen Schachtröhre, denn die Wiese, auf der sich diese befindet, ist abgesperrt. Wir schauen uns noch die Ruine der KCL-Fabrik an. Unser Gedenken galt auch den vielen Zwangsarbeitern, vor allem Frauen, die in der einstigen Munitionsfabrik arbeiten mussten und Panzergranaten herstellten. Der Schacht unterstand nach 1938 der Heeresmunitionsanstalt. Die am Waldrand in einem Produktionsbetrieb hergestellten Granaten wurden bis zu ihrem Abtransport an die Front unter Tage eingelagert. Bei der Beräumung dieser Lagerstätte kam es nach Kriegsende noch zu einem schweren Unfall, bei dem 16 Frauen, davon acht aus Berka, starben.
Wir kommen an der Kirche St. Viti am östlichen Ende Berkas an. Hier erwartet uns Herr Berninger und lässt uns in das Kircheninnere. St. Viti ist eine evangelische Kirche. Bereits im Jahr 1407 wird für Berka ein erster Pfarrer erwähnt. Der Turm ist auf das 13. Jahrhundert zurückzuführen. In den Jahren 1472/73 setzte man die heutige Turmspitze auf. In den Jahren 1723/24, also zur Zeit des Übergangs von Frühbarock zum Spätbarock, wurde das Kirchenschiff neu ausgebaut, mit einem neuen Dach versehen und die Außenaufgänge angefügt. Im Kircheninneren wurden die Emporen errichtet, eine neue Kanzel gestiftet und eine Orgel angeschafft. In späteren Jahren wurden weitere Renovierungen ausgeführt.
Im Turm hängt eine Glocke mit 1,35 Meter Durchmesser. Es soll die größte in der Region sein und wurde 1704 in Erfurt gegossen. Direkt neben der Kirche steht ein Denkmal zu Ehren der im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Berkaer Einwohner. Auch die oben genannten Frauen, die bei dem Unglück in der Muna umgekommen sind, werden auf einer Gedenktafel genannt.
Nach einer kurzen Stärkung geht es über den Radweg wieder in Richtung Stadtmitte. Jetzt ist es warm und trocken, als wir an der Gänsespitze ankommen.
Am darauffolgenden Mittwoch stand die Wanderung um den Hängsberg bei Greußen auf dem Plan. Die Wettersituation ist ähnlich wie die der vergangenen Woche. Früh Bewölkung und kleiner Nieselregen, also nichts, was uns am Wandern hindern könnte.
In Greußen auf dem Karlsplatz erwartet uns Ellinor Paul, unsere heutige Wanderführerin. Den Hängsberg, ein kleines Waldstück mit Stausee für die Helbe, haben wir schon des Öfteren besucht. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom, so auch zum Hängsberg.
Erste Station ist heute der Warthügel. Im Mittelalter stand hier einst ein Wartturm, von dem heute nichts mehr vorhanden ist. Am 16.10.1806 besetzte Generalleutnant Blücher den Warthügel und am selben Nachmittag trafen hier französische Truppen ein. Im Jahr 1853 wurde auf dem Hügel ein Obelisk errichtet. Auf dem heute noch sichtbaren Sockelstein wird an den 50. Jahrestag der Völkerschlacht erinnert. Unter dem Hügel sollen sich noch heute mehrere Stollen befinden, in denen früher das in Greußen gebraute Bier gelagert wurde.
Dann erreichten wir den Stausee. Dieser ist für Angler eine Topadresse. In der Wanderhütte machen wir Rast und bereiten uns auf den Rückmarsch vor. Es ist um die Mittagszeit und auf unserem Rückmarsch fallen einige wärmende Strahlen unserer Sonne auf uns hernieder. So kommen wir auch an diesem Tag ohne Unwetter wieder zu Hause an.
Am 20. Mai steht ein großartiges Event auf dem Plan. Wir fahren nach Mühlhausen. Die Autos stellen wir in Zentrumsnähe ab. Dann gehen wir zu Fuß, zunächst entlang der einstigen Stadtmauer durch die Stadt und dann in Richtung Stadtwald zum Bratwurstmuseum. Unterwegs sahen wir die Kugelteichmühle, Ersterwähnung 1540, und die Mittelmühle, Ersterwähnung 1631. Beide Wassermühlen wurden lange Zeit als Mahlmühlen genutzt und dienen heute nach umfangreichen Sanierungen zu Wohnzwecken.
In unmittelbarer Nachbarschaft zum Bratwurstmuseum befindet sich ein Barackenlager. Seit dem Frühjahr 1942 waren hier mehr als 900 Zwangsarbeiterinnen aus der damaligen Sowjetunion untergebracht. Diese mussten für die im Stadtwald befindliche Zünderfabrik Gerätebau arbeiten. Von September 1944 bis Februar 1945 bestand auf einem Teil dieses Geländes ein Außenlager des KZ Buchenwald. Jüdische Frauen und Mädchen aus Osteuropa wurden zur Rüstungsproduktion gezwungen.
