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Di, 10:13 Uhr
24.05.2022
Gewerkschaft warnt vor Bezahlung zum Mindestlohn

Mehr Geld für Reinigungskräfte gefordert

Sie reinigen Schulen und Büros, sorgen für Hygiene in Krankenhäusern und Pflegeheimen: Die 750 Reinigungskräfte in Nordthüringen machen nicht nur in Pandemie-Zeiten einen unverzichtbaren Job. Doch bei der Bezahlung droht den Beschäftigten ein herber Rückschritt...

Davor warnt die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU. „Aktuell erhalten Reinigungskräfte mindestens 11,55 Euro pro Stunde – also weit mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Aber der wird schon im Oktober auf 12 Euro steigen. Passiert bis dahin nichts, würden Gebäudereinigerinnen dann mit dem absoluten Lohn-Minimum nach Hause gehen. Für die wichtige und fachliche Arbeit, die sie leisten, ist das eindeutig zu wenig“, sagt Matthias Lötzsch.

Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Nordthüringen fordert deshalb, dass Beschäftigte auch weiterhin „deutlich mehr als den gesetzlichen Mindestlohn bekommen sollen“ – und zwar mindestens 13,73 Euro pro Stunde. Eine konkrete Zahl, für die der Gewerkschafter klare Gründe nennt: „Der spezielle Branchenmindestlohn in der Gebäudereinigung lag bisher 1,73 Euro über der gesetzlichen Lohnuntergrenze. Das muss auch so bleiben. Nur wenn die Bezahlung weiter attraktiv ist, wird es Firmen gelingen, überhaupt noch Personal für die Branche zu finden“, so Lötzsch. Die IG BAU fordert, dass gleichzeitig die Einkommen für Fachleute – etwa in der Glas- und Fassadenreinigung – deutlich zulegen.

Auch mit Blick auf die Preissteigerungen komme es jetzt darauf an, dass die Beschäftigten ein kräftiges Lohn-Plus erhielten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erreichte die Inflationsrate im April mit 7,4 Prozent einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung. „Menschen mit kleinem Geldbeutel wissen oft nicht mehr, wie sie bis zum Monatsende durchkommen sollen. Teure Energie und Lebensmittel machen gerade auch Reinigungskräften zu schaffen. Sie arbeiten oft in Teilzeit und müssen jeden Cent zweimal umdrehen“, so Lötzsch.

Bei der letzten Tarifverhandlung am 23. Mai habe der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) jedoch „nichts vorgelegt, was auf einen schnellen Tarifabschluss hoffen lässt“. Die Arbeitgeber sollten ihre Offerte nun rasch aufbessern – um Ärger mit ihren Beschäftigten zu vermeiden, so die IG BAU Nordthüringen. Unter dem Motto „Wir schwitzen nicht für Mindestlohn“ bereiteten sich Reinigungskräfte in der Region schon auf Protest-Aktionen vor. Die Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 700.000 Beschäftigten gehen am 2. Juni in Frankfurt am Main in die nächste Runde.
Autor: red

Kommentare
Trixie Kuntze
24.05.2022, 10.49 Uhr
Zahnloser Papiertiger Gewerkschaft?
Ich kann mich an dieser Stelle an mehrere Texte dieser Art von den Gewerkschaften zu den Reinigungskräften und Gebäuderreinigern erinnern. Warum wird immernur in beinahe jährlichen Abstand erneut das gleiche gefordert und nicht mal richtig gestreikt? Obwohl fraglich ist, ob kurzfristige Streiks überhaupt etwas bewirken (siehe Aryzta-Klemme)...

Streikt doch ruhig mal etwas länger und fordert auch mal mehr als nur diese 3 winzigen Prozentchen, gerade jetzt, in der doch Recht hohen Inflation. DAS wäre mal gewagt, aber so wie ich euch kenne, gebt ihr 3 bis 5Prozent über Lohnsteigerung mehrere Jahre wieder als "vollen Erfolg" aus und seid zufrieden. Klar, als hochbezahlter Gewerkschaftsfunktionär hätte ich da auch meine Ruhe weg...

Das ist doch echt alles nur noch ein Trauerspiel mit euch Gewerkschaften! Aber was darf man auch erwarten, man steckt ja mit Politik und Wirtschaft unter einer Decke, wie es so schön heißt, oder?
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