Nach unserem Einzug in das Bratwurstmuseum wurde zunächst der Bratwurststand belagert. Man kann Bratwurst sowie Rostbrätel mit Brötchen oder Kartoffelsalat wählen. Jeder hat etwas Schmackhaftes gefunden. Danach erkundeten wir das Außengelände, den Hofladen oder auch die längste begehbare Bratwurst in Deutschland. Dort gibt es auch ein Bild des Letzten Abendmahls mit Jesus und seinen Jüngern. Ich hatte den Eindruck, als hätten auch sie Bratwurst und Brätel verspeist.
Nach etwa einer Stunde rief uns Michael Trinkaus, unser heutiger Wanderführer, zum Rückmarsch. Einen Höhepunkt hatte er noch aufgehoben. Durch einen kurzen Umweg kamen wir zur evangelischen Divi-Blasii-Kirche, der Kirche des göttlichen Blasius. Deren erste Erwähnung erfolgt in einer Urkunde aus dem Jahr 1227. Deutlich sieht man hier die Spuren der Gotik mit ihren hohen spitzen Fenstern und den Einfluss der Kathedralbauten Nordfrankreichs und des Rheinlandes. Ich mag sie, diese filigranen Riesen. Sie wurden von Menschen erdacht und gebaut, zu Zeiten, in denen ihnen unsere heutige Technik nicht zur Verfügung stand. In dieser Kirche hat in den Jahren 1707 bis 1708 einer der größten deutschen Komponisten geistiger Musik, Johann Sebastian Bach, die Orgel gespielt.
Jetzt am Nachmittag auf dem Rückweg zum Parkplatz fielen einige Regentropfen. Jedoch kann man auch heute sagen, dass der Wettergott wieder bei uns war.
Am 27. Mai besuchen wir das Eichsfeld. Über das Wetter muss ich heute nicht viel sagen. Seit Pfingsten Sonne pur. Da ist es gut, dass unsere Wanderung teils über mystische Waldwege mit verborgenen Begräbnisstätten verläuft.
Aber der Reihe nach. Bereits um 08:00 Uhr brechen wir in Sondershausen auf und fahren zum Glashaus in Worbis. Unser Wanderführer, Fritz Rasch, führt uns zügig aus der Stadt in Richtung des Ortes Witzingerode und hinein in das Ohmgebirge.
Oberhalb dieses Ortes werden auf einmal unsere Wanderstiefel nass, obwohl kein Tropfen vom Himmel fällt. Wir stehen vor der Katharinenquelle, die den gleichnamigen Bach speist. Diese Quelle speist sich aus Niederschlägen. Im Frühsommer versiegt sie. Um den 25. November herum lässt sie den Bach wieder abwärts strömen. Der 25. November ist der Tag der heiligen Katharina.
Bald stoßen wir auf die im Wald errichtete Begräbnisstätte der Reichsgrafen von Wintzingerode. Neben mehreren Gräbern, die um ein großes Steinkreuz liegen, gibt es eine Gruft. Darin sind ein noch gut erhaltener Sarg und mehrere in die Wand eingelassene Grabstätten zu sehen.
Nun kommen wir an der Burg Bodenstein an. Sie liegt etwa auf 500 Meter Höhe. Ihre Geschichte reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück. Seit mehreren Jahren laufen hier umfangreiche Sanierungsarbeiten, die voraussichtlich noch bis 2027 andauern werden. Diese sind auch der Grund dafür, dass wir die Burg nicht ausgiebig besichtigen können.
Einzig die kleine wohlgestaltete Kapelle können wir sehen. Beim Eintritt werden wir von einem im Raum schwebenden Taufengel begrüßt. Über dem Altar steht eine Orgel aus dem Jahr 1730 und erfreut die Besucher noch heute mit ihrem Spiel. Eine aus dem 12. Jahrhundert stammende Bronzeglocke soll die älteste Glocke des Eichsfelds sein.
Nach etwa 15 Minuten der Besinnung verlassen wir die kleine Kapelle. In der Nähe finden wir Tische und Bänke und stärken uns für den Rückmarsch. Dabei stoßen wir auf ein weiteres großes Steinkreuz mitten im Wald. Auch hier sind um das Kreuz Gräber angeordnet. Die Schrift der Steine war leider nicht zu erkennen.
Wir kommen jetzt zu einem Felsen, genannt der Kanstein, der etwa 30 Meter in die Tiefe fällt. Auf einer Tafel ist zu lesen: Hier von dieser steilen Wand stürzte ab ein Musikant, oben blus er die Trompeten, unten ging er leider flöten. +1.4.1928.
Am Glashaus nahm unsere schöne Wanderung ein Ende.
Wolfgang Lehmann, Hainleite-Wanderklub e.V.


